Die Minifiguren die nicht existieren sollten 2: Die unglaubliche Geschichte der Astrobots

Von weit her gekommen! | © Jonas Heyer

LEGO Minifiguren vom Mars und das Abenteuer der Astrobots: Die unglaubliche Geschichte von Sandy Moondust und Biff Starling.

Vor nun inzwischen wieder einiger Zeit schrieb ich einen kurzen Artikel über eine LEGO Minifigur, die nicht existieren sollte. Ich hatte einfach Lust auf diesen Artikel und wow, war ich überrascht, wie viele von euch begeistert waren und sich mehr in diese Richtung gewünscht haben. Aber was könnte ich euch zeigen, was ähnlich obskur und spannend ist? Ich denke, ich habe etwas gefunden…

Heute werfen wir daher einen Blick auf zwei kleine Kuriositäten aus meiner Sammlung: LEGO vom Mars. Naja gut, das ist vielleicht eine kleine Übertreibung aber lasst mich kurz erklären. Die beiden Minifiguren, die ihr gleich sehen werdet, heißen Sandy Moondust und Biff Starling.

Ihre Geschichte ist definitiv faszinierend und man findet heute nur noch schwer detaillierte Informationen über die beiden Astrobots. Sicher, Bricklink listet sie und ihre Polybags, die Sets 3928 und 3929, wodurch man ihnen einen monetären Wert zuordnen kann. Aber glaubt mir, wenn ich euch sage, dass diese Figuren mehr als das unter ihrem Gürtel haben.

Die Geschichte der Astrobots

Also wer sind denn nun Sandy Moondust und Biff Starling? Es handelt sich um zwei LEGO-Minifiguren, welche im Jahre 2002 die Reise zum Mars antraten. Sie wurden gemeinsam mit den Mars Exploration Rovern A „Spirit“ und B „Opportunity“ (MER 1 und MER 2) zum roten Planeten geschickt.

Wie bereits angemerkt findet man nicht viel zu den beiden aber Space Daily gibt an, dass die Namen der beiden Minifiguren über einen Wettbewerb ausgewählt wurden und von Gewinnerin Cindy Rossetto aus Oregon stammen.

E.T. nach Hause

2004 begann für die Astrobots mit der Landung ihrer beiden Rover die eigentliche Mission. Die beiden Figuren wurden von LEGO als robotische Astronauten „Astrobots“ extra für diese Mission gestaltet. Gemeinsam mit der Planetary Society wurden zusätzlich die „Astrobot Diaries“ ins Leben gerufen.

Dieses Programm beinhaltete regelmäßige Tagebucheinträge der beiden Astronauten. Das Ziel war es hierbei Kinder auf eine spielerische Weise für die Weltraumforschung zu begeistern und ihnen so Wissen über den Mars und die Arbeit von Astronauten zu vermitteln. Oder um den Direktor des Projekts von Planetary Society Bruce Betts zu zitieren: „Biff und Sandy halfen uns, unserer Faszination über NASA’s Mars Exploration Rover Missionen eine Stimme zu verleihen.“

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Leider konnte ich die Astrobot Diaries nicht mehr in ihrer gesprochenen Form finden, sondern lediglich, dass es sich um humoristische Erzählungen mit wissenschaftlichen Fakten über den Mars und die Mars Missionen handelte. Gemeinsam mit den beiden Astronauten machte sich außerdem eine spezielle DVD mit auf den Weg zum Mars. Auf dieser befanden sich die Namen von etwa vier Millionen Mars-Enthusiasten, die sich bei NASA für diese Ehre anmelden konnten. Außerdem befanden sich auch farbige Nachbildungen von LEGO Steinen auf den DVDs, welche dazu dienten, die Erscheinung verschiedener Farben in der Atmosphäre des Mars zu studieren.

Die Codescheibe auf der Opportunity | © The Planetary Society

Zusätzlich war auf den DVDs eine Nachricht in Form eines „Geheimcodes“ zu finden. Dieser sollte von Fans der Mission übersetzt werden. Der Code auf der DVD der Opportunity ist recht simpel. Es handelt sich um Blindenschrift und er übersetzt sich zu „Explore to learn“.

