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LEGO Schiffssegel von Piratenschiffen ersetzen

Projekt abgeschlossen! | © Gerhard Eder

Habt ihr ein schönes altes LEGO Schiff, nur leider ohne die passenden Schiffssegel? Wie ihr eigene Segel anfertigen könnt: Tutorial.

Wie ihr ja sicher schon wisst, beschäftige ich mich öfters auch mit älteren LEGO Sets. In den letzten Wochen habe ich aus einem großen LEGO Konvolut die Teile eines Schiffs aus der Piratenserie aus 1992 ausgegraben – es handelt sich um das LEGO 6271 Imperial Flagship. Wie das ab und zu halt so ist, waren nicht alle Teile im Konvolut zu finden.

Den einen oder anderen LEGO Teil kann man schon mal durch ein paar alternative Teile ersetzen. Bei den Segeln gestaltet sich das aber schon etwas schwieriger. Original-Segel, die man z.B. über Bricklink kaufen kann sind relativ teuer, selbst „Nachbau“ ist nicht gerade günstig. Nachdem ich eine Zeit lang recherchiert habe entschied ich mich dazu ein Eigenbau-Projekt zu starten. Wichtig für so ein Projekt – man muss Freude am Basteln und ein wenig Freizeit dafür übrig haben.

Vorbereitungen

Material:

  • Stoffreste für die Segel
  • Bügelvlies zur Versteifung des Stoffes
  • Transferpapier für den Aufdruck auf die Segel
  • Druckerpapier

Werkzeug:

  • Bügeleisen (für das Vlies und den Aufdruck)
  • Geodreieck, beziehungsweise Lineal
  • Bleistift
  • Schere (idealerweise zusätzlich eine kleine spitze Schere oder Stanze für die Löcher)
  • PC/Notebook mit Bildbearbeitungssoftware und Drucker

Material und Werkzeug für das Projekt

In meinem Fall hatte ich keinerlei Segel in der passenden Größe. Somit war der erste Schritt der Aufbau des LEGO Schiffs, um die Maße für die Segel direkt am Modell abzunehmen. Danach habe ich mich im Internet auf die Suche nach Scans von den Segeln gemacht. Mit der LEGO Setnummer wird man relativ schnell fündig. Nun benötigt man ein Programm um die Bilddateien auf die richtige Größe für einen Druck zu skalieren. In meinem Fall habe ich Adobe Indesign verwendet (es gibt natürlich viele Alternativen). Für die Skalierung habe ich den Lochabstand für die Montage der Segel am Modell abgemessen. Es gibt hier verschiedene Methoden das Maß auf die Grafik zu übertragen, ein einfacher Weg ist beispielsweise eine Linie in der gemessenen Länge im Programm zu zeichnen und dann die Grafik so zu skalieren, dass die beiden Löcher der importierten Grafik genau diesen Abstand haben.


Der nächste Schritt ist der einfache Ausdruck dieser Segel auf Papier. Die gedruckten Segel werden ausgeschnitten und am Schiffsmodell getestet. Passt die Größe folgt die Suche nach dem passenden Material für die Segel – wir wollen schließlich Segel aus Stoff.

Papiersegel im korrekten Maßstab

Die Auswahl des Stoffes ist eine der größten Herausforderungen. Zum Glück hatte ich eine große Stoffkiste zuhause, in der ich fündig wurde. Für dieses Schiff habe ich nach einem Stoff mit einer möglichst feinen Struktur und einer gewissen Festigkeit gesucht. Da der gefundene Stoff nicht steif genug ist, wird er mit einem Bügelvlies auf der „Rückseite“ verstärkt. Das auf der Rückseite aufgebügelte, weiße Vlies ist fast nicht sichtbar, macht die Segel aber deutlich steifer.

Übertragen der Segelumrisse auf den Stoff

Nachdem das Material bereitsteht werden die Umrisse der Segelteile auf den Stoff übertragen. Bevor diese ausgeschnitten werden, wird jeder Teil auf der Rückseite mit dem Bügelvlies verstärkt (das Vlies wird also aufgebügelt).

Aufbügeln des Bügelvlies zur Stabilisierung

Nun werden die Teile ausgeschnitten. Die Löcher habe ich mit einer sehr kleinen, spitzen Schere in den Stoff geschnitten. Fertig sind die weißen Stoffsegel.

