LEGO Adventurers Retrospektive IX: Die große und erhabene Nekropole der Millionen Jahre des Pharao. Er lebe, sei heil und gesund – im Westen von Theben
Weiter geht es mit unserer LEGO Adventurers Retrospektive. In unseren bisherigen Episoden haben wir einige Fahrzeuge gesehen, von Go-Karts bishin zu majestätischen Doppeldecker-Flugzeugen. Was uns auf unserer Expedition bislang noch fehlt sind richtige Tempel und Grabstätten. Sicherlich hatten wir auch an dieser Front bereits ein paar kleinere sensationelle Entdeckungen gemacht, doch es wird Zeit, dass wir im Tal der Könige auf die Suche nach größeren unentdeckten Grabanlagen gehen. Deshalb schauen wir uns heute ebenjenen Nekropole nahe Theben in Form des Sets 5919 aus dem Jahr 1998 an.
Auch für dieses Set finden wir wieder mehrere Nummern und wer die letzte Episode gelesen hat, der wird ahnen, woran das liegen könnte. In der Tat handelt es sich auch bei diesem Set um einen „limited Release“. Überraschenderweise hat Europa diesmal das lange Streichholz gezogen und der Bausatz kam unter der Nummer 5919 hier heraus und tauchte im britischen Katalog auf. Die zweite zugeordnete Nummer ist 3722 unter der das Set als Toys’R’Us-exklusiver Bausatz vertrieben wurde, auch in den Staaten. Während Set 5919 die tolle Mumien-Aufbewahrungsdose enthielt, welche wir schon in unserer letzten Episode gesehen haben, kam Set 3722 mit einem ebenso nützlichen aber weitaus weniger coolem goldenen Koffer daher. Letzterer ist in Europa leider nicht wirklich zu bekommen aber wir werden uns noch einmal die Mumie ansehen. (ich habe das Ding gekauft und muss es zur Rechtfertigung definitiv verwenden. Da müssen wir jetzt durch.)
Beigaben sind schön und gut, doch die größte Frage ist ja: Taugt das eigentliche Set etwas? Nun genau das wollen Johnny Thunder und auch der Baron von Barron gerade herausfinden. Begleiten wir sie doch einfach dabei und machen uns ein Bild…
Inhaltsverzeichnis
Die Eckdaten
- Name: Treasure Tomb / The Valley of the Kings / Der Fluch des Pharaos
- Teilezahl: 164
- Minifiguren: 2
- Tiere: 7
- Retail-Preis: $20.00 / 35 – 40 DM
- Preis: vollständig gebraucht ab 45 Euro, OVP ab 630 Euro
- Erscheinungsjahr: 1998
- Zur Bauanleitung 🗺
Umfang und Zusammenbau
Eins nach dem anderen bauen wir hier drei kleinere Modelle, welche das Set ausmachen. Der Bau läuft recht klassisch ab und ist an sich typisch für die späten 90er und die Art wie LEGO seine Sets damals strukturiert hat. Durch die verschiedenen Komponenten des Modells ist der Bau sehr kurzweilig und schon bald kann unser Abenteuer beginnen.
Das Boxbild ist hierbei besonders interessant für mich. Wir sehen hier klassisch das Set in einer dynamischen Szene aufgebaut und fotografiert. Soweit wirkt erst einmal alles wie immer und nichts macht einen auffälligen Eindruck. Wundersam wird es erst, wenn wir uns die Bauanleitung des Sets ansehen.
Diese zeigt nämlich ein anderes Bild, welches wie ein übereilter Schnellschuss in Microsoft Paint wirkt. Fast so, als hätte man dieses Set bei der Boxfotografie vergessen und dann in aller Eile den Praktikanten beauftragt schnell ein passendes Bild zu erstellen. Normalerweise würde ich das als Grund nicht einmal für zu abwegig halten, schließlich sehen wir oftmals etwas Fotodoktorei auf den Box- und Anleitungsbildern von Sets dieser Zeit. Hier jedoch muss ich mich fragen: Warum? Schließlich existiert ganz offensichtlich ein aufwendig gemachtes qualitativ hochwertiges Boxbild des Modells. Warum wurde es nicht auch für die Bauanleitung verwendet?!
