Prolog

Es ist September, wir sind beim Skaerbaek Fanweekend in Dänemark, und ich sehe den LEGO Technic Schaufelradbagger 42055 das erste Mal live an Maicos GBC Stand. Bisher hatte ich mir eher verkniffen, dieses riesige Set gut zu finden. Zu groß die Gefahr, dass der Bagger doch noch auf die Wunschliste gelangt und so das Budget und vor allem die Geduld meiner Frau weiter beansprucht. Aber als ich das gut Stück live, in voller Größe und in Aktion gesehen habe, war es allerdings einmal mal mehr geschehen. Haben!

Aber der Gedanke reifte noch etwas. In Dänemark konnte ich mich noch beherrschen. Auch im Januar 2017 im LEGO Store in Hamburg konnte ich mich noch beherrschen. Als mir dann vor dem Store aber jemand zuraunte, bei einem großen Discounter sei das Set grad sehr günstig™ im Angebot, musste ich mich leider für einen zehnminütigen Fußweg kurz mal eben von meiner Familie trennen. Ihr versteht das.

Hamburg hat mich danach angesehen wie einen Verrückten. Der Discounter hatte keine Tüten in der passenden Größe, und ich kein Auto in der Nähe. Also wie in den guten alten
Tagen einfach eine Menge Tüdelband um den Karton gewickelt, und einfach offen los getragen. Öffentlichkeitswirksam ist so ein großer Karton mit LEGO Logo auf jeden Fall. Kopfschütteln der besseren Hälfte inklusive. Der Sohn fands gut.

This thing is huge!

Ich weiß nicht, ob Ihr dieselbe Erfahrung gemacht habt. Ich sage: LEGO Technic macht langsam. Wohlig langsam. Während die meisten Sets sich inzwischen schnell bis viel zu schnell bauen, zwingt Technic zur Aufmerksamkeit und zur Extra-Portion Konzentration.

Sonst läuft es halt nicht. Somit war klar, dass der Bagger seine Zeit benötigen würde. Darauf habe ich mich riesig gefreut, und diese Vorfreude wurde nicht enttäuscht. Erst einmal fand ich im Karton des Schaufelradbaggers kaum Luft. Das ist leider inzwischen ungewöhnlich. Das Set hat 3929 Teile in 32 Tüten, und beim Auspacken türmte sich tatsächlich eine beträchtliche Menge LEGO Technic auf unserem sonst nicht so klein wirkenden Tisch.

Zu kleiner Tisch? | © David Wagner

Zum Anfüttern startet der Aufbau nicht mit dem Monstrum an sich, sondern mit dem kleinen aber feinen Abraum-LKW, der später glücklicherweise einen guten Aufbewahrungsort für den mitgelieferten Brick-Abraum bietet. Wie der Aufbau des LKW sich gestaltet hat kann ich Euch aber gar nicht sagen. Diesen Teil hat sich der Sohn direkt geschnappt, und sowohl diesen, als auch ein paar Tüten und die Anleitung war ich erst einmal los.

Und jetzt der Bagger! | © David Wagner

Nachdem der LKW gebaut, und damit der Sohnemann in den Spielmodus geschaltet war, durfte ich auch mal. Los geht es mit dem Unterbau, dem Fahrantrieb. Hier lauerte das erste Mal der dem geneigten LEGO Fan wohl bekannte, nervige Teil. Ketten bauen. Glied um Glied.

Förderband | © David Wagner

Ich hasse das. Aber Ketten sind sinnvoll, man braucht Ketten. Also, na gut. Der Antrieb gestaltet sich ansonsten zu meinem Entzücken schon bei den ersten Bauschritten sehr funktionslastig, und beschränkt sich nicht nur auf Rahmenbau und die Stabilität.

Schon jetzt fiel aber auf, dass bereits dieser Teil des Baggers schwer ist, und die Übersetzung zu den Ketten viel Kraft benötigen wird. „Wie viele Motoren waren bei dem Set noch gleich
dabei? Nur einer? Oh!“

Nur ein Motor, oha! | © David Wagner

Der nächste Block im Aufbau fällt dem unteren schwenkbaren Förderband zu. Auch hier wieder: Kettenglieder. Zudem entstand die später manuelle Einstellung zur Arretierung des Förderbandes.

Schritt für Schritt | © David Wagner

Zum Abschluss dieses Moduls werden die zwei Hydraulikzylinder montiert, die später den oberen Baggerteil in seinem Winkel verändern werden.

Auch diese Einstellung wird später manuell sein. Es ist keine Anbindung an die zentrale motorisierte Steuerung vorgesehen. Das hatte ich bis hierher übersehen. Das ist schade.

Beide Einstellungen – also die Winkelverstellung des Baggerteils und die Arretierung des Förderbandes – müssten doch bitte auch „automatisch“ laufen. Hier kommen wohl die allseits diskutierten „Designer-Entscheidungen“ ins Spiel. Passen die notwendigen Steinenoch ins Budget? Passt diese Funktion zum Gesamtdesign? Wo sind im Gesamtdesign Abstriche möglich, was „muss“, was „kann“?

Zahnrad | © David Wagner

Schaltung | © David Wagner

Weiter ging es mit dem riesigen Baggerarm. Nach und nach entstand die Verteilung der Kräfte vom Motor zu den Funktionen über Schiebeschalter, Gestänge, Getriebe und Zahnräder.

Komplex | © David Wagner

Dazu der lange Arm mit Förderband zum Schaufelrad. Spätestens hier begann auch die Schlacht mit großen Formteilen, um möglichst viel „Fläche“ zu erschaffen. Erwähnte ich in diesem Bauschritt schon die nächste Runde Kettenglieder?!

