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LEGO Alternativmodelle spielen eine Rolle! [Meinung]

Alternative Bauideen! | © LEGO

Früher war mal alles Creator 3in1 – Was ging auf dem Weg zur Moderne bei LEGO verloren und warum war das ein echter Verlust?

Es ist wieder Meinungs-Mittwoch und heute möchte ich über ein Thema sprechen, welches mir persönlich sehr am Herzen liegt. Dabei handelt es sich um das Thema Alternativmodelle oder alternative Bauideen und warum wir sie dringend wieder bräuchten.

Die Spielregeln

Ein Redaktionsmitglied wird wöchentlich zu einem steinigen Thema kompakt seine Meinung kundtun und dabei ganz gewiss mit manch These bei dem ein oder anderen Leser anecken. Daher schieben wir den Stein zu euch, und ihr könnt euch in den Kommentaren selbstverständlich ebenfalls zu diesem Thema äußern. Der Austausch von Gedanken ist sehr wichtig – und das auch, wenn es sich „nur“ um ein gemeinsames Hobby handelt. Folgend meine persönliche Meinung – und nicht die der Zusammengebaut-Redaktion als solches.

Meine Meinung

Eine kleine Welt

Wir haben heute eine LEGO-Themenwelt namens „Creator 3in1“, welche uns regelmäßig mit wirklich guten Sets versorgt. Beim Titel 3in1 muss ich jedoch immer denken „es war mal alles bei LEGO 3in1“. Das wirft für mich die Frage auf, warum wir eine eigene Themenreihe brauchen, um unsere Sets umzubauen. Ich bitte das übrigens nicht als Schuss gegen Creator 3in1 zu verstehen, denn die Sets sind wie gesagt oftmals großartig und wenn euch ebendiese Sets interessieren, empfehle ich euch die Reviews unserer Creator-Autorin Frauke.

Schaut man auf die Boxen alter Sets, so findet man auf deren Rückseite in den meisten Fällen einige Vorschläge, was man aus den enthaltenen Steinchen noch so bauen könnte. Dabei ist es egal, welche Themenreihe oder wie groß das Set. Teilweise hatten sogar Polybags mehrere alternative Bauideen. Über die Zeit wurde diese Idee immer weniger verfolgt. Während die Modelle heute so detailliert aussehen, wie nie zuvor, so hat man auch das Gefühl, dass sie inzwischen zu weiten Teile für erwachsene Sammler und deren Regale designt sind und nur einmal aufgebaut werden sollen. Dabei rede ich auch nicht von Sets der 18+ Reihe, sondern von normalen Spielsets. Alles muss so nah wie möglich an der Realität sein, sodass immer mehr winzigste Teile verwendet werden müssen. Ein normaler Baustein ist inzwischen eine echte Seltenheit geworden.

Das sorgt natürlich auch dafür, dass Modelle immer schlechter umbaubar sind. Zumindest für Kinder, deren Baukünste noch nicht so ausgereift sind, wie die von MoC-Meistern. Als Beispiel möchte ich hier die LEGO City Baufahrzeuge nennen. Diese Sets sind grandios, das gleich vorab. Aber sie sind auch sehr „überdesignt“ und ein Kind wird große Schwierigkeiten haben, nicht mit einer eigenen Kreation enttäuscht zu sein, die es aus diesen Teilen baut. Somit kommt es zu einem Effekt, den ich überall im Bekanntenkreis beobachte: Kinder bauen die Sets nicht mehr um.

Doch wann hörte LEGO selbst auf, ihre Sets selbst umzubauen? Nun, das war ein längerer schleichender Prozess. Wie eingangs erwähnt, hatte früher (so gut wie) jedes Set alternative Bauideen auf den Rückseiten der Boxen. Zu diesen Alternativmodellen gab es keine Bauanleitungen (abseits von speziellen Fällen, wie Technik und Model Team) sondern nur ein Bild. Auch das halte ich für durchaus wichtig, dazu aber gleich mehr. Um die Jahrtausendwende kann man beobachten, dass vermehrt Anleitungen als Schritt-für-Schritt Fotos zu diesen Alternativmodellen mitgeliefert werden. Der mutmaßliche Grund dafür waren lt. einiger Insider wiederkehrende Beschwerden, über das Fehlen der Anleitungen. Diese Beschwerden sind per se erstmal vielleicht nachvollziehbar, zwangen LEGO jedoch offenbar auch zu einem Umdenken.

