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LEGO Technic 42232 Koenigsegg Sadair’s Spear im Review

LEGO Technic 42232 Koenigsegg Sadair's Spear Hypercar | © André Micko

Wohnst du noch oder fährst du schon? Der schwedische Koenigsegg ist das sechste Modell der LEGO Technic Supercar Serie. Und auch das Beste?

Alle Doppeljahre wieder erscheint ein neues LEGO Technic Supercar. Ich hatte mit Zusammengebaut noch nicht allzu viel am Hut, als ich mir vor zehn Jahren den 42056 Porsche 911 GT3 RS zugelegte. Aus heutiger Sicht mehr ein Prototyp der Reihe: gut 1000 Teile weniger als die Folgemodelle, er wirkt deutlich luftiger und auch das Getriebe hinkt technisch hinterher.

Vom 2018 erschienenen Modell 42083 Bugatti Chiron war ich begeistert, auch wenn mich zuvor das Original optisch nicht vom Hocker gehauen hatte. Unvergessen auch die mit ihm verbundene Geburt des LEGO Populismus. Überrascht vom „370-Euro-Enttäuschungs-“ Hype, aber nicht angesteckt, begeistern mich alle zwei Jahre die großen Boliden aufs Neue. Und Weihnachten fängt in geradzahligen Jahren schon im Sommer an.

Ob das auch für den neuen 42232 Koenigegg Sadair’s Spear Hypercar gilt? Aus dramaturgischer Sicht sollte ich den Spannungsbogen hochhalten, aber was solls: Ja! Ein wieder supergeiles Wägelchen. Für eine UVP von 449,99 Euro (viel Geld, keine Frage) wird der Flitzer aus 4104 Teilen zusammengesetzt. Und bevor wir uns anschauen, wie das dann aussieht, hier wie immer einige Details zur Vorlage.

Mitte der Neunziger gründete der 22-jährige Schwede Christian von Koenigsegg seine nach ihm benannte Firma mit der Vision, den perfekten Supersportwagen zu bauen. Gut 30 Jahre später ist Koenigsegg einer der profitabelsten Technologieführer im High-End-Luxussegment der Supersportwagen. Ziel erreicht, würde ich sagen.

Der Sadair’s Spear wurde vor einem Jahr vorgestellt. Der Name geht auf ein Rennpferd von Jesko von Koenigsegg (Christians Vater) zurück, das dieser in den 70ern als Jockey ritt. Das Fahrzeug selbst ist, wie sollte es anders sein, gespickt mit Superlativen. Leichter, schneller, aerodynamischer,… und nicht zuletzt: teuer. Viereinhalb bis fünf Millionen Euro, und damit 10.000 mal mehr als für das LEGO Modell, musste die betuchte Kundschaft auf den Tresen legen, um eines der auf 30 Stück streng limitieren Exemplare zu ergattern. Die natürlich bereits vor dem offiziellen Erscheinen verkauft waren. Gut, wenn man eine liquide Fanbase hat.

Der 5,0-Liter V8 Motor leistet bis zu 1625 PS. Das entspricht mehr als einem Megawatt, weswegen Koenigsegg seine Fahrzeuge -anders als in der LEGO Setbezeichnung- nicht als Hypercars, sondern als Megacars bezeichnet.

Über das 9-Gang Lichtgeschwindigkeitsgetriebe („Light Speed Transmission“ LST) wird die Leistung an die Reifen weitergegeben. Das innovative Getriebe erlaubt Gangsprünge, zum Beispiel vom 5. in den 2. Gang, nahezu ohne Verzögerung. Vorweg: das funktioniert mit dem LEGO Modell nicht ganz so schnell…

Ausgelegt ist das Fahrzeug auf kurvige Rennstrecken, weniger auf Geradeausfahrt und Höchstgeschwindigkeiten wie beispielsweise der Bugatti Chiron. Fährt dieser dem Schweden aus dem Stand noch davon (2,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h gegenüber 2,6 Sekunden, die der Koenigsegg dafür braucht) und hat auch oben raus mehr Luft (440 km/h Spitze gegenüber 360 km/h), sieht der blaue Franzose auf dem Rundkurs nur noch die Rücklichter des Schweden. Dessen riesiger Flügel sowie die übrige aerodynamische Auslegung drücken ihn brutalst auf den Asphalt. Und dank über 600 kg weniger Gewicht schafft er es nach knapp 9 Sekunden von 0 auf 300 km/h. Dafür braucht der Chiron gute 12 Sekunden.

