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LEGO Braille Bricks: Spielerischer Zugang zur Blindenschrift

LEGO Braille Bricks

LEGO Braille Bricks | © Sebastian Weinert

Mit den Händen lesen: Die LEGO Braille Bricks eröffnen einen spielerischen Zugang zur Blindenschrift – eine Experteneinschätzung.

Wer die Brailleschrift entschlüsseln möchte, muss lernen, mit den Händen zu lesen. Einen neuen, spielerischen Zugang zu dieser Schrift bieten seit letztem Jahr die Braille Bricks von LEGO. Die Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin hat recherchiert, wie das System wirklich funktioniert und ob sich LEGO für das Lernen der Brailleschrift eignet. Der Artikel ist ursprünglich im WIR-Magazin der Stiftung erschienen und wird hier in leicht veränderter Form einer breiteren Leserschaft zugänglich gemacht.

Jenseits des Bauspaßes: Ernsthafte Produktlinien von LEGO

Selbst unter AFOLs ist es vielleicht gar nicht so bekannt, dass LEGO neben den bekannten Klemmbausteinsets auch Produkte jenseits des Bau- und Spielspaßes erstellt. Denn der Weltkonzern aus dem dänischen Billund hat inzwischen auch zahlreiche weitere Verwendungsmöglichkeiten für sein Kernprodukt entdeckt.

Relativ weit verbreitet ist beispielsweise LEGO Serious Play. Dabei handelt es sich um eine Moderationsmethode, die in den 1990er Jahren entstand und seit 2002 eine offizielle Produktlinie von LEGO ist. Beim Serious Play wird LEGO eingesetzt, um abstrakte Ideen, Raumvorstellungen oder soziale Beziehungen sichtbar und schließlich diskutierbar zu machen. Die Einsatzmöglichkeiten dieser Moderationstechnik sind nahezu unbegrenzt, sodass sich inzwischen zahlreiche Moderatorinnen und Moderatoren auf diese Technik spezialisiert haben.

LEGO Braille Bricks

Seit 2020 bietet LEGO nun ein weiteres Produkt an: Die LEGO Braille Bricks sind dazu gedacht, blinden oder sehbehinderten Kindern einen spielerischen Einstieg in die Blindenschrift zu geben. Die weltbekannten 2×4-Steine sind ideale Träger der Brailleschrift, die aus sechs Punkten in zwei Reihen besteht. Auf jedem Stein befindet sich ein Buchstabe, ein Zeichen oder eine Zahl in Braille sowie ein Aufdruck mit der jeweiligen Entsprechung in Schwarzschrift. Mit den Braille Bricks „schaffen wir einen spielerischen und integrativen Ansatz für das Erlernen der Blindenschrift, der hoffentlich Kinder, Eltern, Betreuer, Lehrer und Praktizierende weltweit genauso wie uns selbst begeistert“, erklärte John Goodwin, CEO der LEGO-Stiftung, in der Presseerklärung zum Start der Produktreihe.

Nachgefragt: Einsatzmöglichkeiten in der Praxis

Doch wie gut lassen sich LEGO-Steine denn wirklich in der Praxis einsetzen? Das haben wir Sophia Schmidt-Hieber gefragt. Sie ist Leiterin des Medienzentrums und stellvertretende Schulleiterin der Johann-August-Zeu-ne-Schule für Blinde in Berlin-Steglitz. Aus ihrer Sicht sind die Braille Bricks „eine gute Idee, um vor allem sehenden Menschen die Brailleschrift näherzubringen und Kindern spielerisch einen Zugang zur Schrift zu ermöglichen.“

Für blinde Kinder seien die Steine allerdings erst geeignet, wenn sie bereits gut in Braille lesen und schreiben könnten. Denn die „Blindenschrift hat ja eine genormte Größe, die immer gleich ist und der Größe einer Fingerkuppe entspricht. Der Finger erkennt an der Position der Punkte das Schriftzeichen. Dabei wird nicht jeder einzelne Punkt erfühlt, sondern die Kombination der Punkte in ihrer Position zueinander“. Da jedoch die Abstände zwischen den einzelnen Punkten auf den LEGO-Steinen nicht der Norm für die Brailleschrift entsprechen, müssen die Lesenden erst die Abstraktionsfähigkeit haben, um sich beim Lesen auch an andere Größen anzupassen.

