Der erste Hafen bei LEGO City nach 13 Jahren: Hat sich die lange Wartezeit auf den 2024 erschienenen 60422 Hafen mit Frachtschiff gelohnt?
2024 war bei LEGO City ein Jahr der Großsets. Diverse Modelle waren mit einer UVP von 100 Euro und mehr ausgezeichnet, darunter etwa der 60440 Sattelzug oder der 60409 Mobile Baukran. Beide Sets boten fantastische Neuauflagen von Sets, die viele, viele Jahre zuvor erschienen waren – nun größer, schöner und detaillierter. Auf den ersten Blick könnte man meinen, der 60422 Hafen mit Frachtschiff stieße ins selbe Horn, waren die vorher bei City erschienenen Häfen – der 7994 Hafen und der 4645 Hafen – doch schon etwas in die Jahre gekommen.
2007 erschienen, bot der 7994 Hafen 641 Teile und fünf Minifiguren für umgerechnet rund 80 Euro UVP; der 4645 Hafen von 2011 535 Teile und vier Minifiguren für 79,99 Euro UVP. Der am 1. Juni 2024 neue 60422 Hafen mit Frachtschiff liegt nun bei 1190 Teilen und acht Minifiguren, bei einer UVP von 109,99 Euro. Und mehr Teile heißt mehr Bauspaß, richtig?
Anders als seine beiden Vorgänger, bietet der neue Hafen nicht nur einen Verladebereich mit Containerschiff, sondern auch eine Strandpromenade mit Restaurant. Verladen wird man da zwar auch, aber von der Betreiberin des anrüchigen (Fisch servierenden) Lokals, nicht vom Kranführer. Also: auf zum Hafen!
Inhaltsverzeichnis
Eckdaten
- Thema: LEGO City
- 1226 Teile
- 109,99 Euro UVP
- 8 Minifiguren
- Release am 1. Juni 2024
- Zur Bauanleitung 🗺
- Im LEGO Online Shop 🛒
Setumfang


Der modern zweiteilige Karton erreicht eine ansehnliche Größe und stellt eine Hafenszene dar. Allerdings ist da nicht viel los, die gesamte Kaje ist leer! Nur ein paar alte Container zeugen noch davon, dass die Anlegestellen LEGO Citys einst begehrte Umschlagplätze für Container aller Art waren. Waren! Aha! Ja, die wurden da umgeschlagen. Und wenn sie versehentlich ins Meer fielen, gab es einen kalten Umschlag für sie.
Auf der Rückseite des Kartons zeigt LEGO die schönen Spielfunktionen der Gefängnisinsel, mit diversen Ausbruchsfunktionen. – Moment. Gefängnisinsel? Tatsächlich gehöre ich zu den Kunden, bei denen Deckel und Boden des Kartons vertauscht wurden, sodass ich nun ein 2-in-1-Set besitze!
Bevor jemand fragt und mir 100 Euro für den besonderen Karton bietet: Er existiert nicht mehr. Für die Summe kaufe ich aber gern nochmal einen Hafen und eine Gefängnisinsel und stelle euch den Karton händisch so zusammen! Und wie wäre es mit einer exklusiven Kombination des Deckels der Gefängnisinsel mit dem Boden des Hafens? 200 Euro? Deal?
Wie man sieht, ist der Karton (trotz falschen Bodens) vollgepackt mit papierbasierten Tüten, nebst einer komplett aus Kunststoff bestehenden.
Neun Bauabschnitte umfasst das Set, die auf vier Bauanleitungen aufgeteilt wurden. Diese sind in einem Pappschuber sicher vor Knicken geschützt; mittlerweile nutzt LEGO zu diesem Zweck weniger hochwertig wirkende Papierhüllen. Auch ein Stickerbogen liegt bei, den „klein“ zu nennen gute Aussichten auf die Auszeichnung als Werbelüge des Jahres hätte. Zum Glück erfrecht sich LEGO nicht derartiger Wertungen, sie werben nur mit der Anzahl an sich…
Aufbau
Als erstes werden die Container für das Frachtschiff gebaut, danach das Bötchen selbst. Kaum fertiggestellt, müssen wir uns schon dem Aufbau der Containerbrücke widmen, gefolgt von der Strandpromenade mit Restaurant. Keine Pause gönnt uns LEGO! 1226 Elemente! 1108 mehr als in der Chemie! Mehr als zehnmal so viele!
