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LEGO Icons 10361 Weihnachtsexpress im Review

LEGO Icons 10361 Weihnachtsexpress | © Simon Brandt

Ist der Zug abgefahren? Der neue LEGO Icons 10361 Weihnachtsexpress der Winter Village im vorweihnachtlichen Review.

Die diesjährige Erweiterung der Winter Village wurde im September als der LEGO Icons 10361 Weihnachtsexpress verkündet. Das 956-teilige Set mit vier Minifiguren ist am 1. Oktober 2025 erschienen, für eine UVP von 119,99 Euro.

Nicht nur der Umstand, dass der Weihnachtsexpress eine Art Neuauflage des 10254 Festlichen Weihnachtszuges von 2016 darstellt, sorgte bei der Vorstellung für Kritik, sondern auch die ungewöhnlich hohe UVP. Viele Jahre lang haben die Winterdorf-Sets stabil 99,99 Euro gekostet, bei meist knapp 1500 Teilen Umfang. Dieses Verhältnis nun auf den Kopf gestellt zu sehen, hat nicht nur mich vor selbigen gestoßen.

Wenn das Set nun aber überzeugen kann, könnte man ja über die UVP ein wenig hinwegsehen, nicht wahr? Schauen wir uns nun also an, was der Weihnachtsexpress leistet! (Eine Angabe in PS/kWh wäre aber wenig statthaft…)

Eckdaten

Setumfang

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Im typischen schwarzen Karton für 18+-Sets hebt sich der Zug gut vom Hintergrund ab. Dieser ist in der Mitte mit einem bläulichen Glühen aufgehellt, um weniger dröge zu wirken. Gerade bei der Winter Village wäre eine winterlich-weihnachtliche Szenerie freilich ästhetischer, ich finde die edlen, schwarzen Kartons aber auch nicht schlecht. Was hier aber gut verschwiegen wird, ist, dass ausschließlich Kurvenelemente für die Schienen genutzt werden. Die Rückseite klärt dann darüber allerdings auf, und weist auch auf das erste in einem regulär erhältlichen Set beiliegende 3D-gedruckte Element hin, nebst der Möglichkeit zur Motorisierung mit Powered Up.

LEGO Icons 10361 Weihnachtsexpress: Setumfang

Im Karton enthalten sind sechs papierbasierte Tüten und vier Stapel à vier Kurven. Dazu haben wir zwei Anleitungen, eine für den Bahnsteig und sonstigen Krimskrams, die andere für den Weihnachtsexpress selbst. Als letztes liegt noch ein Geschenkekarton bei. Was dieser erhält, bleibt vorerst mein Geheimnis!

Aufbau

Wenig überraschend ist der Umstand, dass zunächst die Sidebuilds gebaut werden, und danach der Zug von vorn nach hinten.

Bahnsteig und Geschenke

Die beiden Fahrgäste (hol377/hol378), die auf den wie immer verspäteten Zug warten müssen, tragen hier neu eingeführte Torsi (973pb6345c01/973pb6346c01) mit wenig weihnachtlichem Flair. Vermutlich wurden die Motive für eine breitere Verwendbarkeit in anderen Outdoor-Sets designt, anders kann ich mir diese Entscheidung nicht erklären. Beide Figuren sehen ganz gut aus, passen aber eher in die 21338 Finnhütte denn in einen Weihnachtsexpress.

In City-typischem Minimalismus wurde der Bahnsteig konstruiert, dessen beigefarbene Basis alles Andere als winterlich wirkt und auf seltsame Weise mit dem verschneiten Bahnsteig kontrastiert. Müsste es nicht eigentlich umgekehrt sein, dass der Boden verschneit ist, der Bahnsteig aber geräumt wurde? Und auch die Bank sieht billig aus, vor allem ist die Rückenlehne um eine Noppe zu kurz. Diese Bauweise gab es schon häufiger, auch bei City, gefallen hat sie mir aber noch nie. Bänke sollen schließlich bequem sein, wenn man stundenlang in eisiger Kälte auf den Zug warten muss!

Wortwörtlich das Highlight des Bahnsteigs ist die Laterne, die wunderschön gestaltet wurde. Konsistenz bei den Winter-Village-Sets gab es noch nie, und so ist auch diese Laterne ein Unikat. Davon kann man halten, was man will, es stört mich aber nicht übermäßig. Und gerade die weihnachtliche Dekoration gefällt mir ausnehmend gut!