Die Codescheibe auf der Spirit | © The Planetary Society

Der Code auf der DVD der Spirit ist wesentlich komplizierter. Auf den ersten Blick sieht es aus wie Morsecode, es handelt sich aber um eine Art doppelt verschlüsselten Binärcode. Jede Folge aus vertikalen und horizontalen Linien repräsentiert eine Zahl zwischen 0 und 7. Daraus ergeben sich Zahlenfolgen, welche man nun einzelnen Buchstaben zuordnen kann. Dazu wurden „Context Clues“ auf der Website der Planetary Society veröffentlicht, welche nach und nach Buchstaben aufdeckten. Zum Beispiel wird F durch die Zahlenfolge 52 dargestellt, welche durch den Code I – I – I – ausgeschrieben ist. Um ganz ehrlich mit euch zu sein, bin ich bei der Lösung hier beinahe durchgedreht. Da der Code kreisförmig auf der DVD angeordnet ist, habe ich ihn zunächst von hinten nach vorne versucht zu übersetzen. Die schlechte Qualität der Bilder machte es auch nicht gerade besser.

Am Ende bin ich der Meinung, dass der Code der Spirit übersetzt „Wish you were here“ bedeutet.

Spirit und Opportunity

Die Mission von Sandy und Biff auf den beiden Rovern revolutionierte unser Verständnis der frühen Geschichte des Mars. Die beiden Rover waren baugleich und lieferten über ihre Lebensdauern beinahe 350.000 Bilder des roten Planeten. Die Mission sollte rund 90 Marstage (ca. 92,5 Erdtage) andauern. Beide Rover jedoch konnten diese Zeit weit übertreffen und die Mission kontinuierlich fortsetzen. Damit lieferten sie eine unglaubliche Menge an Bildmaterial, inklusiver mikroskopischer Aufnahmen, welche die Erwartungen der Wissenschaftler bei weitem übertraf!

Unter anderem untersuchten die Rover die Zusammensetzung verschiedener Gesteine auf dem roten Planeten und fanden Eisenvorkommen. Die spannendste und überraschendste Entdeckung aber waren hohe Schwefelkonzentrationen in Gesteinen. Unter irdischen Bedingungen lässt sich sagen, dass diese meist nur in Gips oder Anhydrit zu finden sind, welche unseres Wissens nach natürlich fast ausschließlich durch Eindampfung mineralhaltiger Wässer entsteht. Zudem wurden verschiedene Salze nachgewiesen, die ebenfalls unter Mitwirkung von Wasser entstehen. Weiterhin gaben auch Fotos verschiedener Oberflächenstrukturen Grund zur Annahme, dass flüssiges Wasser auf dem Mars existierte. Es ist daher anzunehmen, dass es auf dem Mars einst Gewässer gab und damit die Grundlage für Leben.

Da der Mars einen astronomisch betrachtet ähnliche Abstand zur Erde aufweist, ist hier die Frage, wie sich die Atmosphäre verhält. Aufgrund der sehr dünnen Atmosphäre ist es auf dem Mars wesentlich kälter als auf der Erde, weshalb Wasser auf dem Mars nicht in flüssiger Form existieren könnte. Umso faszinierender scheint es daher, dass dies nicht immer der Fall gewesen sein muss. Im Jahre 2024 entdeckte der Rover Perseverance Gesteinsproben, welche Hinweise auf die Arbeit von Mikroben gaben. Noch konnte kein Leben auf dem Mars nachgewiesen werden aber die Entdeckungen und Untersuchungen dauern an. Ich finde das ungemein spannend. Für unsere beiden Rover hat die Mission aber inzwischen ein Ende gefunden.

Der Spirit blieb im April 2009 im Sand stecken und war nicht in der Lage sich zu befreien. Bis Januar 2010 wurde versucht durch externe Steuerung den Rover zu befreien, was jedoch erfolglos blieb und so wurde das Fahrzeug aufgegeben. Doch auch wenn der Mission nun im wahrsten Sinne des Wortes der Spirit fehlte, blieb die Opportunity hartnäckig und sendete bis ins Jahr 2018 neues Bildmaterial an die Erde und legte über 45 Kilometer auf dem Mars zurück. Es handelt sich um die weiteste jemals auf einem fremden Himmelskörper zurückgelegte Strecke. In einem Sandsturm brach der Kontakt mit der Opportunity allerdings ab und die Mission wurde als beendet erklärt. Die Mission kann insgesamt als riesiger Erfolg gewertet werden, welcher uns bahnbrechende Erkenntnisse über unseren Nachbarn lieferte.

Setzt euch ans Lagerfeuer, singt das Lagerfeuerlied…

Kehren wir nun zur Erde zurück und schauen wir uns nun noch unsere beiden Astrobots an.