Jetski und Container
Zunächst bauen wir ein Terzett müßiggehender Minifiguren, eine Famile aus Vater (cty1791), Sohn (cty1792), und Mutter (cty1793). O, dieses tradierte Klischee einer Familie!
Alle drei Figuren tragen Rettungswesten (38781). Outsourcing der Schwimmfähigkeiten, nennt man das wohl. Zudem war der Torso des Vaters (973pb5782c01) damals neu, während der des Kindes (973pb3572c01) und der der Mutter (973pb2834c01) bereits einige Male in Sets auftraten. Alle drei sind gut gestaltet, aber nur das Segelboot-Motiv passt wirklich zum Hafen-Thema. Ein bisschen störe ich mich an dem Loch im Haar des Kindes (5473), das von der Nutzung des Elementes mit Antenne im CMF-Imposter herrührt. Vielleicht hätten die Eltern ihrem Sohnemann mal eine Friends-Sonnenbrille kaufen sollen!
Zur sportlichen Betätigung verfügt die Familie über zwei Jetskis (ohne Platz für den Jungen – deshalb also das doppelseitige Gesicht…). Beide sind sehr simpel gebaut, erfüllen aber ihren Zweck. Da sie mit 7 und 8 nummeriert sind, müsste es ja auch eine 1 bis 6 geben, ich weiß nur nicht, in welchen Sets. Zumindest bei Polizei und Feuerwehr sind die Fahrzeuge aber immer mit 1 beginnend und lückenlos durchnummeriert, daher denke ich, dass es hier nicht anders ist.
Die identisch gebauten Container sind seitlich offen, um die Jetskis nach Benutzung (Unfall inklusive) gleich wieder zurück zum Hersteller schicken zu können. Beide Container nutzen die 2016 für Zwecke wie diesen eingeführten Panels (23405), die wirklich grandios wirken! Leider ist LEGO wieder dazu übergegangen, das alte Containerformat von 6 x 10 Noppen zu nutzen, statt den 6 x 12 Noppen, mit denen die Container auch um 90 Grad gedreht gestapelt werden können. Breitere Container hätten aber nicht in das Schiff gepasst, sodass dieser Kompromiss wohl als akzeptabel eingestuft wurde. Und da es dieses Format ja schon mal gab, kann ich es auch nicht zu sehr kritisieren, hinsichtlich Kontinuitätsbruchs. Dennoch: Es stört mich ein bisschen.
Frachtschiff
Durchaus überraschend finde ich die Entscheidung, das Schiff in Dark Green und dem damals neuen Reddish Orange zu gestalten: Die dafür nötigen Rumpfelemente (47404) mussten in beiden Farben erstmals produziert werden. Wie es aussieht, war das Element aber zu dem Zeitpunkt nur in Braun in Produktion, sodass es wohl sowieso nötig war, dafür neue Teileslots zu nutzen, und da sind gänzlich neue Farben definitiv die rechte Wahl!
Komplett aus Einzelteilen gebaut wird das Zwischensegment des Rumpfes, für dessen Boden zwei 6 x 16-Kacheln mit Noppen am Rand (6205) erstmals in Reddish Orange eingefärbt wurden. Am Bug folgt dann wieder ein Rumpfteil. Leider sorgt die gebaute Umsetzung dafür, dass das Schiff nicht schwimmfähig ist (jedenfalls nicht lange…), was bei Spiel-Sets bedauerlich ist. Persönlich freue ich mich zwar, wann immer auf spezielle Formteile verzichtet werden kann, ich erinnere mich aber noch gut an die Zeit vor vielen, vielen Jahren, als das Containerschiff aus dem 7994 Hafen im Pool schwimmen durfte.
Nach und nach wird der Rumpf nun fortgeführt, hauptsächlich in Dunkelgrün und Weiß. An der Seite kleben Sticker, die das neue Cargo-Logo zeigen. Und wieder gebrochene Kontinuität! Hrmpf…
Für die Unterseite des Schiffes bauen wir dreizehn Rundplatten (2654) an, die sinnigerweise „Boat Studs“ genannte werden und das Gleiten auf Tischen und Teppichen ermöglichen. An der Oberseite folgen Details mit ovalen Kacheln (1126), die die Struktur der Reling auflockern, während am Bug eine Treppe, die später von einer Falltür abgedeckt wird, ins Nichts führt. Bereits eine Vorratskiste oder dergleichen hätte hier Wunder gewirkt!