Das Schiff mit weißen Stoffsegeln

Natürlich wollen wir auch das original Motiv auf den Segeln haben. Das geht am einfachsten mit „Transferpapier“. Dieses „Papier“ lässt sich mit jedem Tintenstrahldrucker bedrucken und das Motiv dann auf den Stoff aufbügeln. Transferpapier bekommt man günstig im Onlinehandel oder natürlich auch im lokalen Bastelgeschäft. Für die beiden Segel in meinem Fall reicht eine A4 Seite (gibt es normalerweise für weniger als einen Euro).

Die Grafiken haben wir ja bereits zuvor auf die richtige Größe skaliert. Man kann diese jetzt grafisch noch optimieren (die weißen Stellen komplett weiß machen, damit diese Stellen nicht bedruckt werden und am Ende die Stofffarbe bleibt). Die Grafik wird vor dem Druck noch gespiegelt, damit sie nach dem Aufbügeln korrekt am Segel abgebildet ist.


Die Grafik auf Transferpapier gedruckt

Nach dem Druck werden die Grafiken ausgeschnitten. Vor dem Aufbügeln wird das Segel mit dem Bügeleisen kurz vorgewärmt. Nun gilt es die Grafik genau zu platzieren und dann vorsichtig aufzubügeln.

Das Ergebnis und mein Fazit

Die Weltmeere rufen!

Ich finde das Ergebnis kann sich sehen lassen. In meinem Fall habe ich leider kein Original, das ich gegenüberstellen könnte. Bei so einem Projekt sollte man auf jeden Fall Freude am Basteln haben. Die Qualität der finalen Segel wird bestimmt von vielen Faktoren, beispielsweise dadurch einen passenden Stoff auszuwählen und Scans der Segel in guter Qualität zu finden. Man sollte sich auch mit dem einen oder anderen Bildbearbeitungsprogramm vertraut machen.

Ich hatte jedenfalls viel Freude dabei dieses schöne Schiff wieder zu vervollständigen. Wenn man die, mit so viel Liebe gebastelten, Segel dann schlussendlich anbringt und das fertige Modell dasteht, ist das einfach ein schönes Erfolgserlebnis. Ich denke, damit hat mir dieses heute ca. 28 Jahre alte Modell genauso viel Freude gemacht wie so manches neue 18+ Modell. 😉

Eure Meinung!

Haltet ihr die LEGO Piratenschiffe ebenfalls in Ehren und habt schon mal versucht, womöglich beschädigte oder schlichtweg in die Jahre gekommene Segel zu ersetzen? Äußert euch gerne in den Kommentaren!

Gerhard Eder

Begeisterter LEGO Fan aus Oberösterreich, nebenbei interessiert an allem, was mit Technik und Informatik zu tun hat. Besondere Leidenschaft für sehr detailverliebte Sets mit und auch ohne Lizenz, sowohl Klassiker aus den 90er Jahren bis hin zu aktuellen Creator Expert, Ideas und 18+ Modellen.

15 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Der andere (Piraten-)Patrick

    10. Januar 2021 um 8:56

    Wow! Das klingt nach viel, aber auch lohnender Arbeit! Danke für die ausführliche Beschreibung! Man sieht immer mal wieder ganz gute Angebote für Schiffe, bei denen ein oder mehrere Segel fehlen. Bisher hat mich das immer abgeschreckt, aber so… Coole Sache!

  2. Das ist wirklich super gemacht. Spätestens als ich „Bügelvlies“ (ich bin eine Hobby Schneiderin) las, dachte ich mir: Hut ab! Das ist wirklich eine tolle Möglichkeit, alte Sets zu neuem Leben zu erwecken.

  3. Sehr ausführliche Erklärung. Bisher brauchte ich sowas nicht, aber es ist gut zu wissen, dass es eine „recht einfache“ Möglichkeit gibt, auch solche Teile zu ersetzen. Danke!