Als Zweites bauen wir ein Geschenk in Bright Light Blue, das leider leer ist. Pech gehabt! Da war wohl schon jemand vor dem Fest neugierig!

Auf das Geschenk kommt eine Stadt im Mikromaßstab, bei der es mich schon fast erschüttert, wie niedlich ich sie finde! Gerade die Bäume aus Karotten (33172, neu in Dunkelgrün) und die Büsche aus Eiskugeln (6254) sind eine geniale Idee und erwecken die Szenerie zum Leben. Aber: Kein Schnee! Wie zu Weihnachten!

Nun folgen drei lose Geschenke im Adventskalender-typischen Stil, ein Segelschiff, ein Helikopter, und ein Bagger. Nett gemacht, aber nichts Besonderes. Trotzdem gefallen sie mir.

Nun, da beinahe Heiligabend ist, können wir doch auch schon einmal lunschen, nicht wahr? Was ist es wohl, das uns in dem Geschenk erwartet? Zug um Zug ziehen wir am blauen Band für den schnellsten Geschenkeauspacker. Und… Und… The Opening of the Box

Hier ist er: der erste 3D-gedruckte LEGO-Zug (112073c01) überhaupt! Ein total niedliches Fahrzeug, das beim Schieben lustig mit Pleuelstangen und Rauchfahne wackelt. Für Kinder dürfte das Element eines der bedeutsamsten ihrer Sammlung werden, und auch mir gefällt es.

Aaaber: Die Textur des Zuges ist leider extrem rau, der additiven Fertigung geschuldet. Dadurch wirkt es weniger wie ein offizielles LEGO-Teil denn wie ein in einer chinesischen Hinterhoffabrik hergestellter Fremdkörper. Wenn ich LEGO-Sammlungen aufkaufte, wäre das Teil gewiss im Müll gelandet, zusammen mit dem ganzen anderen Plastik, das sichtlich nicht LEGO ist.

Dazu kommt, dass der Zug über keinerlei Noppen (oder Noppenaufnahmen) verfügt, sondern ausschließlich per Stange/Clip- sowie Pin/Pinhole-Verbindungen Teile angebracht werden können. Zusammen mit den äußert fragil wirkenden Rädern stellt sich wirklich die Frage, was das mit LEGO zu tun hat.

Bei BrickLink liegen die Preise übrigens bei 25 bis 40 Euro. Nur für den Zug…

LEGO Icons 10361 Weihnachtsexpress: Diorama

So ganz passen tut der Zug auch nicht ins Layout, nicht wahr?

Lokomotive

Besonders gelungen finde ich den Lokführer/Maschinisten (hol379), dessen Latzhosen-Torso (973pb6347c01) neu ist. Hoffentlich heißt das, dass uns 2026 ein neuer Icons-Zug erwartet! Und auch Schal (25376) und Kappe (2514) gefallen mir gut. Zusammengenommen also eine sehr schöne Minifigur!

Nun endlich beginnen wir, den Weihnachtsexpress zu bauen. Dieser ist primär in Dark Blue und Bright Light Blue gehalten, einer Farbkombination, die mir sehr zusagt. Auch die Ausstattung des Führerstandes ist detailliert genug, mit diversen Reglern und der Feuerbüchse.

Den Vorderteil der Lok nimmt der Dampfkessel ein, der um einen SNOT-Korpus errichtet wird. Im Mittelteil ist dieser etwas gerade konstruiert, was aber später verkleidet wird. Auch Dampf- und Sanddom sehen gut aus, ebenso die gelegentlichen goldenen Akzente. Dagegen wirkt der Schornstein etwas groß, vor allem zu hoch. Er ist lose gelagert, um sich auf und ab bewegen zu können, wenn der Zug fährt.

 

Für diese Spielfunktion braucht es einen komplex konstruierten Radsatz, der nach dem Einbau die Lokomotive erst einmal einen Wheelie performen lässt! Der hintere Radsatz ist zum Austausch mit einem Powered-Up-Zugmotor designt.