Am Heck bauen wir nun einen Achtzylinder-Dieselmotor ein, der mir hervorragend gefällt! Die Rollerskates in Flat Silver (11253) sind eine grandiose Idee, um metallische Details nachzubilden. Der Motor ist sogar einfach abnehmbar, sodass man im Prinzip auch einzeln mit ihm spielen könnte, etwa in einer Reparaturwerkstatt!
Ein mächtiger Schornstein führt vom Maschinenraum empor, davor wird das Erdgeschoss der Brücke angedeutet. So schön es dank der auskragenden Bögen (88292) aussieht, komme ich nicht umhin, den Mangel einer Koje für die Crew zu bemerken! Muss die etwa im Flussbett schlafen? Dafür ist doch der Rettungsring (30340) da gedacht, nicht wahr?
Anschließend folgt die Brücke selbst, die über ein (lächerlich klein wirkendes) Steuerrad (30663), einen Bordcomputer (85984pb289) und die obligatorische Kaffeetasse (3899) verfügt. Etwas mehr Einrichtung hätte hier sicher nicht geschadet!
Die Brücke ist zwecks Bespielbarkeit seitlich offen gehalten und mit Positionslichtern, Scheinwerfern und Radar detailliert gestaltet. Besonders positiv möchte ich auf die Frontscheibe (89648c02) hinweisen, die mir schon immer fantastisch gefallen hat, seit sie (noch mit fixierter Scheibe als 2634c01) im 7994 Hafen erschienen war!
Wenn wir die Brücke auf den Rest des Schiffes setzen, fallen sogleich die unstimmigen Proportionen ins Auge. Die Brücke wirkt viel zu hoch für ein so kleinen Schiff, und gleichzeitig sind zwei Containerstellplätze einfach zu wenig. Selbst für ein Schiff in der Binnenschifffahrt wäre es zu klein; da es aber nach allem, was ich an dem Set sehe, ein hochseetaugliches Containerschiff sein soll, ist es schlicht und ergreifend zu mickrig geraten.
Containerbrücke
Die nächsten beiden Minifiguren (cty1795/cty1796) sind Hafenarbeiter mit identischem, aber schön bedrucktem Warnwesten-Torso (973pb4658c01). Übrigens fällt mir erst jetzt auf, dass die Wahl der Stellplatte für die Fotos etwas makaber ist…
Die Containerbrücke steht – wie alle Bauwerke im Set – auf einer erhöhten Plattform, die als Kaje fungiert. Über Technic-Pins können die einzelnen Module miteinander variabel verbunden werden. Hinten steht das Konstrukt auf Sand, vorn auf DHMO.
Vorn sind zwei Fender aus Autoreifen (92409) befestigt, an der Seite zwei klassische Baustellenzäune (4083).
Nun wächst der Kran rasant empor, dank roter Stützen (91176) von 13 Steinen Höhe. Die Warnstreifen an der Seite gefallen mir zwar prinzipiell, hätten aber bedruckte Teile sein müssen statt Sticker. Sicher hätte man die Elemente auch noch anderswo in Baustellen- und Werkstattsets einsetzen können!
Der obere, die Führungsschienen für die Laufkatze enthaltende Teil des Krans wird separat gebaut und vorn und hinten mit aus Dreieckskacheln (35787) gebauten Warnstreifen verziert, nebst Warnleuchten (58176). Hier fehlte bei mir ein Exemplar der weißen Brackets (99780), das die eigene Sammlung aber ersetzen konnte. Leider ist der Vorderteil der Schienen nicht nach oben klappbar, wie es bei echten Containerbrücken üblich ist, um den Schiffen die Passage zu ermöglichen.