Zu problematisch ist das Ganze natürlich nicht aber ich finde es lustig zu spekulieren. Am Ende werden wir die Antwort wohl nie erfahren und vielleicht ist das auch interessanter so. Und auch wenn das Bild auf der Frontseite der Anleitung den charmanten Look leider vermissen lässt, bekommen wir als Entschädigung zwei Seiten zusätzliche Fotografie um uns charmant auf das Abenteuer einzustimmen. Wenn man ganz genau hinschaut kann man aber auch hier feststellen, dass einzelne Segmente von der Frontseite per Copy&Paste wiederverwendet worden sind. Sehr merkwürdig das alles. Ob da Hotep seine Finger im Spiel hatte?
Auf der Rückseite der Box haben wir natürlich auch hier wieder alternative Bauideen aufgedruckt, welche uns zeigen, dass das Set mehr ist, als das was wir auf der Frontseite sehen. Und nein, ich habe keine Ahnung, warum Johnny und der Baron sich entschieden haben, ihre Hosen zu tauschen.
Die Minifiguren
Drei Minifiguren sind in diesem Set enthalten und wir haben sie alle bereits in vorangegangenen Episoden gesehen. Neben unseren beiden Gegenspielern, Johnny Thunder und dem Baron von Barron, bekommen wir zusätzlich ein Skelett.
Johnny Thunder haben wir nun schon einige Male gesehen und sein ikonisches Outfit sollte mittlerweile jedem ins Gedächtnis gebrannt sein. Aber ich persönlich kann diese Minifigur gar nicht oft genug fotografieren. Ein wirklich gelungener Held für unsere Geschichte. Eine kleine Anekdote zu seinem Hut mit der hochgeklappten Krempe habe ich noch für euch. Diese einseitig hochgeklappte Krempe war im australischen Militär weit verbreitet, da sie erlaubte das Gewehr anzulegen ohne sich selbst den Hut vom Kopf zu stoßen.
Auch den Baron haben wir des öfteren sehen dürfen. Nach wie vor sitzt sein Outfit und verkauft uns die clever gesetzte Scharade. Die weißen Epauletten waren übrigens lange Zeit lang exklusiv für diese Minifigur bevor sie 15 Jahre später für die Blaurocksoldaten ein letztes Mal wiederverwendet worden sind.
Zu guter Letzt haben wir noch einen knöchernen Kammeraden. Das Skelett haben wir nun bereits ein paar Mal in Sets gesehen. Diese Version stellt offenbar einen Pharao dar mit dem wundervollen Kopfschmuck, welcher hier sogar in der bedruckten Variante daherkommt. In anderen Sets haben wir verschiedenen, teils exklusive, Farben dieses Kopfschmuckes aber ich muss sagen, dass mir diese Variante am besten gefällt.
Das Automobil
Von dieser Art Fahrzeug haben wir nun schon einige gesehen aber natürlich darf es in solch einem Set natürlich nicht fehlen. Was ich generell sehr schön finde ist, dass stets versucht wurde, die Autos einzigartig zu halten.
Im Falle dieses Fahrzeuges ist die wichtigste Auffälligkeit die Abwesenheit des Cockpit-Elementes. Das sorgt natürlich dafür, dass im Auto nicht zwei Minifiguren gleichzeitig Platz finden. Auf der anderen Seite finde ich das, was hier stattdessen gemacht wurde, großartig. Als Cockpit wird hier der Sarkophag verwendet. Das gibt dem Wagen ein schlankeres Erscheinungsbild und mich persönlich erinnert es an ein Grand Prix Auto aus dieser Zeit.
Wenn wir etwas kreativ werden, passen hier aber trotzdem zwei Minifiguren ins Auto. Was mir außerdem besonders gefällt ist der kleine farbliche Finish, den das Grün des Stuhles bringt. Damit fügt sich das Farbschema des Fahrzeuges sehr gut zusammen und sorgt für eine gute Mischung aus „pragmatisch“ und „fancy“, wodurch es sowohl zu Johnny als auch zum Baron passen würde.
Abseits dieser Besonderheiten bekommen wir eine Bandbreite der klassischen Elemente für die Adventurers Oldtimer, in Form des Kühlergrills und der Räder. Links und rechts am Cockpit befinden sich zudem Clips für Ausrüstung.