Einmal zusammengebaut, sieht die Lok absolut besch…eiden aus. Die durch die Verbindung von Radsatz und Schornstein nötige Platzierung der Vorderräder vor der Lok gibt ihr einen äußerst unschön aussehenden Überbiss, der umso peinlicher wirkt, wenn man den armseligen Versuch, ihn mit Grünzeug zu kaschieren, sieht. Himmel, da gehört ein dicker Kuhfänger hin! Oder meinethalben ein Schneepflug, aber doch nicht so etwas!

Außerdem sind die hinteren Räder wegen der Motorisierbarkeit wie bei modernen Elektro- und Diesellokomotiven ausgeführt, statt viel größere Räder mit Schub- und Kuppelstangen zu nutzen. Beim besten Willen, das ist keine Dampflok, was der Designer da fabriziert hat. Und selbst der riesige Spalt zwischen den Drehgestellen hätte verringert werden müssen. So wirkt die Lok einfach nur primitiv.

Oben herum folgen nun einige dekorative Blümchen, die mir gut gefallen, und vor allem drei bedruckte (!) Kacheln. Zwei am Kessel (27507pb23) zeigen den Namen des Sets, eine am Dach (3069pb1416) die Setnummer.

Zuletzt haben wir eine Dampflok, die oberhalb der Drehgestelle wirklich gut aussieht, selbst die simpel angebrachte Rauchfahne (68547). Und wir haben eine Dampflok, die unterhalb des Kessels wirklich schlecht aussieht, selbst die simpel angebrachten Drehgestelle. Irgendwer muss das Set ja so durchgewunken haben, aber wie kommt man dazu?

Tender

Etwas mentale Besänftigung bietet der Tender, zart, wie sein Name suggeriert. Seine Konstruktion sieht den Einbau der Batteriebox für Powered Up vor, daher ist er hohl konstruiert. Leider werden die Rahmen (60594) nicht mit Scheiben verschlossen, sodass Durchzug herrscht. Viel gravierender ist aber, dass sich LEGO geweigert hat, Magnetkupplungen einzusetzen! Diese Technic-Verbinder verunmöglichen es später, den Zug zu trennen, weil an mehreren Waggons Teile direkt darüber gebaut wurden.

Die äußere Gestaltung mit einem Adventskranz ist dagegen vollends gelungen! Und obendrauf bietet der Tender Platz für die Geschenke.

LEGO Icons 10361 Weihnachtsexpress: Lok mit Tender

Der Abstand zwischen Lok und Tender wirkt wieder zu groß, was aber der Kurvengängigkeit geschuldet ist. Hätte man mal Magnetkupplungen genommen! Diese sind mächtiger, verkleinern also den optischen Spalt.

Flachwagen

Waggon Nummer drei ist als Flachwagen ausgeführt und verfügt am hinteren Ende über einen in SNOT-Technik gefertigten Eisbären. Die Rundungen seines Körpers sind schön ausgeführt, viel besser ist aber, dass eine einfache Konstruktion im Inneren seine Arme schwingen und den Kopf nicken lässt, wenn der Zug fährt!

Auch der Kopf ist gelungen, wenngleich etwas eckig. Was mich aber stört, ist der Verzicht auf Augen! Das ist doch kein Zombie-Eisbär, der seine beste Zeit schon hinter sich hat!

Passt beim Anbau der Arme auf, dass sie sich korrekt bewegen. Ich hatte wohl irgendetwas falsch zusammengesetzt, sodass sie hakten und ich den Eisbären nochmal sezieren musste. Ich bin zwar der Meinung, nichts anders gebaut zu haben, da es dann aber funktioniert hat, sollte man meinen, dass sich etwas geändert hat, nicht wahr? Nun jedenfalls kann der Bär fröhlich die Glocke läuten.

LEGO Icons 10361 Weihnachtsexpress: Lok mit Tender und Flachwagen

Der Vorderteil des Flachwagens bietet Platz für das Eisenbahndiorama. Ohne dieses sieht der Waggon aber sehr leer aus.