Nun bauen wir die Laufkatze, die sich reibungsarm auf den Schienen bewegen kann. Zugleich ist die Kette (30104) aufziehbar, jedoch recht kurz. Vor allem aber ist die Nutzung eines normalen Hakens (30395) bedauerlich, ich hätte mir vielmehr einen echten Spreader gewünscht, der in die Seiten der Containerwände greift. Ja, das wäre erheblich komplexer zu bauen gewesen, aber eine viel bessere Spielfunktion!
Die Schienen werden fest mit den Stützen verbunden, gleichermaßen mit Noppen wie mit Technic-Pins.
Zuletzt bilden rote Technic-Achsen (3707, beachtet die hier passende Farbe!) die Streben echter Containerbrücken nach, über die die Schienen gestützt und normalerweise hochgeklappt gehalten werden. Auch ohne diese Spielfunktionen sieht der Kran hier ziemlich gut aus, nur natürlich viel kleiner als maßstabsgetreu.
Unter ihm ist Platz für beide Container, jedoch fehlt jede Möglichkeit, sie da hoch zu hieven. Eine rückseitige Rampe für einen Sattelschlepper wäre noch nötig gewesen. Dass die Brücke dagegen nicht seitlich fahrbar auf Schienen gelagert ist, stört mich nicht weiter.
Strandpromenade
An einer Promenade braucht es Prominenz, und so haben wir hier ein kleines Mädchen (cty1797), das nach ihnen zu fischen scheint. Ihr Torso (973pb4980c01) gefällt mir ebenso gut wie ihr Haarteil (65579), wobei die Kombination aus beidem bereits 2023 im 60384 Slush-Eiswagen vorkam. Das Mädchen hat offenbar eine Vorliebe für den Sommer!
Auch hier bauen wir zunächst die Unterkonstruktion der Kaje, in die sich eine neugierige Krabbe (33121) verirrt hat. Deshalb also der Köcher (24086)! Darauffolgend können wir ein schön gestaltetes Stück Szenerie bauen, mit Lageplan des Hafens, Bank und Ketten.
Umgeben von Blümchen (die in denselben Farben wie das Schiff kommen und daher unpassend wirken) steht in der Mitte der Promenade eine altertümliche Laterne, die mir hervorragend gefiele, wäre nicht der Schirm oben zu klein… An Harpunenelementen (18041) hängen Plakate, die für die 60421 Achterbahn mit Roboter-Mech und ein Go-Kart wie in den 60400 Go-Karts mit Rennfahrern werben.
Zuletzt folgt ein kleiner Verbinder, dessen Bautechnik zum Erzeugen eines stabilen Winkels überraschend komplex für ein City-Set ist. Zusammengenommen ist es ein wirklich nettes Stück Szenerie!
Strandrestaurant
Die greisgebeugte Besitzerin (cty1798) des Strandrestaurants trägt ein gestreiftes Shirt (973pb3548c01), das mir vor allem aus einigen Jahrmarktsets bekannt ist und daher nicht so ganz zu einer so ernsten Beschäftigung zu passen scheint. Auch die übermäßig betonten Wimpern auf ihrem Kopf (3626pb2964) gefallen mir überhaupt nicht, passen aber zu den geschmacksverirrten Seniorinnen, die ihr Alter mit umso mehr Schminke zu kaschieren suchen.
Ein letztes Mal bauen wir die Unterkonstruktion, diesmal aber mit größerem Wasseranteil. Wie auch immer das ABS dann noch stabil sein kann…
Im Erdgeschoss des Restaurants hat die Besitzerin eine kleine Eisdiele eingerichtet. Jetzt wissen wir, wofür des Mädchens Köcher gedacht ist! Oder, falls das nicht klappt, tauscht sie die gefangene Krabbe ein. Quid pro quo! Besonders gut gefällt mir hier die blau-weiße Färbung der Theke, die sich dann in der Markise wiederholt.
Nicht nur Eis kann man bei der umtriebigen Geschäftsfrau zu überhöhten Preisen erstehen, sondern auch ein Surfbrett (90397) und die beiden Jetskis ausleihen. Asche zu Asche, stimmt schon! Das geht so weit, dass sie neben der mit Goldbarren (99563) schön verzierten Fassade des Restaurants ein Leck in der Regenrinne als Freiluftdusche anpreist! Die Pfütze (80677) darunter gefällt mir hier besonders gut.