Als Ausrüstung erhalten wir hier einen Revolver, ein Gewehr, die Spitzhacke, ein Fernglas (egal was das Bild auf der Anleitung uns glauben lassen möchte) und die alte Filmkamera inklusive der Fotografie.
Diese 1×2 Fliese ist eines meiner Lieblingsteile aus der Adventurers-Reihe und hier sehen wir sie nocheinmal zusammen mit den beiden anderen Versionen aus den zukünftigen Adventurers-Wellen von 1999 und 2000.
Das letzte Detail, welches wir am Fahrzeug finden, ist das Ersatzrad, welches an der Rückseite montiert ist. Sollten wir eines unserer Räder verlieren, so wird sich das sicherlich als nützlich erweisen und hier wissen wir ja nie, welcher Skorpion uns in den Reifen sticht.
Der Schrein
Bevor wir zum verschollenen Grab kommen, werfen wir noch einen Blick auf dieses Bauwerk. Ich würde es als „Schrein“ bezeichnen aber ich bin ehrlich mit euch: Eine Ahnung, was genau das sein soll und auf welchen historischen Kontext es sich bezieht, habe ich nicht.
Auch optisch bin ich nur mäßig beeindruckt. Das heißt aber nicht, dass es hier gar nichts gibt, was mir gefällt. Ganz im Gegenteil sogar. Der Einsatz der dunkelgrauen Papageien ist großartig und es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir dieses Motiv in den ägyptischen Tempelanlagen sehen. Auch dass sie auf roten 1×1 Rundplatten sitzen finde ich schön, da es ein wenig farblichen Kontrast in das sonst farblich eher überschaubare Modell bringt.
Das beste an diesem kleinen Bauwerk findet sich aber an der Front. Wie ihr seht, schaut hier ein transparent neongrünes Element aus der Wand. Ich nehme an, dass dieses Teil einen Edelstein darstellen soll. Aber Vorsicht! Wenn ein Grabräuber diesen Stein stehlen möchte, erlebt er eine böse Überraschung.
Zieht man den Edelstein aus dem Schrein, so schnellt eine unheimliche rote Schlange aus diesem heraus! Und ich dachte immer, Schachtelteufel seien schon gruselig!
Ich denke, was mir an diesem Bauwerk nicht gefällt sind die Farben, bzw. deren Verteilung. Vielleicht würde es für mich besser funktionieren, wenn die Platte auf der das Modell steht in beige gehalten und stattdessen die erste Reihe 1×6 Steine hellgrau wäre. So wie es ist, wertschätze ich die Spielfunktion aber komme nicht umhin mich zu wundern ob die Teile die hier verbaut worden sind nicht besser am Hauptmodell aufgehoben gewesen wären.
Die Grabstätte
Hier haben wir das, was man als „Hauptaugenmerk“ des Sets bezeichnen könnte, die Grabstätte. Zunächste einmal muss ich sagen, dass mir das Design sehr gut gefällt. Auch wenn es vielleicht nicht auf den ersten Blick direkt ersichtlich ist, hat das Modell sowohl in Optik, als auch Aufbau, einige Ähnlichkeiten zum Tal der Könige.
Am Eingang können wir bereits einige der fantastischen bedruckten Elemente sehen. Den bedruckten Sarkophag haben wir uns im vorangegangenen Artikel bereits angesehen aber was wir hier zum ersten mal sehen sind die Kartuschen links und rechts vom Eingang, sowie die geflügelte Sonne darüber.
Spannend sind außerdem die Papageien über dem Eingang, welche wir bereits in dunkelgrau am Schrein gesehen haben. In gelb sind sie wahrscheinlich die seltensten Elemente in diesem Set und kamen abseits vom Tal der Könige nur bei der Caribbean Clipper aus der ersten Welle der LEGO Piraten von 1989 vor. Das treibt ihren Preis auf Bricklink nun auf inzwischen oftmals über 10€ pro Stück. Sie eignen sich aber perfekt hier als kleine Wächter über der Grabstätte.
