Mit der LEGO Creator 40954 Postkarte aus Deutschland erschien im April der achte Vertreter der Postkarten-Sammlung: Eine gelungene Hommage?
Seit der Einführung der Reihe 2022 hat LEGO mittlerweile acht gebaute Postkarten herausgebracht. Widmeten sich die Sets 2022 zunächst einzelnen Städten (New York, Peking, Paris und London), ging LEGO 2023 zum jährlichen Release einzelner Sets zu bestimmten Ländern über, beginnend mit Australien. 2024 folgte Japan, 2025 Italien. Nun, als viertes Land, ist 2026 Deutschland an der Reihe, mit der LEGO Creator 40954 Postkarte aus Deutschland.
Das 240-teilige Set erschien am 1. April 2026 für 14,99 Euro UVP. Anders als bei den Vorgängersets ist es hier aber nicht ganz klar, welche Sehenswürdigkeiten Deutschlands im Set umgesetzt sein sollen – die Setbeschreibung nennt nur zwei, das Brandenburger Tor und das Neue Rathaus München.
Ich selbst habe bei den früheren Postkarten lange mit mir gerungen, ob ich sie mir zulege. Einerseits gefielen sie mir zwar sehr, andererseits wollte ich nicht mit noch einem Sammelthema beginnen. Ob sich das mit dem Erscheinen der Postkarte Deutschlands ändern mag?
Inhaltsverzeichnis
Eckdaten
- Thema: LEGO Creator
- 240 Teile
- 14,99 Euro UVP
- Keine Minifiguren
- Release am 1. April 2026
- Zur Bauanleitung 🗺
- Im LEGO Online Shop 🛒
Setumfang


Aus mir nicht weiter ersichtlichen Gründen firmieren die Postkarten unter „LEGO Creator“, statt unter dem generischen No-Name-Thema „Sonstiges“ zu laufen (obwohl der LEGO Online Shop sie genau dem zuordnet!). Dadurch sind die Kartons im Creator-typischen Low-Poly-Design gehalten, und im Hintergrund der Postkarte thront die 31168 Ritterburg im Mittelalter. Dies kann durchaus als Anspielung auf die vielen Burgen in Deutschland verstanden werden, ist aber vermutlich primär als Hinweis auf das Set gedacht.
Die Rückseite des Kartons klärt den unbedarften Käufer über die geographische Lage des Landes auf – irgendwo in Europa – und zeigt einige Details der Modelle.
Die Postkarte ist in vier Bauabschnitte unterteilt, die in papierbasierten Tüten verpackt sind. Die großen Platten für den Hintergrund liegen lose bei. Außerdem enthält das Set einen kleinen Stickerbogen mit dem Namen des Landes in Deutsch und Englisch sowie der Fassade eines Fachwerkhauses.
Aufbau
Zunächst wird die kleine Basis der Postkarte gebaut, die auf 4 x 18 Noppen dem Diorama Platz bietet. Komplett in Schwarz gehalten, wirkt sie sehr hochwertig. Vier SNOT-Steine (22885) bilden die Halterungen für die Segmente mit den Modellen.
Jedes Segment steht auf einer 4 x 6-Platte (3032). Den Anfang macht ein kleiner Eisenbahntunnel, in dem ein ICE in Falschfarben fährt. Ich weiß nicht, ob LEGO Problemen mit dem Corporate Design der Deutschen Bahn vorbeugen wollte und daher die Farben abgeändert hat, es wirkt aber wie schlecht recherchiert, das Flaggschiff der deutschen Zugflotte in Blau zu sehen.
Auf dem durchtunnelten Berg wurde einst ein Schloss errichtet, das ganz nett gebaut wurde. Insbesondere die mit Fenstern bedruckten 1 x 1-Platten (3024pb010) wirken gut, jedoch sind die Türme in meinen Augen zu hoch. Ich dachte bei der Vorstellung, LEGO habe hier das Schloss Neuschwanstein umsetzen wollen, das aber über ein blaugraues Dach und eine andere Anordnung der Türme verfügt. Der offiziellen Produktbeschreibung nach ist es eine generische Burg – also nicht einmal ein Schloss. (Oder es handelt sich um eine schlechte Übersetzung des englischen castle.)
Das einzige wirklich gut erkennbare Baudenkmal des ganzen Dioramas ist das Brandenburger Tor. Sehr kleinteilig gebaut, entfaltet es mit dem Anbau der Quadriga (hier platzbedingt mit nur drei Figuren) seine volle Pracht.