Nun erhält das Häuschen eine Treppe nach oben und ist damit besser ausgestattet als rund 99 Prozent aller City-Immobilien. Aber kein Wunder, dass die Dame sich das leisten konnte, hat sie doch selbst das Fernglas (30162) für den Rundumblick kostenpflichtig gestaltet! Mich wundert nur, dass sie den Bereich vor der Eisdiele abgesperrt gelassen hat – es wäre doch nichts einfacher gewesen, als die Ketten zu sprengen und dadurch zu erreichen, dass schnell mal ein Kind samt Eis baden geht. Dann kommt sie „besorgt“ aus dem Laden gerannt, ein Eis in der Hand, das Kind zu trösten; und kaum müssen sich die Eltern nicht mehr um den heulenden Fratz kümmern, kann sie sich das Eis von ihnen bezahlen lassen. Mit doppeltem Aufschlag, versteht sich, für die Lieferung außer Haus! (Bringe ich sie gerade auf Ideen?)
Im Obergeschoss serviert die Besitzerin ihren Gästen Dinge, für die sie das Gesundheitsamt auf Lebenszeit sperren würde! Natürlich weiß sie, dass die Herrschaften nicht die Treppe hochgehen, sondern lieber unten bleiben und das Eis delektieren. Und das ist erste Sahne! (Nur ohne wirkliches Eis.)
Oben aber gibt es Meeresfrüchte (dank eines Stickers unmöglich gerade auszurichten), sowie, damit der miserable Geschmack der Shrimps vom Vorjahr nicht so auffällt, Weißwein vom Vorvorjahr. (Erinnert ihr euch noch, ein wie schlechter Jahrgang das war?) Über die Cocktailgläser (68504) freue ich mich aber!
Die Fassade des an eine Fischerhütte erinnernden Restaurants ist ausgesprochen hübsch gestaltet und könnte glatt der 21359 Italienischen Riviera entstammen. So haben wir hier geteilte Fensterscheiben (60608), die von Kotflügeln (28326) und Kerzen (37762) flankiert werden. Sogar eine Tür (60623) ist vorhanden! So hört unten keiner die Beschwerden der Gäste, und da es nur Touris sind, ist es ganz normal, dass sie nie wiederkommen!
Auch das Dach ist detailliert gebaut, mit zwei Flaggen (4495b) und vor allem einem Bogen um ein Steuerrad (4790b) herum. Auch an ein Werbeschild haben die Designer gedacht, sowie Paddel (30374/31990) als optische Auflockerung. Das maritime Flair des Häuschens gefällt mir hervorragend!
Wie ihr seht, ist das Restaurant wirklich gelungen! Und das erklärt wohl auch, warum es immer noch Gäste hat…
Die letzte Minifigur ist ein Angler (cty1799) mit Latzhose (973pb3472c01) und Angel (2614). Ideal wäre es, wenn er in Overmoulding-Technik hergestellte Beine mit schwarzen Gummistiefeln hätte, da ich aber kein Star-Wars-Fan bin, rege ich mich nicht auf, weil eine Figur mal nicht über rundum bedruckte Beine in 3-Shot-Technik verfügt.
Lagen bereits in der Kiste (30150) zwei Fische (64648), hat der Angler hier nochmal einen in einer Tonne (2489) verstaut. Wenn man seinen „Angel“-Erfolg anschaut, fragt man sich doch unwillkürlich, ob es im benachbarten Supermarkt gerade Mengenrabatt gab! Und obwohl der Steg kaum groß genug ist für die Fische, gefällt er mir doch. Auch und gerade der Umstand, dass alle sechs Baumstämme bedruckte Teile (98138pb042) nutzen durften, überzeugt. Mich, und vielleicht auch euch.
Als zweites Modell, das den Abschluss nach rechts bildet, haben wir einen kleinen Strand mit Handtuch und Sonnenschirm (4094). Ich wusste gar nicht, dass das aus Paradisa- und Scala-Zeiten stammende Teil noch immer existiert (wenngleich mit einigen Modifikationen), tatsächlich wurde es hier sogar in Rot nach einer achtjährigen Pause wieder neu eingeführt. Zuletzt war es in der Farbe 2016 erschienen, und vorher nur 1997 und 2001.