Wollen wir aber ins Innere der Grabstätte gelangen, so erleben wir eine böse Überraschung. Ihr bemerkt es schon: Schlangen sind das Motto dieses Sets, denn vor uns tut sich eine gemeine Schlangengrube auf. Die rote Schlange war im Jahr 1998 ebenfalls neu für Adventurers auch wenn unsere schlängelnden Kameraden bereits im Jahr zuvor die Ureinwohner Amerikas geärgert haben.
Haben wir uns aber vom initialen Schock erholt und die Krabbler verscheucht, so können wir uns das Grab von innen ansehen. Hier sieht man auch, dass die restliche Architektur abseits des schön gestalteten Einganges eher rudimentär ist. Das stört mich persönlich aber ehrlich gesagt gar nicht. Im Inneren finden wir einen Sarkophag und natürlich auch dessen Besitzer.
Aufgebockt im beigen Sarkophag schaut uns die Mumie mit ihren leeren Augen gespenstisch an. Doch sie birgt noch ein Geheimnis, welches wir nicht im Sarg, sondern unter ihm entdecken können.
In einem geheimen Fach finden wir den Re-Gou Rubin. Es ist schön, dass das damals noch seltene neue Element in einigen Adventurers Sets vorkam. Wie ich schon öfter sagte, ein roter LEGO-Edelstein lockt heute niemanden mehr hinterm Ofen hervor. Damals sah das aber noch etwas anders aus und ich erinnere mich, wie ich diese Elemente als Kind gehütet habe, als wären es echte Rubine. Der Re-Gou strahlt einfach Magie aus, wann immer ich ihn fotografiere.
Die Mumien-Statue
Wie eingangs erwähnt erschien eine Variante dieses Sets mit einer Bonus-Beigabe in Form eines goldenen Tragekoffers. Leider konnte ich diesen für das Review nicht besorgen. Was ich aber besorgen konnte, war die alternative Beigabe, die große Mumienstatue.
Diese Statue sieht einfach großartig aus und eignet sich hervorragend als Hintergrundkulisse für dieses Set im Speziellen. Um die Optik zu vervollständigen werden auf dem großen Plastik-Kameraden auch ein paar Aufkleber genutzt. Was aber vielleicht am spannendsten hier sein dürfte, ist die Möglichkeit die Mumie von unten aufzuschrauben. Im Inneren lassen sich Teile lagern und so kann man das gesamte Set in der Mumienstatue verstauen. Damit sollten sogar mir keine Teile mehr abhanden kommen!
Mythen und Hierglyphen
Heute mussten wir ohne eine Karte zu dieser Grabstätte finden. In der Tat ist dieses Set abseits der Mini-Sets eines von nur zwei Modellen der ersten Adventurers Reihe, welches keine der bedruckten Papyri enthält. Die Grabstätte selbst hält aber ein paar interessante Geheimniss für uns bereit.
Links und rechts vom Eingang finden wir Kartuschen. Diese haben wir bereits gesehen, als wir in Episode VII mit Sam Sinister auf Raubzug gegangen sind. Die linke Kartusche kennen wir auch aus genau diesem Set 2996. Darauf steht in Hieroglyphenschrift der Name des Totengottes Anubis. Dieser wird meist mit dem Kopf eines Schakals dargestellt und wachte über die Totenwelt. Er geleitete die Verstorbenen auf die andere Seite und wog ihre Seelen.
Auf der rechten Kartusche finden wir eine neue Hieroglyphenfolge. Hier finden wir den Namen Thoht. Den Gott der Weißheit und der Schrift erkennt man normalerweise an seiner Darstellung mit einem Ibiskopf. Er ist einer der ältesten und am besten belegten Götter der Ägypter. Was uns hier auffallen kann ist, dass wir beide Götter bereits auf den Papyri aus anderen Sets kennen. Was das wohl bedeuten mag?
Eine kleine Anekdote dazu, welche euch vielleicht ebenfalls bereits aufgefallen ist. Im Hintergrund meiner Fotos könnt ihr oftmals ein paar gebaute Kulissen sehen. Die Kartusche, die sich in den Hintergrundkulissen findet, ist eine moderne Neuinterpretation des klassischen Elementes und zeigt vier Hieroglyphen. Diese übersetzen sich einfach zu LEGO von unten nach oben gelesen. Ich habe diese Elemente extra für diese Retrospektive besorgt, da mir die Idee gefiel, dass die Kartuschen mit besonderen Inschriften den Grabstätten selbst vorbehalten seien sollten. Das moderne Element stammte ursprünglich aus dem Geisterhaus auf dem Jahrmarkt.