Designer damit zu beschäftigen Sets umzubauen, um mehr Ideen zu liefern, bedeutet für die Firma Extrakosten und nun auch noch Anleitungen designen zu müssen dafür, war dann wohl das, was dem Pferd das Rückgrat brach. So verschwanden alternative Bauideen langsam bis ins Jahr 2006 aus den meisten Sets. An ihre Stelle trat über die Zeit LEGO Creator. Die Themenreihe führte die Idee im Geiste weiter aber ich komme nicht umhin, daran zu denken, was wir auf dem Weg verloren haben.

Tatsächlich baue ich hin und wieder ganz gern ein Alternativmodell aus meinen Sets und heute wie damals merke ich, dass ich dabei dazu tendiere von der originalen Idee abzuschweifen und die Idee weiterzudenken. Als Kind habe ich diese alternativen Bauideen oft als Inspirationen genutzt, um eigene Kreationen zu bauen. Dazu war es ebenfalls eigentlich hilfreich, dass man nur ein Bild zur Verfügung hatte und es entsprechend gar nicht mal so leicht war, gerade bei größeren Sets, tatsächlich zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Gründe dafür sind zum einen natürlich die gewisse Challenge die es zu bewältigen galt und zum anderen sorgte es eben dafür, dass man im Zweifel die Ersatzteilkiste zu Rate zog und erweiterte. Ich erinnere mich sehr gut, wie ich als Kind eine Küche bauen wollte, weil ich eine Bautechnik aus einem Alternativmodell lustig fand und über den Prozess ist dann eine große Ritterburg daraus geworden. Die Anwesenheit solcher Modelle bietet daher meiner Ansicht nach einen immensen Mehrwert und Sets von damals fühlen sich so zusätzlich wie Baukästen an. Du kaufst kein Set, wenn du dir das Black Monarchs Castle zulegst, du kaufst eine ganze Welt, in die du abtauchen kannst. Und das ist der Geist von LEGO, der mit dem Verschwinden der Alternativmodelle verloren gegangen ist.

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Selbst in den kleinsten Sets

Anbei noch ein Top-Tipp, der echt tiptop ist, falls ihr etwas stöbern wollt in alternativen Bauideen: Back Of The Box Builds.

Meinungs-Mittwoch

Eure Meinung!

Wie seht ihr das? Findet ihr auch, dass wir etwas verloren haben, als die alternativen Bauideen von uns gingen? Schreibt eure Meinung gern in die Kommentare!

Jonas Heyer

Geht mit Johnny Thunder auf die Suche nach den Schätzen der LEGO Geschichte. Von den Gewässern Redbeards geliebter Karibik, über die Helden des Westens, bis hin zu den tapferen Rittern von Richard Löwenherz!

21 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Kommt wohl drauf an. Es gibt auf Facebook diverse Auswüchse des Themas und weder die „Ich habe das Set zweimal gekauft und aus einer kleinen Burg eine große gemacht.“ noch die „Jedes Set ist ein Millenium Falken.“ Variante locken mich hinterm Ofen vor. Selten sind da Dinge dabei, wo ich mir sage „Da hätte ich mal drauf kommen müssen!“ die ich wirklich witzig, anspruchsvoll oder sonst wie gelungen finde. Für mich selber denke ich da wohl eh zu kompliziert. Für manche meiner Ideen müsste ich viel zu viele verschiedene Sets kaufen und die Teile zusammenwürfeln, denn diese einfachen Varianten würden mich nicht befriedigen. Vielleicht wäre das anders, wenn ich da als Kind hineingewachsen wäre und dann hätte das sicher Spaß gemacht, Westernstädte und Pirateninseln zu erweitern und anders zu kombinieren, aber insgesamt vermisse ich das nicht. Ich ärgere mich tatsächlich dann eher über die nachlassende Qualität der Zweit- und Drittmodelle bei Creator 3in1. Oftmals ist da mein Eindruck, dass LEGO das Pferd von hinten aufzäumt und eines der Alternativmodelle, etwas verfeinert und größer, der bessere Ausgangspunkt für das Set gewesen wäre. Manchmal fehlt nur eine Handvoll Teile und man hätte das auf den Kopf stellen können und alle Modelle wären dann besser. Es bleibt aber so oder so einfach die Sache, wie weit man nun bei MODs und MOCs gehen will und was das Ziel sein soll.