Als zweites Gebäude, bei dem LEGO offengelegt hat, was es darstellen soll, bauen wir das Neue Rathaus München, das direkt mit dem Hintergrund verbunden ist. Mit viel Fantasie erkennt man auch den Turm links und den sandgrünen Erker vom Original wieder, insgesamt ist die Umsetzung aber suboptimal. Am ehesten gefällt mir noch die Dachfläche, die dunkelbraune 1 x 2-Käseecken (5404) nutzt. Erfreulich nur aufgrund der Neuheit des Elementes ist der dreiseitige SNOT-Stein (7729) im Turm, der hier nun erstmals in Schwarz enthalten ist, aber in der Farbe primär für ein Speed-Champions-Set eingeführt wurde.
Abgeschlossen wird der Hintergrund durch eine Wolkenplatte (35470), die als kennzeichnendes Charakteristikum in jeder Postkarte enthalten ist.
Ein generisches Auto, das entweder zu breit oder zu kurz ist, bildet das nächste Modell. Die Idee von Untertassen (38799) als Räder empfinde ich als sehr gelungen – die eigentliche Form des Fahrzeugs aber überhaupt nicht. Deutschland ist bekannt für seine Automobilindustrie, und ich verstehe, dass LEGO keine spezielle Marke nachbilden wollte, diese Mischung aus Porsche 911 und VW Käfer wirkt aber eben doch zu beliebig.
Am schwächsten umgesetzt ist dann das kleine Schwarzwaldhaus, das leider nur durch einen Sticker erkennbar ist, und neben dem Auto viel zu klein wirkt. Auch der dicke, orangefarbene Streifen zwischen dem gebauten und dem aufgeklebten Dach gefällt mir überhaupt nicht. Ebenso bin ich nicht ganz davon überzeugt, Haus und Auto so schief auf die Basis zu setzen, dass sie stark überstehen. Zwar gab es auch in der Vergangenheit schon Postkarten mit gedrehten und leicht überstehenden Elementen, da sah es aber nie so primitiv aus wie hier, wo man versucht ist, anzunehmen, dass dem Designer der Platz ausging. Dazu kommt, dass das Auto auf einer grünen Platte steht, statt auf einer grauen Straße.
Den Abschluss des Modells bilden zwei 2 x 6-Kacheln (69729), die mit Aufklebern des Landenamens dekoriert werden. Sicher, bedruckte Teile wären schöner gewesen, aber hier stört es mich (anders als beim Schwarzwaldhaus) nicht wirklich, war es doch bei bisher jeder Postkarte so. Ebenfalls lobend erwähnen möchte ich, dass tatsächlich zwei Kacheln beiliegen, statt dass man sich entscheiden muss, ob man den englischen oder lokalen Namen nutzen möchte. Auch dies war allerdings bei bisher jeder Postkarte der Fall, bei der die Bezeichnungen voneinander abwichen.
Weniger überzeugt bin ich aber vom Hintergrund des Schriftzuges: Frühere Postkarten stellten charakteristische künstlerische Elemente dar, oft ornamentaler Natur, während es hier geometrische Formen sind. Vermutlich sollen die auf den Erfindungsreichtum des alten Deutschlands anspielen, wirken auf mich aber wie LEGO-Steine – die nun definitiv nicht deutsch sind…
Ersatzteile
Angesichts der Vielzahl kleiner Elemente im Set nicht weiter verwunderlich, bleibt eine hübsche Menge Ersatzteile übrig. Darunter sind für mich die bedruckten Teile, gerade die Uhr (98138pb259), und die Minifiguren- und Pflanzenteile sehr gern gesehen.
Finales Modell


Zuletzt haben wir eine Postkarte mit sechs Elementen Deutschlands – vier Gebäuden und zwei Fahrzeugen – in unterschiedlicher Erkennbarkeit. Links sind ein Fachwerkhaus und ein Auto platziert, mittig das Brandenburger Tor, dahinter das Neue Rathaus München, rechts dann ein Zug im Tunnel und darüber ein Schloss.
Besonders erfreulich ist, dass die Rückseite der Postkarte komplett schwarz ist, und Farbe tatsächlich auf das Diorama beschränkt ist. Dadurch poppt die Szenerie schön hervor, während das „Beiwerk“ optisch unauffällig bleibt.
Vielen Dank an die LEGO Group, die uns dieses Set für unser Review zur Verfügung gestellt hat. Der Artikel gibt jedoch ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.
Fazit: 40954 Postkarte aus Deutschland
Die finale Erscheinung der Postkarte ist für mich leider enttäuschend. Einerseits wurde das Brandenburger Tor in dem Maßstab wirklich brillant umgesetzt, andererseits sind Schloss und Rathaus von Kompromissen geprägt. Dazu kommt, dass das Schloss keinem echten Vorbild nachempfunden zu sein scheint, während Deutschland reich an derlei Bauwerken ist. Ebenso ist das Auto generisch, während der ICE einen blauen statt roten Streifen nutzt. Das primitivste Modell ist aber zweifelsohne das Fachwerkhaus, dessen Beigabe, mit Hinblick auf Deutschlands mittelalterliche Stadtkerne, zwar eine nette Idee ist, dessen Umsetzung aber einen Negativpreis verdient hätte. Ohne den Aufkleber ist es nur ein unförmiger Klotz, und selbst mit Dekoration noch immer deutlich zu klein.