Speisewagen

Die letzte Minifigur ist zugleich die gelungenste: Dem Zugchef (hol380) wurde ebenfalls ein neuer Torso (973pb6348c01) spendiert, der der Inbegriff des Luxus ist und hoffentlich auch im nächsten Modulhaus erscheint. Dazu kommt die sehr schöne Mütze (15530), die bisher nur Polizisten geziert hat. Da sich der ältere Herr hier aber geziert hat, Polizist zu werden, durfte er die ihm bereits zur Verfügung gestellte Mütze mitnehmen. Und nun wisst ihr auch, warum der Zug über keinen Bullenfänger verfügt: Man jagt doch nicht seine ehemaligen Kollegen!

Der Speisewagen ist ganz nett eingerichtet, auch wenn die Stühle gern etwas höher hätten stehen dürfen, statt auf dem Boden.

Äußerlich ist der Waggon in Geschenke-Optik ausgeführt, was ebenso kitschig ist wie es mir hervorragend gefällt! Die Fenster (60593) sind hier übrigens neu in Pearl Gold und werden von hübschen Laternen flankiert. Auch die weihnachtliche Dekoration an den Enden gefällt mir sehr. Nur eins stört mich massiv: Der Waggon ist erheblich zu kurz, und hat nicht einmal Türen! So dürfte es hübsch zugig sein, wenn man eigentlich nur eine heiße Schokolade genießen wollte. Aber vielleicht ist das der Grund, warum keine weiteren Fahrgäste beiliegen, der Mangel an Komfort hat sie bereits vergrault.

Das Dach wird von einer riesigen Schleife geziert, die fantastisch umgesetzt wurde. Ja, kitschig, aber hübsch!

Wenn ich so darüber nachdenke: Die ICEs der Deutschen Bahn sind weiß mit einem horizontalen, roten Streifen. Da wäre es doch ein Leichtes, des Nachts an eine Abstellanlage zu schleichen, einen vertikalen Streifen anzusprayen und eine Schleife aufs Dach zu kleben… Hm… Entschuldigt mich, ich habe kurz zu tun!

LEGO Icons 10361 Weihnachtsexpress: Lok mit Tender, Flachwagen und Speisewagen

Damit ist der Weihnachtsexpress nun fertiggestellt und bereit, zu fahren! Wenn er denn führe…

Ersatzteile

LEGO Icons 10361 Weihnachtsexpress: Ersatzteile

48 Ersatzteile sind eine immense Menge, bei deutlich weniger als 1000 regulären Teilen. Spannend ist aber nichts weiter an ihnen, lediglich über die goldene Rundplatte mit Clip (5264) freue ich mich.

Finales Modell

LEGO Icons 10361 Weihnachtsexpress: Finales Modell

Nun endlich können wir den Zug auf die Schienen setzen und um den Weihnachtsbaum fahren lassen! So überhaupt rein gar nicht suggestiv hat LEGO „Lifestyle“-Bilder veröffentlicht, auf denen der Weihnachtsexpress um den 300-Euro-Baum fährt – falls ihr noch eine Anregung zur Geldverbrennung sucht, hier, bitte! Gern geschehen!

Einmal aufgegleist, wirkt der Zug an vielen Stellen schön detailliert. Das macht die katastrophale Konstruktion der Lok aber nur noch offensichtlicher.

Schienen

Ich möchte nun noch ein kleines Kapitel einschieben, das Zugfans interessieren dürfte: LEGO hat in diesem Jahr das knapp zwanzig Jahre lang unverändert gebliebene Schienensystem minimal überarbeitet, aus der 53400 wurde die 2827. BrickLink unterscheidet die Versionen nicht, Rebrickable ist da aber akkurat.

Der Unterschied besteht in der Ausführung der Clips zur Verbindung der Schienen. In der neuen Version sind sie länger und seitlich von Spalten umgeben. Das führt dazu, dass sich die Schienen leichter verbinden und trennen lassen. Ob sie sich in der Folge auch leichter trennen, wenn schwere Züge auf ihnen fahren, kann ich nicht testen, mangels weiterer Schienen. Und nur auf dem Kreis zu testen, bringt nichts, weil die Züge hier keine hohen Geschwindigkeiten erreichen können.

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Links seht ihr die neue Version, rechts die alte. Wie ihr in der Ansicht der Unterseite seht, wurden, vermutlich zur einfacheren optischen Unterscheidbarkeit der Moulds, halbkreisförmige Noppenaufnahmen angebracht, zudem haben die Zungen an den Enden nun Schlitze.