  2. Schöner Artikel, der bei mir einen Nostalgieschub erzeugte. Ich würde die alten Alternativmodelle aber als „Serviervorschläge“ bezeichnen und deutlich von den 3in1-Sets unterscheiden. Das eine waren nur einzelne Bilder als Ideen fürs Umbauen, das andere voll ausgereifte Alternativsets mit Bauanleitung.

    Früher war dieser Unterschied gefühlt kleiner als heute, denn früher waren die Bauanleitungen anspruchsvoller. Keine Teilelisten pro Bauschritt und oft viel mehr Teile pro Bauschritt. Bei den uralten hellgrauen Burgen war jeder Bauschritt ein Suchbild.

    That being said, die „Serviervorschläge“ waren eine tolle Sache. Damals hatten sie auch Platz auf oder eher im Karton, weil die Kartons noch Deckel zum Aufklappen hatten und damit viel mehr Präsentationsfläche. So ein altes Piratenschiff von 1989 zeigte noch seine schönsten Teile in extra geformten Plastik-Inlays her, hatte per Pappwänden unterteilte Kartons mit Aufklappdeckel und Plastik-Abdeckung unter dem Deckel.

    Heutzutage zeigt ein Karton vorne die Hauptansicht, hinten eine andere Ansicht und ein paar Details und fertig. Kein Aufklappdeckel, kein Platz mehr für Alternativideen. Vielleicht noch in der Bauanleitung.

  3. Ich muss sagen, dass ich trotz der seinerzeit auf den Sets gezeigten Alternativmodellen nie versucht habe diese nachzubauen. Da stand für mich immer das Originalmodell im Vordergrund. Unabhängig davon habe ich dann eher mit noch verfügbaren Legosteinen weitere eigene Modelle gebaut. Wofür seinerzeit häufig die gelbe Ritterburg als „Steinbruch“ herhalten musste. Aber auch diese ist wiederkehrend als Originalmodell auferstanden.

  4. Ja besonders bei lego Ritter (fan) war es interessant. Aber meist war man zu faul diese versucht nach zu bauen. Oder wenn man selbst ideen hatte man besten falls diese als Inspiration genutzt.
    Ich war auch ein großer fan von den ideen Büchern/Hefte die es früher gab meistens aren aber die coolen. Sachen nicht als Anleitung dir. Sondern eins der weniger interessant sachen.
    Aber mein größter Spaß war als ich von mein Eltern zu Weihnachten ein set der Gelben Lego Burg, also die erste Burg die es gab. Bekommen hab. Das set war gebraucht, klar war ja auch nur wenig älter als ich. Es war leider nicht vollständig und es fehlte die Anleitung, aber der Karton war da. Das war ein Spaß die versuch nach zu mindest eins der vorlage zusammen zu bauen.

    • Das mit den Büchern kann ich so unterschreiben. Ich hatte eines, aber groß genutzt sehr selten, einfach weil für die interessanten Sachen Teile gefehlt haben und die Beschaffung damals ungleich schwerer war als heute. Irgendwann kamen die Einzelteilständer in den Spielwarenläden auf, da hab ich mir damals eine zusätzliche Baggerschaufel gekauft, um den gelben Pneumatikdoppelbagger in ein U-Boot umzubauen. Für einen kleinen motorbetriebenen Dino hat es auch mit leicht variierten Farben gereicht. Aber sonst wurde aus dem Buch kaum was gebaut.

  5. Sehr schöner Beitrag. Ich persönlich habe nie die Alternativmodelle gebaut, sehr wohl aber relativ zügig die Teile in den stetig wachsenden Steinebestand übernommen und völlig andere Kreationen daraus gemacht.

  6. Ist doch ganz einfach, das ist falsch!
    Weil der Kunde guttiert es nicht! Die meisten kaufen ein Set, bauen es auf und gut ist und wenn man Glück hat sind es Kinder die damit spielen. Aber ich kenne Kinder die durften ihre Star Wars Modelle nicht demontieren, wegen dem Wert, den die Sets hatten. Und die Erwachsenen wollen es sich ins Regal stellen und gut ist.
    Die Personen die mit Lego etwas selbst bauen, umbauen etc. sind eine Minderheit!
    Das mag widersinnig erscheinen, weil die Grundidee ja eine andere ist, aber das Ergebnis ist, es wird sehr selten mit Klemmbausteinen kreativ gebaut.