Einsatz im Unterricht

Dennoch sind LEGO-Steine grundsätzlich ein schönes Lernmaterial für den Einsatz im Unterricht und werden häufig von Lehrerinnen und Lehrern eingesetzt: „Denn mit LEGO kann man beispielsweise Matheaufgaben, Grafiken oder Modelle stecken, ohne dass man versehentlich das Material mit dem Ärmel oder der Hand vom Tisch fegt.“

Eine Idee aus der Selbsthilfe

Die Idee für die Braille Bricks hatte übrigens nicht LEGO selbst, sondern kam aus den Selbsthilfeorganisationen blinder und sehbehinderter Menschen. Bereits 2011 trug die Danish Association of the Blind die Idee, LEGO-Steine und Blindenschrift zu verbinden, an die LEGO-Gruppe heran. 2017 zeigte sich auch die brasilianische Dorina Nowill Foundation for the Blind von dem Konzept überzeugt. In der Folgezeit entwickelte LEGO schließlich zusammen mit mehreren Selbstvertretungsorganisationen das Produkt.

250 verschiedene Elemente

Wer nun von den LEGO Braille Bricks überzeugt ist und sie im eigenen Unterricht – oder auch für eigene Kinder – einsetzen will, kann sich an das Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen) wenden. Die Braille Bricks-Sets bestehen aus ungefähr 250 Teilen und werden an Pädagoginnen und Pädagogen, die Brailleschrift unterrichten, kostenfrei abgegeben. Kinder, die Brailleschrift erlernen, können die Steine kostenfrei ausleihen.

Vorstellung der Braille Bricks der LEGO Foundation

Unser Fazit

Let’s play! LEGO hat mit den Braille Bricks eine nette kleine Produktlinie veröffentlicht, die sicherlich nicht den pädagogischen Unterricht für blinde und sehbehinderte Kinder revolutionieren wird, aber vielleicht doch das ein oder andere Kind spielerisch an die Punktschrift heranführen kann. Durch die große Bekanntheit von LEGO wird zudem Aufmerksamkeit auf ein wichtiges Thema gelenkt. Dass die Braille Bricks für den Einsatz im Unterricht kostenfrei zu erhalten sind, ist ein positives Signal, zumal LEGO ja eher zu den teureren Spielzeugen gehört.

Eure Meinung

Was sagt ihr zu den LEGO Braille Bricks? Habt ihr schon Erfahrungen mit den Elementen gesammelt? Äußert euch gerne in den Kommentaren.

Ein Kommentar Kommentar hinzufügen

  1. Lieber Sebastian, vielen Dank für diesen Artikel und den Verweis auf die etwas ausführlichere Version im WIR-Magazin, direkt heruntergeladen und auch gelesen. Gerade im Verbinden der mit den Händen und der mit den Augen lesbaren Schriftzeichen auf einem Objekt, das Spaß macht, liegt meines Erachtens eine großartige Chance für inklusives Miteinander von Blinden und Sehenden jeden Alters.
    Ich muss ja gestehen, ein Teil von mir wünscht, ich könnte die Braille Bricks beim Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen käuflich erwerben (ruhig zu einem hohen Preis und mit beträchtlichem Spendenanteil). Aber ich sehe ein, dass ich sie nicht brauche und finde den Ansatz der kostenlosen Abgabe beispielsweise an Schulen bzw. Lehrerinnen und Lehrer, die im Förderschwerpunkt Sehen aktiv sind, sehr gut!

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