Den Eingang ziert ein Sarkophagdeckel. Dieses wundervolle bedruckte Element zeigt die Totenmaske des Pharaos, besonders bekannt ist hier die Totenmaske des Tutanchamun, welche die meisten sicherlich schoneinmal gesehen haben. Auf dem Bauch der Figur sehen wir zudem den geflügelten Skarabäuskäfer. Dieser hat die symbolische Bedeutung der Wiedergeburt und des ewigen Lebens. Er wird oftmals mit dem Sonnengott Re in Verbindung gebracht. Die Flügel verstärken die Bedeutung der Himmelfahrt und göttlichen Reise, symbolisieren Schutz und Auferstehung und wurden als Amulette sowohl für die Lebenden als auch für die Toten verwendet, um Schutz vor dem Bösen und die Erneuerung des Lebens im Jenseits zu gewährleisten.
Zu den Füßen der Figur finden wir erneut Hieroglyphen und wer vorhin aufgepasst hat, der erkennt die vier Symbole vielleicht schon. Hier steht wieder LEGO in Hieroglyphenschrift. Ein sympathisches Detail, welches dem Element einen unverkennbaren Charakter gibt.
Über dem Eingang haben wir ein weiteres bedeutendes Symbol der alten Ägypter und zwar die geflügelte Sonne. Es handelt sich dabei um ein uraltes Symbol aus dem Alten Ägypten, das Schutz, göttliche oder gottgegebene Macht, Herrschaftsanspruch und den Himmel repräsentiert. Es ist eng mit dem Himmelsgott Horus verbunden und durch Uräusschlangen, also Kobras flankiert. Die Symbolik verbreitete sich damals auch in andere Kulturen in Teilen Persiens und Mesopotamiens.
Passenderweise haben wir dann noch die beiden Vogelstatuen. Dieses Element wurde oftmals in verschiedenen Farben verwendet, unter anderem als Papagei oder auch als Rabe. Ich denke es ist schlüssig anzunehmen, dass diese Vögel hier als Falken zu interpretieren sind. Symbolisch gesprochen würden sie damit als Schutztiere über die Grabstätte wachen und ebenfalls auf einen mächtigen Herrscher im Grabe selbst hindeuten.
Ich bin immer wieder begeistert davon, wie viel Gedanken sich mit der Inszenierung bei diesen Sets gemacht wurden. Natürlich kann man kleine historische „Fehlerchen“ sicher benennen, wie beispielsweise die generell sehr luftige Aufmachung der Garbkammer. Persönlich finde ich aber der spaßigste Teil ist nicht die Sets für inakkurate Darstellungen auseinanderzunehmen. Ich freue mich vielmehr über jedes Detail, was richtig und treffend genutzt wurde, denn es zeigt, wie sorgsam und mit wie viel Liebe zum Thema die Designer der Sets hier unterwegs waren. Es beeindruckt mich jedes Mal und mit jedem Set ein wenig mehr!
Unser Abenteuer
Johnny und Dr. Lightning landen mit ihrem Heißluftballon, genau dort, wo das Papyrus sie hingeführt hat. Der Doktor macht sich sofort in Richtung der Felsen auf, welche sie bereits aus der Luft gesehen haben. Johnny bleibt noch kurz zurück, um die Säcke an den Seiten des Ballons zu füllen und ihn am Boden zu halten. Den Sand dafür findet er hier in Hülle und Fülle.
„Haben Sie schon etwas gefunden?“ ruft Johnny seinem Freund herüber.
„Nein, noch nicht. Sehen wir mal zusammen dort hinten nach.“
Einige Zeit suchen die beiden aber der Blick des Professors wird immer enttäuschter.