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Die Verbinder wurden aber glücklicherweise intelligent verbessert, sind nämlich 100 Prozent kompatibel zu der alten Version. Oben seht ihr eine alte, unten eine neue Schiene.

Ready for Powered Up?

LEGO wirbt auf dem Karton und den Produktbildern damit, das Set sei zur Aufrüstung mit Powered Up gedacht. Alles, was es brauche, seien der 88009 Hub, die 88010 Fernsteuerung und der 88011 Zugmotor. Gerade einmal 87 Euro müsste man hinlegen, um den Zug fahren lassen zu können! Der Witz aber ist, dass die Fernsteuerung Ende 2024 End of Life gegangen ist und seither nicht mehr verfügbar war. Mittlerweile hat LEGO den Fehler offenbar aber bemerkt und die Komponenten sind wieder verfügbar. Für nur 87 Euro, zu den 120 Euro des Sets und den 300 Euro für den Weihnachtsbaum, dessen es laut Produktbildern bedarf. Schnapper! Also: Bin ich „Ready for Powered Up“? Nö.

Vergleich mit dem 10254 Festlichen Weihnachtszug

LEGO Icons 10361 Weihnachtsexpress: Vergleich mit dem 10254 Festlichen Weihnachtszug

Wie einleitend geschrieben, ist der Weihnachtsexpress der Nachfolger des 10254 Festlichen Weihnachtszuges von 2016. Für 89,99 Euro UVP umfasste er 734 Teile und fünf Minifiguren. Vergleichen wir das mit den 119,99 Euro für 956 Teile und vier Minifiguren jetzt, schneidet der neue Zug gar nicht so schlecht ab, gerade, wenn man die Inflation über neun Jahre hinzunimmt.

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Der neue Zug ist etwas kürzer, ansonsten aber wirklich sehr ähnlich zum alten.

In beiden Fällen sind die Bahnsteige unter den Schrumpfstrahler geraten. Wir haben eine Dampflok, einen Tender, einen Geschenkewaggon und einen Speisewagen. Jedoch hat der Festliche Weihnachtszug eine Dampflok, wie man sie kennt, und nicht den Ausrutscher vom Weihnachtsexpress vorgespannt. Der Tender war damals leerer, dafür ist nun der Flachwagen etwas spärlicher ausgestattet. 2016 drehte sich der Weihnachtsbaum beim Fahren, 2025 läutet der Eisbär die Eiszeit ein. Der Speisewagen war damals immerhin mit Klapptüren versehen, vor allem aber deutlich länger. Aus den Lichterketten wurde nun Grünzeug, und die Magnetkupplungen wurden durch Technic-Verbinder ersetzt.

Zusammengenommen bietet der Weihnachtsexpress fast das Gleiche wie sein Vorgänger, aber mit erheblichen Downgrades im Design der Lok. Warum man nicht einfach den Tender zur Motorisierung designt hat, wie 2016, sondern stattdessen auf Teufel komm raus den Zugmotor unter die Lok schrauben musste, will mir nicht in den Kopf. Denn das Ergebnis ist einfach erbärmlich.

Kurz: Der neue Zug übernimmt viele Designfeatures seines Vorgängers, verbessert sie aber an keiner einzigen Stelle. Stattdessen wurden an vielen Punkten Änderungen zum Schlechten eingeführt, sodass der Weihnachtsexpress nicht annähernd an seinen Vorgänger heranreicht. Der Designer hatte die Chance, einen phänomenalen, Weihnachten würdigen Zug zu gestalten. Diese Chance hat er verpasst.

Vielen Dank an die LEGO Group, die uns dieses Set für unser Review zur Verfügung gestellt hat. Der Artikel gibt jedoch ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.

Fazit: 10361 Weihnachtsexpress

Insgesamt bin ich von dem Weihnachtsexpress – ihr habt es bemerkt – ziemlich enttäuscht. Einerseits bietet er eine an vielen Stellen gelungene Optik, insbesondere, was die Farbwahl betrifft. Den Speisewagen als Geschenk zu gestalten, ist eine schöne Idee, und der Umstand, dass sich Eisbär und Schornstein beim Fahren bewegen, gelungen umgesetzt. Leider folgt daraus eine furchtbar verzerrte Optik bei der Lok, deren gesamtes Unterteil einfach nur Panne aussieht. Ebenso vermisse ich Magnetkupplungen, allein schon, um die beiden Weihnachtszüge verbinden zu können. Kuhfänger? Nicht vorhanden. Platz? Zu gering. Der Bahnsteig? Leer.