Ein besonderes Merkmal des schwedischen Speers sind die Dihedral Türen. Oder genauer: Dihedral Synchro-Helix-Türen. Sie bewegen sich ein Stück nach außen und rotieren dann um 90 Grad nach vorne. DAS technische Highlight, auf dessen Umsetzung ich beim LEGO Modell am meisten gespannt war. Und mit dieser Überleitung starten wir endlich mit den Details dazu, wie die Dänen den Schweden umgesetzt haben.

Eckdaten

Verpackung und Inhalt

Die Schachtel im schwarz-weiß gehaltenen Design ist erwartungsgemäß groß. Wo oben und unten ist, erkennt man mehr an den Klebesiegeln und weniger am Aufdruck. So finden sich Setbild und Daten wie Altersempfehlung, Setnummer und Teileanzahl eher unüblich auf der Unterseite beziehungsweise dem Boden.

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Im Inneren sind drei Kartons gestapelt, die sich oben Aufklappen lassen. Sie enthalten die nummerierten Papiertütchen und einige separat in Plastik verpackte Sonderteile. In der untersten Schachtel drei liegen die Felgen und Reifen, darunter gut eingebettet zwei dicke Anleitungsbücher.




Auf Buch eins ist die rechte Hälfte des Sadair’s Speer als LEGO Modell abgebildet, auf Buch zwei die linke Hälfte des realen Fahrzeugs. Nebeneinandergelegt ergibt sich so ein ziemlich passendes Gesamtbild. Durch fast 1000 Seiten (496 und 480) muss man sich durchackern um den Aufbau zu schaffen. Zeit fürs Aufkleber anbringen braucht man nicht einplanen, alle verzierten Elemente sind bedruckt.

Der Aufbau

Aus 30 Abschnitten, entsprechend den nummerierten Tütchen, wird der Wagen zusammengesetzt. Davon 13 in der ersten Box, 7 in der zweiten und die übrigen 10 in der dritten.

Der Aufbau macht gewaltig Spaß! Technic-Fans kommen, wie auch bei den Vorgängermodellen, voll auf ihre Kosten. Man taucht ein in unzählige Beams, Hebelkonstruktionen und Zahnräder. Neben dem Bekannten sind einige neue Funktionen dabei, wie wir im Abschnitt „Das fertige Modell“ noch sehen werden.

Aufgrund der detaillierten Anleitung ist der Aufbau prinzipiell von jedem machbar. Allerdings sollte man fokussiert an die Sache rangehen. Kleine Ablenkungen und ein falsch positioniertes Getriebeteil können schnell dazu führen, dass das Endresultat nicht wie gewünscht funktioniert. In den meisten Fällen wäre eine Korrektur nur möglich über einen Rück- beziehungsweise Wiederaufbau. Also Obacht und volle Konzentration!

Immer wieder fordert die Anleitung zur Kontrolle der verbauten Getriebeteile auf. Es ist sinnvoll, das ernst zu nehmen 🙂

Begonnen wird mit dem riesigen Getriebe, der Hinterachse und dem Motor. Dann gesellen sich die Sitze und Vorderachse hinzu. Es folgen das übrige Chassis, Vorderachse, Karosserie und natürlich die eingangs schon erwähnten Dihedral Türen mit ihrer spannenden Konstruktion.

Dass sich einige Aufbauten wiederholen, weil das Auto nun mal zwei Türen hat, die identisch, wenn auch spiegelverkehrt aufgebaut werden, liegt in der Natur der Sache. Das wirkt sich aber nur gering aus und tut dem spannenden Aufbau keinen Abbruch.

Alles weitere zeigen nun die Bilder wesentlich besser, als ich es erklären könnte.

Die ersten drei Bauabschnitte





Kolben, Pleuelstangen und Kurbelwelle des V8



Neue, andersfarbige oder interessante Teile

In der Masse an LEGO Teilen und Sets sowie der Verwendung von unterschiedlichen Teilenummern und Farbnamen ist es oft schwierig zu bestimmen, ob ein Teil neu, in der Farbe bereits erschienen oder einfach nur selten ist. In diesem Kapitel will ich daher der Einfachheit halber alle Teile zeigen, die mir in einem Set aus vorgenannten Gründen (neu, interessante Farbe oder selten) zeigenswert erscheinen.