  7. Als Kind bin ich sogar noch einen Schritt weitergegangen. Die meisten Sets, die ich bekommen habe, wurden nie nach Anleitung gebaut, die Teile landeten oft direkt in der Kiste zum freien, kreativen Bauen.

    Heute ist es bei mir genau das Gegenteil. Aufbau nach Anleitung, ab ins Regal.

  8. Ich reihe mich bei denen ein, die das schon in der Kindheit nicht genutzt haben. Entweder ich hab das „original“ gebaut, oder einfach irgendwas worauf ich Bock hatte. Die Alternativen fand ich vermutlich nie so spektakulär, dass ich die bauen wollte.
    Ein anderes Konzept war damals Technic – könntet ihr in diesem Rahmen hier auch mal einen Artikel machen. Also ich meine diese Basis Sets in gelb, rot und blau mit denen man dann gewollt ganz unterschiedliche Modelle bauen konnte…so hab ich das jedenfalls in Erinnerung.

  9. Ich habe früher gerade bei den Town-Sets oder den kleinen Sets sehr oft die Alternativen oder zumindest so etwas Ähnliches gebaut, mangels komplexer Teile und Bautechniken (und auch weil die Anleitungen und Sets oft nicht so detailliert waren und man nicht wie heute quasi vorgegeben hat, „was es ist“) ging das auch.

    Mini versucht sich langsam an seinen ersten MOCs (alles ist Flugzeug), aber er benutzt dafür meistens meine „alte Steine“-Kiste, da die neueren zu speziell auf eine Funktion ausgelegt oder einfach für ihn noch zu klein sind, um daraus im Kopf etwas selbst zu konstruieren.

    Ich erinnere mich gaaaanz dunkel an Lego Ende der 80er (da war ich selbst mini) und den Slogan „What it is is beautiful“- heute würde man diese MOCs in keiner Werbung mehr zeigen.

    Insgesamt also von mir ein Ja. Ich vermisse alternative Bauten, sehe aber auch, wie es heute schwer werden könnte. Aber vielleicht könnte man ja mal eine Feuerwache oder Polizeistation mit Varianten anbieten? Oder gar eine „Stadtgebäude-MOC-Kiste“? Gerade City wäre doch auch prädestiniert für MOCs. Und eine Kundin plus einen Mini-Fan gäbe es dafür mindestens.

  10. Tatsächlich habe ich mich in meiner 80er Kindheit nie mit den alternativen Modellen auf den Kartons beschäftigt. Ich habe immer nur nach Anleitung meine Ritter Sets zusammengebaut und damit gespielt. Tatsächlich interessieren mich erst heutzutage diese Alternativvorschläge wie zuletzt bei bei der Black Falcon Fortress und der Blacktron Base.

  11. Bei Model Teams Heli Truck war so ein Bild auf der Rückseite der Anleitung. Viel zu kompliziert für mich. Vor drei Jahren hab ich bei BrickLink eine Alternativanleitung dafür gefunden. Hat mich nach Jahrzehnten glücklich gemacht.

    • Die Alternativmodelle waren für mich auch eher Inspiration. Umgebaut wurde aber viel. Bzw einfach aus der Legokiste ganz frei gebaut.

      Mein Neffe baut auch noch vor allem frei – scheint aber die Ausnahme zu sein.

  12. Was das Durchdesignte angeht, gebe ich dir vollkommen recht, das erschwert das Umbauen heutzutage – und wenn es nur die Hemmschwelle erhöht. Aber natürlich auch mit speziell zugeschnittenen Teilen für eben das eine Hauptmodell.

    Allerdings muss ich auch zugeben (wie andere hier auch), dass ich diese Rückseitenmodelle früher nie als vollwertiges, geschweige denn interessantes Modell betrachtet habe. Das waren für mich maximal rudimentäre Grundideen, die ich aber so gut wie nie umgesetzt habe.

    Etwas anderes war natürlich Technic, auch wenn da das B-Modell ebenfalls oft deutlich schwächer war (positives Beispiel war z.B. der Pneumatikmähdrescher vom Bagger). Und dann natürlich die Universalbaukästen wie die 8020, die ich ohne Ende umgebaut habe.