Ein Großteil meiner Enttäuschung hängt wohl damit zusammen, dass ich leicht eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten nennen kann, die ich eher mit Deutschland verbinde als diese durchaus nichtssagenden Modelle. Als Gebäude böten sich das Ulmer Münster, der Kölner Dom, die Elbphilharmonie, der Commerzbank-Tower, oder (allerdings ebenfalls in Berlin) der Berliner Fernsehturm an. Dazu verfügt Deutschland über viele Flüsse, die man gern hätte umsetzen können, so könnte das Schloss am Rhein stehen. Hinsichtlich Brücken wäre die Köhlbrand- oder Rügenbrücke möglich gewesen, wobei ich deren Bekanntheitsgrad im Ausland nicht einschätzen kann. Gleiches gilt für die Tunnel, wie den Rennsteigtunnel oder den Neuen Elbtunnel. Kurzum: Mangelnde Auswahl kann kaum ein Grund für die Wahl der Modelle gewesen sein…
Sehr positiv hervorheben möchte ich aber die Farbwahl der Postkarten-Plattform und -Rückseite, die vollständig in Schwarz gehalten sind und damit nicht vom eigentlichen Modell ablenken. Ebenso ist die Beigabe von zwei statt einer Kachel für das Namensschild löblich.
Zuletzt die UVP: 15 Euro für 240 Teile empfinde ich als komplett in Ordnung. Das Modell ist sogar etwas größer als ich erwartet hatte, und trotz LEGO-Exklusivität und der damit verbundenen geringen Wahrscheinlichkeit von Rabatten passt der Preis für mich. Zudem ist er seit Einführung der Postkarten unverändert geblieben, trotz der nicht unbeträchtlichen Geldentwertung seit 2022.
Trotzdem, die prinzipielle Passung der UVP hin oder her, kann ich die Postkarte nur empfehlen, wenn ihr die Reihe sammelt. Als Mitbringsel aus Deutschland oder Spontankauf taugt sie mangels Erkennbarkeit der Modelle nicht. Und ich verspüre nun sogar etwas weniger den Anreiz, doch noch die anderen Postkarten zu sammeln… Ich glaube kaum, dass das LEGOs Absicht war…
Bewertung
| Positiv | Negativ |
|
|
Benotung 🎵
| Gesamtnote: 5 |
Von 1 (mau) bis 10 (wow) |
Eure Meinung!
Wie seht ihr die Postkarte aus Deutschland? Denkt ihr, internationale Kunden sehen die Umsetzung weniger kritisch, weil sie die Sehenswürdigkeiten ohnehin nur grob kennen? Oder hättet ihr euch eine realistischere Version gewünscht? Welches Modell hätte eurer Meinung nach nicht fehlen dürfen? Äußert eure Meinung zum Set gern in den Kommentaren!



























5. Juni 2026 um 16:41
Bisher habe ich die Postkarten von London und New York nach meinem Geschmack umgebaut, für Italien ,Irland und Hameln eine eigene kreiert. Ich baue sie generell etwas tiefer, damit es nicht so gedrungen wirkt. Für Deutschland fehlt mir noch die richtige Idee und die vorgestellte gefällt mir eigentlich nicht so richtig. Ich habe sie aber im Store aufgebaut gesehen und sehe Umbaupotential. Aufgefallen ist mir auch, dass sie von Touristen in Berlin am Tauentzien durchaus als Souvenir gekauft wurde. Da habe ich schon deutlich geschmacklosere Mitbringsel gesehen….
5. Juni 2026 um 16:52
London bzw Japan habe ich sogar schon verschenkt, weil so typische gebäude und Begebenheiten zu sehen sind.
Aber in diesem Fall, beginne ich mit dem einzig guten, dass Brandenburger Tor ist zu erkennen!
Damit sind wir aber auch schon am ende des guten!
Dass Auto ist eine Katastrophe.
Dass Fachwerk Haus, ist ohne Aufkleber nicht zu erkennen.
Dass Schloss ist keinem echten nachempfunden und dass wo wir in Deutschland hunderte davon haben!
Der Zug hat die falschen Farben und dass neue Münchener Rathaus habe ich, obwohl ich das Gebäude gut kenne NICHT erkannt!
Insgesamt ist das wohl das schlechteste Postkarten Set was bisher raus kam.