  4. Großartige Aktion! Das Resultat sieht wirklich sehr gut aus! Vielen Dank für diese detaillierte Anleitung, Gerhard! „Bügelvlies“ – was es alles gibt (meine Fähigkeiten im Bereich Nähen beschränken sich darauf, abgefallene Knöpfe wieder anzubringen oder mal einen Flicken auf eine Hose oder ein Oberteil zu applizieren, die/das bereits die Kategorie „bürotauglich“ verlassen hat und nun von „daheim tragbar“ in die Kategorie „für Gartenarbeit, Renovierung oder Fahrradreparatur anziehen“ umgruppiert wird). Mal sehen, eventuell erprobe ich mich an Stoffsegeln für mein Creator 3 in 1-Piratenschiff …

  5. Wow, das nenne ich Liebe zum Detail!
    Ok, jetzt versteh ich aber auch warum neue Segel aus Lego Steinen bestehen.

    • Stimmt doch gar nicht 😉 Das von der Pirate Bay ist ja aus Stoff und dann auch noch sehr groß. Das Creator Schiff ist klar ohne richtige Segel, liegt aber an der Creator Serie, die bewusst auf Form- und Fertigteile verzichtet. Deswegen wird es da gebaut 🙂

  6. Tolles Tutorial Gerhard, werde ich definitiv in (hoffentlich naher) Zukunft mal ausprobieren. 🙂

    Vielen Dank!

  7. Wirklich toller Artikel. Ich habe das Modell auch. Glücklicherweise moch mit intakten Segeln. Aber das ergibt natürlich Optionen für weitere Schiffe. Gleich mal die Kleinanzeigen durchstöbern.

  8. Echt super Beschreibung – ich hab schon länger so etwas in der Art vor… vielleicht ist das der richtige Anstoß – mal schauen, ob es auch so toll wird ^^
    Ich hab dafür ein Dreieckstuch (Erste Hilfe) auf die Seite gelegt – mit dem Druckerpapier zum Aufbügeln wirds hoffentlich was 😉

    • Das mit dem Transferpapier funktioniert normalerweise echt gut. Ich kannte das von T-Shirts. Einzig wenn man das zu oft wäscht verblasst es doch recht schnell. Das ist bei LEGO Segeln aber zum Glück eher nicht so häufig notwendig 😉

  9. So machen wir das auch meist. Neben der originalgetreuen „Restaurierung“ kann man so auch noch zusätzlich kreativ werde. Die zusammengestückelte 89er Baracuda, die wir vorletztes Jahr einer jungen Piratin geschenkt haben, war auch mit personalisierten Segeln ausgestattet.
    Und wer selber ein Segelschiff oder -boot entwirft, wird eh nicht nicht ohne diese oder ähnliche Techniken herumkommen.

    Für etwas weniger Bastelaufwand:
    Es gibt bedruckbare Folien. Wenn man da nach ein paar Versuchen die Stofftextur raus hat, geht das auch. Vielleicht nicht ganz so wertig wie echter Stoff, aber ansehnlich werden kann es auch.

    • Es gibt hier viele Möglichkeiten. Zum Überprüfen der Maße habe ich das Schiff zunächst mit den Papiersegeln ausgestattet – das sah eigentlich auch schon sehr gut aus. Mein Ziel war es, Segel zu basteln die dem Original möglichst nahe kommen. Deshalb habe ich dann nochmal etwas mehr Aufwand in Kauf genommen (und es hat mir einfach Spaß gemacht 😉 )

  10. Das ist auf jeden Fall eine tolle Inspiration zum selber machen. Mir persönlich ist das ein bisschen zu viel Aufwand. Hat schon jemand Erfahrung mit Segeln von OKBrick Works?

    https://www.okbrickworks.com/product-category/printed-cloth/lego-boat-sails/

    Ich hoffe ich darf den Link hier überhaupt teilen.

    • Es gibt sicher auch Nachbau-Segel bei diversen Online-Handelsplattformen. Preislich bist du für das oben genannte Schiff wohl bei ca. 30 Euro dabei. Ich habe sowas jetzt noch nicht gekauft, bei den Bewertungen die ich zum Teil gesehen habe, wird es aber sicher welche in guter Qualität geben.
      Ich wollte hier ganz bewusst selber mit vorhandenen Sachen etwas basteln und nicht einfach online bestellen. Rein wirtschaftlich betrachtet gewinnt man dabei natürlich eher nicht, aber man hat dafür ein schönes Erfolgserlebnis 🙂

  11. Genauso habe ich das bei meinen Schiffen auch gemacht. Wollte meine gut erhaltenen Segel durch etwas ersetzen was zeitloser ist und die Originale ersetzen. Habe die selbe Methode angewandt und bin sehr zufrieden.

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