Die neuen Felgen für den Koenigsegg


Über den individuellen Code können digitale Zusatzinhalte im LEGO Insiders-Bereich freigeschalten werden (Hintergrundbilder, Interviews mit Christian von Koenigsegg, Poster, usw.)

Das fertige Modell







In Sachen Größe steht der Sadair’s Spear seinen Boliden-Kollegen in nichts nach. Er ist beeindruckende 60 cm lang, von Außenspiegel zu Außenspiegel gut 28 cm breit und 14 cm hoch. Er ist stabil gebaut, man kann ihn gut packen, hochheben und transportieren.

Hatte man langsam beim Ferrari und McLaren vielleicht den Eindruck, dass sich technisch nicht viel getan hat und sich nur Farbe und Karosserie ändern, hat der Schwede allerlei Neues mit an Bord.

Natürlich sind die „Standards“ auf dem Papier dieselben: Differenzial an der Antriebsachse (Heckantrieb). Lenkung vom Cockpit aus (das Lenkrad leider immer noch horizontal ausgerichtet und nicht leicht schräg). Schaltwippen am Lenkrad. Dämpfung an den Reifen. V8 Motor. Motorhaube am Heck, vordere Haube und Türen lassen sich öffnen. So weit, so gut, so normal. Was sticht heraus?

Die Dämpfung, also die Federung der Reifen, erfolgt beim Original über ein Triplex-System. Gibt es üblicherweise zwei Stoßdämpfer auf einer Achse (eines pro Rad), wird beim Koenigsegg ein drittes Dämpferelement horizontal verbaut und verbindet die beiden Radaufhängungen flexibel miteinander. Beim großen Vorbild sorgt das System für besseren Bodenkontakt beim Überfahren von Randsteinen auf der Rennstrecke. Das Einnicken beim Bremsen oder Absacken des Hecks beim extremen Beschleunigen wird verringert, der Wagen besser in der waagrechten Position gehalten. Die Probleme werden beim LEGO Modell eher nicht auftreten, aber natürlich hat man das Dämpfersystem erwartungsgemäß authentisch umgesetzt.

Das Triplex-Dämpfungssystem


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Novum am Getriebe sind die neun Gänge, die es, wie soll es auch anders sein, beim großen Koenigsegg auch gibt. Super ist die neue Ganganzeige: über ein kleines Rad hinter dem Fahrersitz lässt sich bei geöffneter Tür ablesen, in welchem Gang sich der Wagen befindet. Die Gänge lassen sich durchschalten, das heißt beim Hochschalten kommt nach 9 die 1, beim runterschalten gelangt man vom 1. Gang in den 9.

Hinter dem Fahrersitz ist die Ganganzeige zu erkennen, darüber die Fliese mit der individuellen Seriennummer


Das Lenkrad verläuft auch beim Schweden parallel zum Boden


In der Mittelkonsole der Fahrstufen-Wahlschalter (nach vorne gedrückt: 9 Vorwärtsgänge, Mittelposition: Neutral, nach hinten gedrückt: Rückwärtsgang)

Die Türen: Vor dem Heckkotflügel befinden sich auf jeder Seite zwei Technic Winkelelemente. Drückt man auf diese drauf, schwenkt die davor liegende Tür erst parallel zum Fahrzeug nach außen auf und geht fast übergangslos in eine Drehbewegung nach vorne über. In der Endposition verharrt sie dann stehend um 90 Grad gedreht neben der A-Säule. Die Seitenspiegel klappen dabei, wie beim Original, auch noch ein. Zum Schließen werden sie mit der Hand vorsichtig wieder in die rückwärtige Bewegung geführt.