„Ich weiß nicht. Aus der Nähe betrachtet, entpuppen sich alle diese Steine als ganz normale Felsen…“
„Ja leider, vielleicht haben wir von oben nur eine Fata Morgana gesehen?“
„Kann sein, diese Art von Luftspiegelungen kommen hier sehr häufig vor…“
Johnny und der Doktor wollen gerade zum Ballon zurückkehren, als sie den offenen Rucksack bemerken. Fast erschrocken schaut Dr. Lightning hinein und tatsächlich. Seine zahme Kobra Kleopatra ist weg. Johnny ist das zwar herzlich egal, da er das zischende Biest ohnehin nie mochte aber schnell merkt er, dass es zwecklos ist. Ohne die Schlange verlässt der Doktor diesen Ort nicht und so wird Johnny ihm wohl suchen helfen müssen.
Als sie bereits aufgeben wollen, entdecken sie plötzlich einige Hierglyphen an den alten Sandsteinwänden, welche sie zwar nicht auf die Spuren von Kleopatra führen aber zum Eingang einer Grabstätte.
„Johnny! Unter dem Sand hier, das sind Steinplatten!“ ruft der Doktor begeistert.
Doch noch bevor er seinen Satz zu Ende bringen kann, hört er ein knarzendes Geräusch und beginnt zu taumeln.
„Vorsicht, Professor!“ ruft Johnny und zieht den Mann am Rucksack zurück.
Gerade noch rechtzeitig, als sich eine große Schlangengrube öffnet.
„Danke Johnny“ sagt der Doktor und rückt sich seine Brille zurecht.
„Sehen Sie sich das an, da unten wimmelt es ja nur so von Schlangen und Skorpionen… Aber wo kommt diese Grube so plötzlich her?“
„Ein geheimer Mechanismus! Absolut faszinierend! Die Steinplatte am Boden hat sich zur Seite bewegt. Die alten Ägypter haben sich eine Menge tödlicher Fallen für Grabräuber ausgedacht.“
„Für Grabräuber?“ fragt Johnny nach.
„Joa, es heißt, der Tod kommt auf schnellen Schwingen zu denjenigen, die es wagen, die Ruhe des Pharaos zu stören.“ antwortet ihm der Doktor erklärend.
„Aber das bedeutet ja…“ murmelt Johnny.
„… genau, wir haben etwas gefunden, Johnny!“ antwortet ihm Doktor Lightning.
Doch plötzlich erhellt sich der Blick des Doktors noch weiter und das mag etwas heißen, in Anbetracht der sensationellen Entdeckung welche sie gerade gemacht haben.
„Und hier ist ja auch Kleopatra!“
Tatsächlich, die Schlange sitzt vor dem Eingang der Grabkammer, beinahe so, als würde sie auf etwas warten. Schnell packt der Doktor sie zurück in seinen Rucksack.
„Bestimmt wollte sie uns den Weg zeigen.“
Langsam betreten die beiden Abenteurer die Grabstätte. Der Doktor warnt, dass sich die beiden genau merken sollten, welchen Weg sie gehen und beginnt auf einem Notizzettel mitzuzeichnen.
„Manche Gräber waren schließlich als Labyrinth konstruiert, aus dem man nie wieder herausfinden würde.“
Immer tiefer wandern die beiden die dünnen Tunnel entlang, bis sie in einer Grabkammer ankommen, in welcher ein Sarkophag liegt.
Johnny wirft einen Blick in den Sarkophag und leuchtet mit der Fackel hinein.
„Eine Mumie!“ sagt er.
„mhh, leider nicht sehr gut erhalten“ murmelt der Doktor.
„Und keine Spur vom Papyrus.“
„Vielleicht ja unter der Mumie“ sagt Johnny und ist dabei in den Sarkophag zu greifen.
„Nein, wir rühren sie besser nicht an. Sie könnte sonst zu Staub zerfallen.“
Aber irgendwie wird Johnny das Gefühl nicht los, dass sie an der richtigen Stelle suchen. Auf der Rückseite des Sarkophages entdeckt er weitere Inschriften und eine kleine Öffnung in einem eingemeiselten Auge. Plötzlich stockt er. War da draußen ein Geräusch? Er hatte es sich wohl nur eingebildet.
„Die Inschrift übersetzt sich zu Chnum. Und das hier, ist das sehende Auge des Horus, Gott des Himmels.“ sagt der Doktor. Dann stockt auch er.