Ich hatte im Review zum 10339 Postamt des Weihnachtsmanns letztes Jahr kritisiert, dass die Designer die Optik der Spielfunktion geopfert hatten, und der Innenraum zu cityhaft ist. Damals war aber wenigstens die Fassade herausragend. Beim Weihnachtsexpress kann ich nicht einmal das behaupten. Also, LEGO: Wenn die Winter Village als „18+“ laufen soll, dann spart euch Spielfunktionen, wenn ihr es nicht schafft, sie versteckt zu integrieren.

LEGO wirbt bei dem Set damit, dass erstmals in einem regulär erhältlichen Set ein 3D-gedrucktes Element enthalten ist. Dies ermöglicht Funktionen, die sonst in dem Maßstab nicht umsetzbar sind, hier die beweglichen Räder, Pleuel und der Schornstein. Leider ist die optische und haptische Qualität des Zuges stark verbesserungsbedürftig, der Fertigungstechnik geschuldet. Wenn LEGO nicht in der Lage ist, qualitativ gleichwertige 3D-gedruckte wie durch Spritzguss hergestellte Teile zu produzieren (was kaum möglich ist) – dann sollen sie es lassen. Das Teil wird in der Produktion auch nicht gerade günstig sein, wenn ich an die Dauer additiver Fertigung denke. Das Einzige, was ich davon dann habe, ist eine erhöhte UVP für ein Set, das genauso auch ohne das Element funktioniert hätte.

Apropos UVP: Für die gebotene Leistung ist sie einfach zu hoch. Ja, wir haben nur bedruckte Elemente, keine Aufkleber, und die Minifiguren gefallen mir. Trotzdem sehe ich in dem Set kaum die 90 Euro, die der (ebenfalls zu teure) 10254 Festliche Weihnachtszug damals gekostet hatte, geschweige denn 33 Prozent mehr. Schienen sind groß und teuer, und es sind zweihundert Teile mehr als 2016. Mit 100 Euro UVP wäre LEGO da gut bedient gewesen, 120 Euro sind deutlich zu viel. Da hilft es wenig, dass das Set (zumindest noch) LEGO-exklusiv ist. Hätte ich das Set trotzdem gekauft? Höchstwahrscheinlich ja, um meine Winter-Village-Sammlung komplett zu halten. Ich hätte aber wohl gewartet, bis das Set 2026 (hoffentlich) die Exklusivität verliert und in preislich angenehmere Regionen fällt.

Jetzt bleibt mir nur, zu hoffen, dass der im nächsten Jahr zu erwartende Bahnhof im Weihnachtsmann-Dorf als Nachfolger des 10259 Winterlichen Bahnhofs von 2017, der in der klassischen Winter Village verortet ist, wieder besser wird. Lieber keine Spielfunktionen, aber eine phänomenale Optik. Das ist es, was ich von 18+-Sets erwarte.

Bewertung

Positiv Negativ
  • Speisewagen in Geschenke-Optik
  • Beweglicher Eisbär und Schornstein
  • 3D-gedruckter Zug
  • Ausschließlich bedruckte Teile
  • Schöne Minifiguren
  • Missgestaltete Lok
  • Keine Magnetkupplungen
  • Zu kleiner und primitiver Bahnsteig
  • 3D-gedruckter Zug
  • Zu hohe UVP

Benotung 🎵

Gesamtnote: 6
  • Umfang & Bauspaß: 7
  • Optik & Farben: 5
  • Minifiguren: 8
  • Bespielbarkeit: 7
  • Preis/Leistung: 5

Von 1 (mau) bis 10 (wow)

Eure Meinung!

Was sagt ihr zum 10361 Weihnachtsexpress? Seht ihr das Set ähnlich kritisch wie ich oder stört euch die Optik der Lok nicht im Mindesten? Schreibt eure Meinung gern express in die Kommentare!

Simon Brandt

Seit frühester Kindheit begeisterter LEGO-Fan und sammelt vor allem City und Creator.