  13. Ist zwar hier zahlenmäßig nicht repräsentativ, aber es überrascht schon, dass die Rückseitenalternativen anscheinend bei vielen keine Rolle gespielt haben…dafür dass es ja gerne mal anders dargestellt wird…

    • Ich habe den Alternativmodell früher auch keine Beachtung geschenkt, jedenfalls kann ich mich nicht daran. Einmal aufgebaut, gespielt und dann ist es in der Legokiste gelandet.

      Nichtsdestotrotz finde ich deinen Beitrag, Jonas, gut. Denn ich sehe es auch so, dass sich Lego durch die detailiiertere und kleinteiligere Bauweise bei den Spielsets von seinem Ursprung verabschiedet. Da wäre es schon interessant zu wissen, ob und wie sich das Spielverhalten von Kindern mit Lego über die Zeit verändert hat. Wie lange bleibt heutzutage ein Set aufgebaut und wird wirklich bespielt und was passiert danach? Wird mit losen Teilen heute weniger gebaut/gespielt als früher?

      Displaysets und solche, die sich eindeutig an Erwachsene richten, werden meiner Meinung nach nur noch von wenigen noch mal umgebaut (in unserer AFOL Bubble ist die Wahrnehmung vielleicht etwas verzerrt). Daher spielt für mich zB auch die […] keine Rolle, solange sie nicht zu sehen ist. Aber das Thema hatten wir ja auch schon zur Genüge.

      [Anm. d. Red.: Kommentar gekürzt, bitte auf Sprache achten.]

      • Interessante Frage bezüglich des Spielverhaltens. Ich sehe da bei meinen Jungs interessante Unterschiede. Die wünschen sich regelmäßig Legosets und bekommen auch welche. Mit dem Aufbau dauert es manchmal laaaange (ein Vaianaset liegt seit Weihnachten halb zusammengebaut rum) und wenn es dann mal steht, verstaubt es im wahrsten Sinne des Wortes im Regal. Dabei macht es nicht groß Unterschied, ob das ein Displayset, oder was von Ninjago ist. Wenn wir dagegen bei meiner Mutter sind, werden innert kürzester Zeit damalige Großsets (Space, Piraten, Unterwasser) aufgebaut und Geschichten erzählt und gespielt. Der deutlich schnellere Aufbau erklärt sich natürlich auch aus dem damaligen Teilezahlen. Das riesige M-Tron Rescue Center hat nicht mal 500 Teile. Aber ein Umbau wäre damals deutlich einfacher gewesen. Das waren großteils Standardteile und farblich über alle Sets komplett einheitlich.

  14. Der Autor dieses Artikels schlägt immer in dieselbe Kerbe – aber zu recht.
    Aus meiner Sicht ist Lego als Spielzeug schon lange tot. Mein Neffe hat damit nicht gespielt, mein Sohn spielt zwar manchmal, aber baut nichts auf und meine Tochter baut auf, aber lässt das Modell dann verstauben. Auch von anderen Kindern höre ich ähnliches.
    Der Grund ist, dass mit zunehmender Realitätsnähe der Sets die Eigenschaft als Bauspielzeug abnimmt.
    Ich war auch immer begeistert von den B-Modellen und die schwarze Drachenritterburg ist ein gut gewähltes Beispiel. Auch wenn wir als Kinder damit überfordert waren, die B-Modelle nachzubauen, haben sie doch zum kreativen Bauen inspiriert, ebenso wie zum Beispiel die Baubücher (zum Beispiel Nr. 250 oder 260).
    Ich würde mir wünschen, dass Lego wieder versucht, mehr mit einfachen Teilen und Panelen für sein Produkt als Bauspielzeug zu werben. Ich finde, man sieht in Youtube bei den Stop-Motion-Videos im Vergleich zu den Videos der Profibaumeister, dass das weniger eine Frage des Fortschritts ist, ob ich modern oder old school baue, sondern eine Frage des Geschmacks.