„Aber natürlich, das ist es! Chnum ist doch der Gott mit dem Widderkopf der auch auf unserem Papyrus abgebildet ist?“ antwortet ihm Johnny begeistert.
Als er in die Öffnung fasst, öffnet sich plötzlich ein geheimes Fach unter dem Sarg. Und tatsächlich. Hier finden sie das Papyrus.
Doch ihre Freude ist nur von kurzer Dauer, denn plötzlich tritt ein Mann in die Grabkammer hinein. Gerade rechtzeitig hat der Doktor das Papyrus abgezeichnet und die Kopie im Rucksack versteckt.
„Da kommt jemand!“
„Ganz recht. Guten Tag die Herren“
„Sie sind doch der andere von unserer Überfahrt nach Ägypten. Und ihr Freund ist nicht dabei?“
„Oh, er ist nicht mein Freund, eher mein… mein Assistent.“ antwortet der Mann.
„Haben Sie hier eigentlich etwas interessantes gefunden?“
Johnny schaut den Mann grimmig an. „Ja, eine Schlangegrube.“ zischt er.
„Aber den bemerkenswertesten Fund haben wir hier gemacht.“ sagt der Doktor.
„Ich wusste es, zeigen Sie ihn mir!“ bebt die Stimme des Mannes durch die Grabkammer.
Während Johnny den Professor versucht abzuhalten, dem Fremden alles zu zeigen, führt dieser ihn zum Sarkophag und lässt ihn einen Blick hinein werfen. Schnell macht der Fremde einen Satz zurück, als er die Mumie erblickt und dabei rutscht ihm vor Schreck die Hand aus der Tasche. Aber es ist keine Hand, es ist ein metallener Haken.
„Oh, jetzt weiß ich auch, wer das ist…“ murmelt der Doktor zu Johnny, bevor er sich dem Fremden zuwendet und ihn lautstark angeht.
„Geben Sie es zu, Sie sind der Baron von Barron! Dieser verbrecherische Sammler! Ich weiß sogar, wo Sie ihre Hand verloren haben, nämlich in Indien, wo sie dem Maharadscha seinen größten Edelstein stehlen wollten.“
„Treffer. Wie schön, dass man mich kennt. Und jetzt keine Bewegung!“ Der Baron zieht einen Revolver. Johnny greift Instinktiv nach seinem, doch der Schurke ist zu schnell und schießt ihm die Waffe direkt aus der Hand.
„Nun geben Sie mir endlich das Papyrus Professor. Es steckt oben in ihrer Jackentasche.“ lacht von Barron. Es ist zwecklos. Ohne Waffen müssen die beiden Abenteurer dem finsteren Banditen wohl oder übel das Papyrus überlassen.
„So, das Papyrus habe ich.“ knurrt der Baron, während es zusammenrollt und in die Tasche steckt. „Aber Sie haben doch sicher eine Kopie angefertigt, richtig?“
„Nein, ich… wieso sollte ich denn eine…“
„Geben Sie mir ihren Rucksack Doktor“
Der Doktor reicht dem Baron seinen Rucksack. Mit dem Revolver immer noch auf die beiden gerichtet öffnet dieser den Verschluss und möchte in den Rucksack greifen. Da schnellt er zurück, als sich die Kobra des Professor zischend und drohend aus dem Rucksack erhebt.
„Eine Schlange! Das Biest muss aus der Schlangengrube entkommen sein. Naja zum Glück habe ich ihn gleich fallen gelassen.“ stößt der Baron erschrocken aus. „Immerhin kann ich mir jetzt sicher sein, dass Sie keine Kopie in ihrem Rucksack haben können… und nun werde ich Sie verlassen.“
„Wir werden Ihnen gewiss nicht nachtrauern“ sagt Johnny.
„Ach nein? Aber vielleicht meinem Wagen? Mit dem ich jetzt davonfahren werde, denn Sie beiden kommen hier nicht mehr weg. Ich habe mir nämlich erlaubt, ihren Ballon zu zerstechen. Hoffentlich haben Sie noch genügend Wasser, damit Sie nicht verdursten. Sie können ja auch zu Fuß gehen.“ ruft der Baron hämisch und verschwindet lachend im Tunnel.