Zusammengebaut sieht der Teil der Strandpromenade wirklich heimelig aus. Nur: Wo gibt es in unmittelbarer Nähe zu einem Containerhafen einen Strand? Vom Lärm mal ganz zu schweigen, dürfte auch die Wasserqualität miserabel sein, und schwimmt man zu weit, macht man plötzlich Bekanntschaft mit Ozeanriesen. Die Konzeption des Sets wirft Fragen auf…
Ersatzteile
Die Anzahl Ersatzteile des Sets ist wirklich ansehnlich und mit einigen Minifiguren-Elementen auch hinsichtlich der qualitativen Ausbeute gelungen! Kann man zum Beispiel überhaupt genug Rollschuhe (11253) haben?
Finales Modell
Im Ergebnis haben wir ein recht großes Stück Hafen mit Strand, vor dem ein Containerschiff aufs Entladen wartet.
Die einzelnen Modelle gefallen mir zwischen gut und sehr gut, während mich die Zusammenstellung arg irritiert. In meinen Augen wäre es besser gewesen, Hafen und Strandpromenade in separaten Sets herauszubringen, wie 2011 mit der 4644 Strandpromenade und dem 4645 Hafen geschehen. Dann wäre es sogar möglich gewesen, eines der Sets erst in diesem Jahr erscheinen zu lassen, bei gleichzeitig beworbener, voller Kompatibilität der einzelnen Module wie jetzt.
Außerdem hätte eine Aufteilung den Vorteil gehabt, dass zumindest das Schiff größer hätte gebaut werden können, mit weiteren Stellplätzen für Container. Zudem fehlt mir an dem Set eine Möglichkeit, den Kran zu beladen, also per LKW zur Kaje hochzukommen. Beides war bei den bisherigen Häfen besser gelöst worden, sodass wir hier eines der bei mir sehr unbeliebten Downgrades sehen.
Die Strandpromenade hätte man sogar in der Größe hier behalten können, oder sie um ein zweites Gebäude ergänzen können. Dann wäre eine Trennung von Eiscafé/Restaurant und Surfshop möglich gewesen, statt alles in dasselbe Modell zu zwängen. Kurzum: Die Vermischung aus Hafen und Strand in diesem Set war nicht die beste Idee.
Und zuletzt noch eine Reihe von Detailbildern:
Und hier ein Größenvergleich mit den Schiffen aus dem 7994 Hafen und dem 4645 Hafen:


Es ist klar zu erkennen, dass das neue Containerschiff einfach zu klein ist, wenn es selbst kleiner als der bereits schmale Schüttgutfrachter ist. Zwei Noppen breiter und einige Noppen länger, sodass vier Container hinpassen, wäre perfekt gewesen!
Fazit: 60422 Hafen mit Frachtschiff
Insgesamt ist der Hafen ein gelungenes Set, für das, was er ist: eine Mischung aus Containerhafen und Strandpromenade. Leider ist gerade diese Kombination höchst fragwürdig, was dem ansonsten gelungenen Set leider ein wenig von seinem Charme nimmt. So haben wir ein detailliertes Restaurant in typischer Fischerdorf-Optik, neben dem die knallrote Containerbrücke aber einfach nicht gut aussieht. Und das ist schade, da sie an sich wirklich schön ist, und vor allem die erste ihrer Art bei City.
Überdies haben wir in dem Set satte acht Minifiguren, von Hafenarbeitern über Touristen bis hin zur Restaurantbesitzerin und einem Angler. Lediglich ein Kapitän fehlt, um das Schiff zu steuern. Und das (nach der Kombination der Modelle) größte Problem an dem Set ist auch, dass das Containerschiff einfach zu klein ist, gerade wenn man es mit den modernen Fahrzeugen vergleicht, die immer größer werden. Und schwimmen kann es leider auch nicht.
Zudem fehlt eine Möglichkeit, die Container von der Kaje wegzubekommen, etwa auf einen kleinen LKW (der gern ein separates Set hätte sein dürfen), der über eine Rampe heranfahren kann. Zuletzt störe ich mich (wohl stärker als ich sollte) daran, dass die Container wieder kleiner sind als lange Zeit üblich und sich schlechter stapeln lassen.