    • Ich glaube, das war auch früher schon sehr unterschiedlich, je nach Vorlieben der einzelnen Kinder. Ich hatte damals das Glück, dass mein Bruder zwar gerne mit Lego gespielt hat, aber kaum gebaut. Mit anderen Worten, ich hatte den doppelten Bauspaß *g* Wobei ich den Zusammenhang zwischen zunehmendem Detailgrad und abnehmender Umbaubegeisterung sogar noch leicht ergänzen würde – um abnehmende Spielbegeisterung. Es ist etwas schizophren, aber obwohl es heutzutage theoretisch mehr Möglichkeiten zum Spielen gibt, weil alles detailierter ist, leidet der Spieltrieb darunter, weil einfach alles seinen perfekten Platz in einem Set hat (Küche mit kompletter Ausstattung). Früher gab es ein, zwei Gegenstände (eine Küche mit einem Becher und einer Pfanne oder so), den Rest musste man im Kopf dazuerfinden und hat es dann auch gemacht. Kann natürlich auch daran liegen, dass ich heutzutage erwachsen bin, aber es ist schon bemerkenswert, wie viele sich heute über mangelnde Spieltiefe beschweren, obwohl die Modelle in den 80er und 90ern viel, viel rudimentärer waren als heute.

  15. Als Spielzeug mag Lego immer noch ganz cool sein. Aber die Devise der alten Baubücher, mit den vorhandenen Teilen nach Lösungen zu suchen, dürfte mit aktuellen Miniteilen nicht so leicht zu verfolgen sein. In der Phantasie bauen, ich glaub das hat sich für Kinder im wesentlichen erledigt.

  16. Interessante Vielfalt in den Kommentaren. „Einfache Antworten“ gibt es bei diesem Thema (wie so oft) nicht.
    Ich persönlich habe als Kind die Alternativabbildungen geliebt und auch regelmäßig einen Nachbau versucht, insbesondere bei der 6074, aber auch bei den großen Dioramen in den erwähnten Bauideen-Büchern (also die „Stimmungs“-Bilder, zu denen es keine Anleitungen gab). Das große Burg-Diorama im Buch 260 nahm ich auch mal in Angriff – da gingen mir allerdings irgendwann auf dem Wege die Steine und Figuren aus.
    Es gab auch Sets, die ich im Original irgendwie unbefriedigend fand und die ich deshalb selber mit einigen Teilen aus meinem Steinevorrat erweiterte bzw. umbaute (z. B. die Gouverneurskogge 6274, die keine nennenswerte Kajüte etc. hatte und mit dem Piratenschiff 6285 nicht mithalten konnte).
    Ich stellte schon damals als Kind fest, dass es unter meinen Freunden und Verwandten zwei Grund-Typen von Lego-Nutzern zu geben schien: diejenigen, die lieber bauten, und diejenigen, die lieber spielten – und in der Realität v. a. „Mischungen“ mit unterschiedlichen „Gewichtsanteilen“ beider Veranlagungen, wobei ich mich selbst etwa im Verhältnis 2:1 zugunsten der Bauveranlagung eingestuft hätte.
    Für die „Idealtypen“ galt im Hinblick auf Sets: Erstere nutzten Sets eher als Anregungen und Steinevorrat für eigene Ideen, Letztere bauten sie einmal auf und integrierten sie, so wie sie waren, in ihre Spielwelt. Beides ist ja legitim, und beides gilt, denke ich, auch heute noch – ich sehe den unterschiedlichen Umgang mit Sets auch bei meinen eigenen Kindern (die im übrigen auch sehr begeistert von meinen alten Sets sind und fragen, warum es so etwas heute nicht mehr im Laden gibt).
    Es mag sein, dass der reine oder überwiegende „Bau-Typ“ heute deutlich seltener geworden ist. Zudem ist heute noch ein dritter Typ hinzugetreten: der Erwachsene, der ein Display-Modell einmal aufbaut und dann ausstellt. Auch das ist freilich absolut legitim. Für die Firma stellt diese Entwicklung sicher inzwischen einen entscheidenden ökonomischen Faktor dar, und die Einführung und stetige Ausweitung von Lizenzthemen, Microscale-Modellen und Accessoire-Modellen illustriert dies: Wer kreiert schon eigene Star-Wars-Raumschiffe oder Gebäudeflügel von Hogwarts, die in den Filmvorlagen gar nicht vorkommen?
    Folge: Lego bekommt mehr und mehr „Modellbau-Charakter“ – wobei es beim speziellen Blick auf die Hauptzielgruppe (Kinder) fast unmöglich sein dürfte, die Henne-Ei-Frage zu beantworten, ob schwindende kindliche Kreativität für den Wandel der Sets verantwortlich ist oder umgekehrt …
    Aber: Wer gerne selber kreiert, hat dank PAB und Bricklink etc. heute auch manche Möglichkeiten, von denen man „damals“ (TM) nur träumen konnte.
    Tempora mutantur …

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