Das Ganze ist, der Konstruktion geschuldet, ein wenig wackelig, wenn man an der Tür Hand anlegt. Man darf auch den Hebel zum Öffnen nicht zu zaghaft drücken und muss mit Kraft für den nötigen Schwung sorgen, damit es die Tür bis in die Endposition schafft. Ansonsten verhungert sie halb schräg verharrend auf dem Weg dorthin. Das ist für mich ob der ansonsten genialen Konstruktion, inklusive der automatisch ein- und ausklappbaren Spiegel, aber absolut verzeihbar. Ein faszinierendes Stück LEGO Technic. Man kann zwar während dem Bauen durchaus die einzelnen Mechanik-Anteile nachvollziehen. Im finalen Zusammenspiel überwiegt aber das Erstaunen darüber, was alles hier auf kleinem Raum ineinandergreift, damit sich Tür und Spiegel Koenigsegg-markant bewegen. Super!

Einblicke in die Türmechanik



Hier muss man drücken, um die Türe zu öffnen


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Besserer Blick auf den einklappbaren Seitenspiegel beim Öffnen der Tür


Zu guter Letzt: die Ghost-Funktion. Beim echten Schweden ein Show-Effekt, ausgelöst durch Drücken des Geist-Symbols auf dem Schlüssel. Wie von Zauberhand, tatsächlich natürlich elektro-hydraulisch, öffnen sich die gewaltige Heckklappe, die Kofferraumhaube vorne sowie die beiden Türen. Das funktioniert auch beim dänischen Modell! Mangels Schlüssel wird hierzu die Heckklappe angehoben, dabei öffnen sich zeitgleich die Türen und vordere Haube. Einziges Manko: über die Heckklappe kann nicht der notwendige Schwung aufgebracht werden, um die Türen bis in die finale Position zu bringen. Hier ist ein wenig manuelle Finger-Unterstützung notwendig. Beim Schließen muss man ebenfalls selbst Hand anlegen, um die einzelnen beweglichen Teile wieder zurückzuführen.

Der Mechanismus ist fest verbaut, das heißt über die Heckklappe geht der Rest ebenfalls immer mit auf, während sich Türen und vordere Haube auch einzeln öffnen lassen.

Die Motorhaube kann in der oberen Position verriegelt werden


Blick unter die Motorhaube hinten. In der Mitte ist das Geister-Logo zu sehen: eine Hommage an die Jet-Staffel der schwedischen Luftwaffe, in deren verlassenen Hangars Koenigsegg seine Produktion einrichtete, als ein Brand seine ursprüngliche Stätte zerstörte.


Ghost-Modus



Blick unter die vordere Haube

Der Heckflügel ist drehbar (wobei die Einstellung links unten aerodynamisch wohl nicht viel Sinn macht…)


Das Dach lässt sich abnehmen

Vielen Dank an die LEGO Group, die uns dieses Set für unser Review zur Verfügung gestellt hat. Der Artikel gibt jedoch ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.

Fazit

Der Koenigsegg ist das Jubiläumsmodell der Supercar Reihe, die vor genau zehn Jahren mit einem Porsche ihren Anfang nahm. Ob er das beste Modell unter den erschienenen sechs ist, ist natürlich Geschmackssache. Technisch punktet er dem Jubiläum angemessen mit einigen Highlights. Teilweise getrieben durch das Original, wie die Dihedral Türen, teilweise Weiterentwicklungen seitens LEGO, wie neue Komponenten oder die Ganganzeige. Fans der Reihe oder des Autos werden nicht enttäuscht werden: Ein (weiteres) Mega Super Hypercar!

Bewertung

Positiv Negativ
  • Fortführung der genialen Supercar Reihe
  • Ganganzeige
  • Funktionierender Ghost Modus
  • Dihedral Türen, mit einklappbaren Spiegeln
  • Authentisches Dämpfersystem
  • Abzug in der B (oder C?) Note: Türen etwas wackelig

Benotung 🎵

Gesamtnote: 10
  • Umfang & Bauspaß: 10
  • Optik & Farben: 10
  • Figuren:
  • Bespielbarkeit: 7
  • Preis/Leistung: 8

Von 1 (mau) bis 10 (wow)

Eure Meinung!

Wow! Ein geiles Modell! Wie seht ihr das? Hat jemand das sechste Modell der Reihe schon ergattern können? Und wie soll es weitergehen in zwei Jahren? Ich bin mir zumindest bezüglich der Farbe schon (fast) sicher: jetzt ist Weiß an der Reihe. Aber welches Modell? Teilt eure Meinung und Vorhersage gerne mit mir in den Kommentaren…

André Micko

LEGO Technic und Speed Champions Sammler, MOC-Tüftler – alles ist in Bewegung

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