Was also halte ich nun von dem Set? Es ist ein gelungenes Modell mit einigen (wenn auch nicht vielen) Spielfunktionen, das ebenso gut aussieht wie unlogisch konzipiert ist. Aufgeteilt auf zwei oder drei einzelne, jeweils größere Sets wäre ich aus dem Loben nicht mehr herausgekommen, aber in dieser Form schafft es der Hafen leider nicht, sich über seine Vorgänger zu erheben. Dies bedauere ich umso mehr, als da ich dreizehn (!!!) Jahre auf einen neuen Hafen gewartet habe. Wenn ich nun bedenke, dass die Designer ja quasi alles, was einen Hafen und Strand ausmacht, in dieses Set gefrachtet haben, steht zu befürchten, dass es nun abermals eine ganze Weile dauern wird, bis uns der nächste Hafen ins Haus steht.
Kurzum: Der 60422 Hafen mit Frachtschiff ist ein schönes Set, wenn man es in Isolation betrachtet. Vergleicht man es mit den Vorgängern aus der Frühzeit von City, werden leider Mängel deutlich, die sich leicht hätten vermeiden lassen, wäre man nicht auf ein einzelnes Set beschränkt gewesen.
Die UVP des Sets von 110 Euro erachte ich als gerade noch in Ordnung, während der Preis im freien Handel von 70 bis 80 Euro komplett passt. Wenn ihr euch den Hafen noch zulegen wollt, müsst ihr euch aber beeilen, er geht Ende des Jahres End of Life.
Und zuletzt: Vielleicht bin ich auch voreingenommen, nachdem ich 2022 für unser Adventskalenderbild einen riesigen Hafen gebaut hatte… Und in meinem Überblicksartikel zu den City-Häfen habe ich mir „ein Containerterminal mit Containerbrücke und -schiff, separat einen Portalhubwagen, gegebenenfalls einen Reachstacker und einen Gabelstapler mit LKW sowie ein RoRo-Terminal“ gewünscht. Containerbrücke und -schiff haben wir jetzt schon mal, der Rest dürfte gern in naher Zukunft erscheinen!
Bewertung
| Positiv | Negativ |
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Benotung 🎵
| Gesamtnote: 7 |
Von 1 (mau) bis 10 (wow) |
Eure Meinung!
Wie beurteilt ihr den Hafen? Seht ihr ihn ähnlich kritisch wie ich oder freut ihr euch im Gegenteil, dass er nicht zu ausufernd ist und selbst eine Strandpromenade enthalten ist? Äußert eure Meinung gern in den Kommentaren!















































































23. November 2025 um 8:31
ich bin einfach froh, mit den Hafen Sets aus 1992 gespielt haben zu dürfen…
23. November 2025 um 12:44
Dem stimme ich zu…6542 habe ich zum Glück immer noch und 6541 würde mich noch reizen…ich liebe diese Sets!!!!!!!!!!
23. November 2025 um 19:58
Ich hatte das Polizei-Boot 4010, mein Bruder das Feuerwehrschiff 4020. Ich habe öfter auf das zugehörige Hafen-Set geschielt. Jetzt wirkt es gar nicht mehr so attraktiv – zum Glück für meinen Geldbeutel.
24. November 2025 um 21:22
Für die Erscheinungszeit sind das tatsächlich schöne Sets! Ich bin aber froh, dass sich der Detailgrad weiterentwickelt hat, wenn auch zu Lasten der Anzahl Fahrzeuge pro Set.
23. November 2025 um 8:41
Danke für das Review.
Ich empfinde das Gesamtpaket sehr gelungen und mich stört es nicht, dass ein Strand und ein Restaurant am Frachthafen liegt. Hier bekommt man einfach alles und das, wie in meinem Fall, für einen Straßenpreis von 60€.
Sonst wird immer gemeckert, dass da noch ein Strand oder dort noch ein Stand gut gepasst hätte und hier ist alles vorhanden und es wird dann bemängelt, dass es unrealistisch ist. Schade.