Die Astrobots

Die beiden sind schon charmant oder? Ganz im klassischen LEGO-Stil. Wenn es nur um die Figuren geht, so sind beide recht schnell besprochen. Tatsächlich sind sie den Astronauten der Launch Command Reihe (1995) oder der Space Port Reihe (1999) in ihrer Ästhetik gar nicht so unähnlich. Ihre grauen Weltraumanzüge sind mit simplen Details versehen und sie haben sogar ein wenig goldenen Aufdruck. Die chromgoldenen Visiere sind ebenfalls zu erwähnen und wie ich finde, machen sie diese Figuren automatisch zu einem Hingucker.

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Sandy und Biff unterscheiden sich nur in ihren Gesichtern. Während Biff mit dem klassischen Smiley daherkommt, nutzt Sandy ein etwas selteneres aber nicht exklusives Gesicht, welches wir sonst nur von einer Rennfahrerin der Race Reihe kennen. Exklusiv für die beiden Figuren sind also nur der Torso und die erstaunlicherweise bedruckten Beine. Letztere sind heute sicherlich keine Besonderheit mehr bei Minifiguren und fast schon zum Standard geworden. Aber im Jahre 2002 war so etwas ein Luxus den nur wenige Figuren hatten. Bei zwei Promo-Figuren überrascht es mich daher umso mehr.

Interessanterweise ist mir aufgefallen, dass der Aufdruck der beiden Figuren manchmal spiegelverkehrt zu sein scheint. Diese Art von „Missprint“ kennen wir auch von beispielsweise den klassischen Adlerrittern/Schwarzen Falken. Es handelt sich dabei nicht um eine beabsichtigte Variation des Torso-Aufdrucks. Ich liebe das Design der Astrobots aber das spannendste an ihnen ist natürlich ihre Geschichte und gleichermaßen die faszinierende Geschichte der Raumfahrt. Natürlich bleibt aber noch die Frage offen: Wie kam man an diese Minifiguren?

Die Entwicklung von Spaceport (1999), über Life on Mars (2001) hin zu den Astrobots (2002)

Dafür gab es zwei Möglichkeiten. Die erste davon war im Jahr 2002. Wenn ihr damals den World Space Congress in Houston Texas besucht habt, wurden euch diese Minifiguren ausgegeben. Die zweite Möglichkeit war bei der 5. Internationalen Robotik-Olympiade ein Jahr später, wo die beiden ebenfalls zu erhalten waren. Diese limitierte Verfügbarkeit sorgt natürlich dafür, dass die Figuren heute sehr selten sind. Aber um ehrlich zu sein möchte ich gerade nicht in das Thema Reselling und Investment eintauchen.

Die Astrobots brechen zu neuen Abenteuern auf! Die Unendlichkeit wartet!

Ich weiß, dieser Artikel war etwas ab vom Baustein aber ich betrachte das Schreiben über dieses Hobby ohnehin gerne als Mikrokosmos um über verschiedene Teile unserer Welt zu lernen, seien es fremde Kulturen oder eben fremde Planeten. Ich finde es ungemein faszinierend und ich hoffe, ihr hattet Spaß dabei, mit mir zu lernen. Ein Set ist mehr als ein paar Bausteine und Sandy Moondust und Biff Starling haben bewiesen, dass sie viel mehr sind als nur zwei Minifiguren. Das war ihre unglaubliche Geschichte!

Eure Meinung!

Kanntet ihr Sandy und Biff? Stehen sie möglicherweise auch in eurer Sammlung und erinnern euch daran, wie faszinierend unser Sonnensystem ist? Habt ihr heute etwas neues gelernt? Sagt es mir in den Kommentaren!

Jonas Heyer

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3 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Vielen Dank für die Geschichte der beiden Figuren! Ich zumindest hatte davon noch nie gehört, und finde es interessant, nach über zwanzig Jahren davon zu erfahren. Und wenn man bedenkt, wie selten die Polybags zu sein scheinen, ist der Preis bei BrickLink überraschend „human“. Bleibt zu schauen, ob dein Artikel den einen oder anderen Verkauf induziert…

    • Ich schätze, dass die Figuren sehr unbekannt sind und daher der Preis im Rahmen bleibt, weil sowohl Angebot als auch Nachfrage relativ gering sind. Dennoch, spannend sind die beiden allemal und das Design ist meiner Meinung nach auch echt gelungen. 🙂

  2. Erstaunlich! Obwohl ich seit den den frühen 90ern Lego Space sammle und auch ein, zwei Sets von Spaceport und Life on Mars habe, kannte ich die Geschichte dieser Beiden noch nicht. Liegt wahrscheinlich daran, dass es damals und auch in den Jahren danach keine so ausgedehnte Community von gut vernetzten Lego-Fans gab.

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