15 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Ich war auch extrem enttäuscht von dem Set, insbesondere weil es so lieblos und wenig weihnachtlich wirkt. Das, kombiniert mit dem deutlich höheren Preis, hat dazu geführt, dass das Weihnachts-Set dieses Jahr erstmals seit langem nicht mehr unterm Tannenbaum liegen wird.
    Ich weiß auch nicht, was Lego dieses Jahr geritten hat, da ja auch der große Tannenbaum alles andere als eine Schönheit ist. Lediglich die große Weihnachtsmannfigur reißt es dann noch raus.

  2. Gutes Review, was sowohl Stärken und Schwächen des Sets gleichermaßen darlegt. Ich hoffe es floppt und nicht zu viele kaufen es der Vollständigkeit der Sammlung wegen 😉 Für mich wirkt das Set komplett kaputt gespart und das trotz des Preises. 120 Eur wäre nur inkl. Motorisierung akzeptabel gewesen (ja ist absolut unrealistisch ich weiß).

  3. Vielen Dank für Deine Rezension, Simon! Ich bin bei LEGO Zügen an sich immer anfällig, aber dieser lässt mich irgendwie kalt, auch als ich ihn mir im Store ganz in Ruhe angesehen habe. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich mit dem ersten Weihnachtszug und dem Disney-Zug bereits zwei Exemplare habe, die sich hervorragend dafür eignen, einen Weihnachtsbaum zu umkreisen (((-: Hinzu kommt, dass ich keinen Platz für ein dauerhaftes Schienenoval habe und sich bereits der Metroliner und der orangefarbene TGV auf dem Gleisstück bei meinem Bahnhof abwechseln müssen. Ab und zu verlege ich temporär ein paar Schienen auf dem Fußboden und lasse die diversen weiteren Züge mal fahren. Die winzige gedruckte Lok hätte ich allerdings schon gern, aber nicht zu den aktuell auf dem Zweitmarkt aufgerufenen Preisen. Die Steine und Schienen im Set sind für mich auch nicht so erstrebenswert. Man muss also sagen, die Strategie von LEGO mit dem exklusiven Teil funktioniert bei mir schon ganz gut … Allen einen schönen dritten Advent!

    • Danke für das ausführliche Review, dass ich mit Interesse gelesen habe und dessen Punkte ich -nachdem ich das Set im Store gesehen habe – vollumfänglich teile.

      Habe viele Sets der Winterreihe, bin aber kein Sammler. Daher kann ich es nicht nachvollziehen, warum jemand das Set nicht gut findet, es aber trotzdem kauft – nur der Sammlung willen. Lego freut sich aber sicherlich trotzdem darüber 🙂

  4. Habe es im LEGO-Store gesehen und es wirkt halt ziemlich verloren. Irgendwie alles zu klein und man hat das Gefühl, es würde etwas fehlen. Für 70 oder 80 Euro wäre es vielleicht noch okay, aber die 120 Euro sehe ich absolut nicht.

  5. Aber auch beim vorherigen Zug ist doch der Motor unter der Lok (und der Infrarotempfänger musste auch noch untergebracht werden). Im Tender ist nur die Batteriebox.

    • Stimmt! Ich habe gerade nochmal nachgeschaut, das hatte ich irgendwie anders in Erinnerung. Damit sind die Designentscheidungen hier nochmal fragwürdiger. Danke für den Hinweis!

  6. Gutes Review!
    Das Set ist erbärmlich!
    Für mich ist der 3D Druck sinnlos!
    Danke für die Ausführliche Beschreibung!

  7. The Storytelling Brick

    14. Dezember 2025 um 13:25

    Lieben Dank für die spritzig witzige Review 😊

    „Und nun wisst ihr auch, warum der Zug über keinen Bullenfänger verfügt: Man jagt doch nicht seine ehemaligen Kollegen!“
    🤣

    Mir gefallen ebenfalls der Weihnachtspassagierwaggon und die Farbgebung des Weihnachtsexpresses in blauen Tönen. Die Umsetzung des Zuges insgesamt aber überhaupt nicht. Das Set sieht wie eine „My First Train (5+)“ -Modellbahn aus. Die 3D-Lok ist eine nette Idee, sorgt aber für unnötige Mehrkosten. Womit wir bei der hohen UVP landen, die das Set leider nicht begehrenswerter macht…