Nur kurze Zeit später hören die beiden ein Auto heranfahren. Eine Person kommt durch die Tunnel näher. Diesmal will Johnny vorbereitet sein und versteckt sich hinter der Mumie.
Als die Person die Grabkammer betritt springt er mit dem Skelett hervor und ruft „Hier ist nur der Geist einer Mumie und er weissagt dir, ihr Menschen sucht nach Schätzen, aber ihr werdet den TOD finden!“
Zu spät bemerkt er, dass es Gail war, welche sich panisch umdreht und unkontrolliert losrennt.
Sie kommt nicht weit, denn sie rennt direkt gegen eine Säule und fällt zu Boden.
„Johnny, das ging entschieden zu weit.“ sagt der Doktor.
„Och, ich denke, dass ihr Dickschädel das schon ausgehalten hat“ antwortet Johnny und hilft Gail hoch.
Gail kommt langsam zu sich.
„Sowas dummes… Dabei glaube ich gar nicht an Gespenster… das war aber kein guter Scherz Johnny…“
Als Gail ihren Tee getrunken hat, springen alle in ihren Wagen und düsen in Richtung Luxor, um sich mit Harry Cane zu treffen und weitere Vorbereitungen zu treffen. Gail tritt das Gaspedal durch und fährt mit allem, was das Automobil hergibt. Erst als ihr die Augen beinahe zufallen, lässt sie Johnny ans Steuer…
Fazit: 5919 The Valley of the Kings
Was ich immer wieder bei den Sets der 80er, 90er und frühen 2000er feststelle ist, wie viel LEGO mit wenigen Teilen machen konnte. 164 Teile reichen heutzutage oftmals nicht einmal mehr für ein Auto und hier haben wir ein komplettes Spielset mit dieser Teilzahl. Meiner Ansicht nach ist das etwas sehr Positives. Mit den vielen bedruckten oder besonderen Elementen, dem Schatz, einem Helden und einem Schurken, sowie sieben Tieren, bietet dieses Set ein vollständiges Spielerlebnis an. Die bedruckten Elemente sind hier besonders hervorzuheben. Wir bekommen zudem ein paar nette Spielfunktionen, welche alle gut funktionieren und thematisch passend sind. Die Schlangengrube ist hier mein Favorit.
Als einzige Schwäche des Sets würde ich nennen wollen, dass ich den kleinen Schrein lieber in das Hauptmodell integriert gesehen hätte. Ich mag seine Funktion aber von einem Design-Standpunkt aus bin ich nicht zu angetan von der Schlangenbox. Insgesamt denke ich, dass die Funktion und die Teile besser an der Grabstätte hätten verwendet werden können. Die Grabstätte selbst gefällt mir aber so wie sie ist eigentlich auch sehr gut und gerade ihre Funktionalität ist sehr schön.
Alles in allem haben wir es wieder einmal mit einem schönen Set zu tun, welches uns alles bietet, was wir für unser Abenteuer brauchen und das für eine relativ schmale Mark, zumindest damals. Heute mag das etwas anders aussehen und ich würde sagen, dass das auch der größte Nachteil an diesem Set aus Sammler-Perspektive ist. Für den Preis dieses Sets auf eBay und Co. könnte man meist auch eines der größeren Adventurers-Sets bekommen. Und während ich alles an diesem Set zumindest kompetent bishin zu sehr gut finde, denke ich, dass diese Reihe insgesamt bessere Sets zu bieten hat, speziell, wenn man heute nach ihnen sucht.
Damit ist das Tal der Könige ein Set, welches ich nur waschechten Adventurers-Fans empfehlen würde, die wirklich alle Sets der Reihe haben wollen. Keine Sorge, ich verstehe euch, wir sind nicht so verschieden. In diesem Sinne: Alte Technik läuft auch mit Sand im Getriebe. Brick On!
Eure Meinung
Was haltet ihr von diesem Set? Steht es in eurer Sammlung oder auf eurer Wunschliste? Nennt ihr vielleicht sogar den Mumien-Container euer Eigen? Sagt es mir in den Kommentaren!


















