Spätestens als der Arm und der Unterbau Hochzeit hatten, wurde mir klar wie sehr sich ein Eindruck „Größe auf dem GBC Tisch bei Maico“ gegen „Größe auf meinem eigenen
Esszimmertisch“ unterscheiden kann.

Einer der letzten Schritte ist dann der Zusammenbau des Schaufelrades. Trotzdem man hier eine Menge großer Formteile in der Hand hat, macht der Zusammenbau des Rads großen Spaß. Ich denke, das lag zum einen an der schieren Größe, zum anderen aber sicherlich auch daran, dass ein Ende, und damit ein erster Test in Sichtweite kam.

MK III | © David Wagner

Wir befanden uns nun irgendwo mitten im zweiten Nachmittag des Aufbaus. Der Bagger hat mich tatsächlich zwei Tage aufs Feinste beschäftigt. Das ist sonst bei größeren Sets inzwischen selten geworden und hat mich daher doppelt gefreut.

Jetzt wird geschaufelt! | © David Wagner

Doch was war nun? Der Bagger war doch fertig? Warum waren da noch Tüten übrig? Und Seiten im Buch? Fehlte noch etwas? Offenbar. Und zwar die in meinen Augen fast überflüssigen Aufstiege, Gangways, das Führerhaus und die „Beleuchtung“.

Drehrad | © David Wagner

Klar sieht der MK III mit diesen Teilen noch besser aus, allerdings war ich auch ohne diese Abschlussarbeiten schon komplett von diesem Monster auf dem Tisch beeindruckt.

Fazit und Testlauf

Wer sich den LEGO Technic Schaufelradbagger 42055 nach Hause holt, der braucht Platz. Das ist mal klar. LEGO hat uns da ein riesiges Set beschert, welches beim Aufbau auch einen riesigen Spaß bereitet, und den geneigten Baumeister lange binden kann.

Schaufelradbagger auf Ketten | © David Wagner

Mein Fazit fällt positiv aus, für mich hat sich der Kauf des MK III dreifach gelohnt. Ich hatte Spaß beim Aufbau, mein Sohn und ich haben viel Freude beim Spielen mit dem Bagger, und zudem habe ich ein riesiges neues GBC (Great Ball Contraption) Modul dazu gewonnen, welches ich auf der LEGO-Ausstellung Bricks Am Meer in Bad Zwischenahn gleich mal ausprobiert habe.

LEGO hat mit diesem Set schon einen großen Wurf gemacht, jedoch auch Schwächen eingebaut. So ist der einzige XL Motor mit den gegebenen Funktionen überfordert, und
einige Funktionen wurden erst gar nicht motorisiert geliefert. Ob das nun so negativ ist, vermag ich aber gar nicht zu sagen.

Überfordert | © David Wagner

Zahnräder | © David Wagner

Denn längst hat sich um die fehlenden Funktionen eine kleine Community gebildet, welche tolle Erweiterungen und Umbauten entwickelt hat. Beispiele finden sich hier und hier. Damit schließt sich der Kreis für mich wieder ein wenig.

Natürlich gibt man für diese Anpassungen noch einmal extra Geld aus, aber ist es nicht der Reiz des Kreativen und das Entwicklergen, welche Teil unserer LEGO-Sucht sind? Danach hat uns der Designer durch die fehlenden Funktionen lediglich einen tollen Trigger zum Weiterdenken gegeben, oder?

Fahrerkabine | © David Wagner

Ganz ohne Anpassungen, dafür mit allen Stickern und Batterien versehen sah unser Testlauf erst einmal so aus:

Pimp my Excavator

Doch was war das? Da hakt doch etwas!? Habe ich etwas falsch gemacht? Nach ausgiebiger Prüfung konnte ich nichts finden. Sagt das Internet etwas dazu? Treffer! So einige Besitzer des Baggers berichteten ebenfalls von einem solchen Problem: Trotz sauberem und geprüften Zusammenbau läuft das Schaufelrad nicht immer rund und hakt etwas.

MK III ist einsatzbereit | © David Wagner

Das sieht zum einen nicht so schön aus und macht zum anderen meinen Einsatz als GBC Modul fast unmöglich. Irgendwo baut sich scheinbar eine Spannung auf, oder aber das Baggerrad verzieht oder verkeilt sich. Sehr merkwürdig. Einen eindeutigen Auslöser konnte ich nicht finden. Entgegen des offiziellen Neck-Gate bei LEGO Ideas Wall-E 21303, scheint das Problem hier aber nicht grundlegend im Design begründet zu sein. Zumindest schweigt sich LEGO aus.

Und offenbar ist ja auch nicht jeder Besitzer des MK III betroffen. Trotzdem erreichten mich auf allen möglichen Kanälen Nachfragen und Feedback zu diesem Phänomen. Inzwischen gefundene Lösungsversuche anderer Baumeister führten bei mir nicht zu einer Verbesserung. Also selber tüfteln.

Fertig! | © David Wagner

Nach einigem Versuchen bin ich nun bei einer Lösung gelandet, welche ohne die Funktion zu stören, Last und Spannung vom Schaufelrad nimmt, und offenbar bei Baggern in meinem
Umfeld auch nachhaltig funktioniert hat. Um es anschaulich zu machen, habe ich Euch meine Lösung in einem Video
zusammengefasst.

Vielen Dank an unseren lieben Freund David Wagner, Aussteller der Zusammengebaut 2017, für diesen spannenden Gastbeitrag.