24. November 2025 um 21:25
Das ist das Schöne an einem Review: Es handelt sich um eine persönliche Meinung. Und ich habe ja auch zugegeben, dass ich wohl kritischer bin als ich sein sollte. Zu meiner „Verteidigung“: In den Leser-Kommentaren zum Brickset-Review (https://brickset.com/article/112801) werden ähnliche Punkte angesprochen, ich bin also wenigstens nicht allein mit meiner Ansicht – du aber auch nicht.
23. November 2025 um 12:38
Vom optischen her gefällt mir das Set sehr gut. Vielfältig, hübsch und mit Charme. Ich hatte es für um die 60 Euro erstanden und für den Preis bietet es schon eine Menge – und rechtfertigt auch dann die Unzulänglichkeiten mit eigenen Elementen behebt. Sollte ich den Hafen nochmal für den Preis sehen, überlege ich mir gerade, ob ich ihn mir ein zweites Mal zulege. Dann wäre auch ein größere Containerschiff möglich (und einen SEHR kleinen Schlepper oder so^^).
Alles in allem schlagen für mich Charme und Preis die Nachteile. Ich habe übrigens noch eins der Hafensets aus den frühen 90ern, und werde beide fröhlich kombinieren!
23. November 2025 um 12:44
Danke für das ausführliche Review und die vielen Fotos. Ich habe mir lange überlegt, ob ich das Set kaufen soll. In eine richtige Lego Stadt gehören ein Strand und Hafen für mich schon dazu. Aber mit dem Set hätte ich zu viele Kompromisse eingehen müssen, vor allem was den Güterverkehr im Hafen betrifft.Aus Platzgründen habe ich mir dann nur eine kleine Strandpromenade gebaut und im Wasser sind kleine Solarboote und Surfer unterwegs. Vom Restaurant habe ich mir aber viele Details abgekupfert. Nur die undichte Dachrinne ist mir bisher entgangen…
Prinzipiell mag ich deinen Humor, die Bemerkung zum Schminkverhalten älterer Damen muss ich aber noch etwas sacken lassen. Ich mag auf jeden Fall Lego Köpfe, bei denen die Augenpartien etwas akzentuiert wirken.
24. November 2025 um 21:26
Ich gebe zu, der Satz war etwas hart… Ich versuche, solche Sprüche in Zukunft etwas weniger drastisch zu formulieren.
23. November 2025 um 18:42
Auf mich wirkt dieses Set ein wenig so, als habe man unbedingt die Themen „industrieller Hafen“ und „sommerliche Reviera“ miteinander verbinden wollen. Da wäre es doch wirklich schicker gewesen, den Frachthafen mit einer vernünftigen LKW-Anfahrt und einem größeren Schiff zu versehen. Und in einem zweiten Set hätte man dann die Reviera samt Yachthafen rausbringen können. Na ja, die Verquickung von Themen wird dann eindeutig getoppt durch diesen City-Turm. Raumschiff auf dem Dach und U-Bahn im Keller. Aber wenigstens nicht umgekehrt 😉.
24. November 2025 um 21:28
Den City-Turm finde ich (vom bisherigen Anschauen) fantastisch! Eine Collage aller City-Themen zum 20. Jubiläum ist in meinen Augen eine großartige Idee. Ob ich das nach dem Aufbau noch so sehe, wird sich zeigen. Ein Review dazu will ich zumindest auf jeden Fall schreiben.
23. November 2025 um 21:22
Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich mir dieses Set noch für meine maritime Lego-Sammlung gönne, bevor es verschwindet.
Daher habe ich in den letzten Tagen das Netz nach Reviews durchsucht und nur sehr wenig hilfreiches gefunden – und jetzt, kurz nachdem ich mich für den Kauf entschieden habe, kommt hier auf der Seite meines Vertrauens das Review!
Trotzdem sehr schön, und ich denke, ich habe mich richtig entschieden.
Etwas kleinlich finde ich tatsächlich die Beschwerde (nicht nur hier), dass ein Restaurant und eine Badestelle am Verladehafen unrealistisch und das Schiff zu klein sein – ist doch klar, dass Lego eine kompaktere Version der Realität darstellt.
Als Bewohner einer kleinen Hafenstadt kann ich außerdem berichten, dass unser Gewerbehafen schon immer auch Fischrestaurants hatte. Der Badestrand ist allerdings zugegebenermaßen ein ganzes Stück weit entfernt…