  8. Danke für das tolle Review! 🙂

    Schon das letztjährige Postamt fand ich richtig schlecht, habe es aber dann doch der Vollständigkeit halber gekauft.
    Aber dieser neue Weihnachtszug ist echt der Niedergang des Winterdorfes! Preislich total überteuert, qualitativ absolut billig und obendrein echt hässlich. Deswegen habe ich das erste Mal seit dem Beginn der Winterdorf-Reihe dieses Set nicht geordert und würde es nicht einmal geschenkt haben wollen.
    Ich hoffe auch sehr, dass Lego mit dem nächstjährigen Winterdorf-Set wieder zu alten Qualitätsstandards zurückkehrt – ansonsten ist diese Reihe, die ich bis 2023 geliebt habe, für mich leider gestorben.

  9. Danke für das informative und gleichzeitig lustig erheiternde Review.
    Ich liebäugel schon lange damit mit den alten Weihnachtszug zu kaufen und dachte wenn Lego nun einen neuen rausbringt, wird er aber vielleicht toller und interessanter als der Vorgänger. Stattdessen sowas. Bis auf den Geschenk Waggon echt gruselig (auch der Eisbär). Die Hässlichkeit des 300€ Baums ist zwar nicht zu überbieten, trotzdem ist es ein weiteres Set auf dass ich gehofft und welches mich komplett enttäuscht hat. Immer wieder frustrierend, dass eine Firma, die mich einst so begeistert hat, nun so gut wie keine Sets mehr für mich bereit hält, die mich begeistern. Wie gut dass ich kein Lego Purist bin und andere Anbieter es schaffen mich zu begeistern.
    Eins muss ich erwähnen: Ich habe „The Art of Chocolate, Lego/Bricklink“ aufgebaut und für 2€ mit einer dünnen Weihnachts Lichterkette innen und außen beleuchtet. Ein Träumchen! Solche rundum tollen Designs von Lego selbst und sie hätten mich als Kunden sofort wieder, auch zu hohen Preisen. Ihre komischen Halbheiten können sie behalten, auch zur Hälfte des Preises!

  10. Im allgemeinen gefallen mir die letzten neuen legozüge überhaupt nicht und deswegen bin ich bei diesem Weinachtszug nicht überrascht dass er für mich nicht eine Überlegung wert ist. Es ist und bleibt jedem seine eigene Entscheidung .

  11. Wir haben unserem 6-jaehrigen Sohn letztes Jahr das Postamt als Adventskalender bereitet (so ist das sammeln der Winter Village Sets einfacher:-)), und das hat er mit Freude gebaut. Dieses Jahr gibt es den Zug im Adventskalender, aber selbst der Kleine merkt sehr deutlich an, dass der Zug im Vergleich ziemlich wenig zu bieten hat.

  12. Vielen Dank für dein sehr gutes und ausführliches Review. An vielen Stellen habe ich meine eigenen Gedanken zu dem Set wiedergefunden. Auch ich war sehr von dem Fahrgestell der Lok enttäuscht. Eine Dampflok braucht große Schwungräder. Und in meinen Augen motorisiert man eine Dampflok am besten über den Tender. Falls ihr den 2025 Holiday Train und den 2016 Festlichen Weihnachtszug im Vergleich fahren sehen wollt, schaut doch vielleicht Mal hier vorbei https://youtube.com/shorts/gq-Co0tAec8?si=mUeyjB1Pv7RGCW7V
    Ich freue mich schon auf weitere Beiträge von euch.

  13. Danke für das Super-Review. Sehr ausführlich und informativ.

    Das Set selbst habe ich im Store gesehen, es kann mit großem Abstand nicht mit dem alten Zug mithalten, der weihnachtlich aussah, was ich vom diesjährigen absolut nicht behaupten kann. Abgesehen davon steht der Preis dem Set überhaupt nicht zu Gesicht. Diesen dann mit dem kleinen 3D-Druck zu rechtfertigen – Sorry Lego, ich bin Fan, aber nicht dumm. Vielleicht bekommt ihr nächstes Jahr wieder mein Geld. Dieses Jahr leider nein…

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