Mit dem Wooden Wheel habe ich zum 1. April ein Set präsentiert, das sich nun leider als MOC entpuppt hat: Meine Gedanken hinter dem Modell.
Vor ein paar Tagen, am 1. April, hatte ich einen Artikel veröffentlicht, in dem ich das neue LEGO Icons 11401 Wooden Wheel vorgestellt hatte. Aus mir unverständlichen Gründen kam der Beitrag etwas falsch an – da dachten doch tatsächlich Leser, es handle sich um einen Aprilscherz, und das nur aufgrund des Erscheinungsdatums des Artikels! Als ob schaukelnde Pflanzen realistischer wären – die hat aber niemand angezweifelt!
Gut, ich glaube, ich sollte es endlich zugeben. Ja, das supertolle Holzrad mit dem edlen Präsentationsständer ist kein offizielles Set. Es wird nicht am 1. Mai 2026 erscheinen. Tut mir leid, falls ich da Hoffnungen geschürt haben sollte!
Zum Trost möchte ich euch nun auf eine Reise durch meine Gedankenwelt nehmen (o Graus!), und euch zeigen, wie ich das Rad neu erfunden habe.
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Inhaltsverzeichnis
Idee
Alles begann Ende Januar, als ich – ich weiß nicht, wie – auf die Idee eines überdimensionierten Radmodells als neue 18+-Kollektion kam. Noch bevor ich die Idee als abstrus verworfen hatte, war mein Gehirn der Meinung gewesen, diesen Gedanken mit einem Aprilscherz verknüpfen zu müssen. Blödsinn! Aber den kann ich immerhin! Einige Überlegungen später war ich mir sicher, dass die Idee absurd genug ist, um umgesetzt zu werden. Ich setzte mich hin und schrieb ein paar Gedanken nieder. Ein paar Hintergrundinformationen, etwa, dass LEGO der weltgrößte Reifenhersteller ist, ein paar Wortspiele. Noch hatte ich nur eine ganz grobe Vorstellung davon, wie das Modell einmal aussehen sollte. Ein Rad, klar, und ein Präsentationsständer. Wie groß es werden sollte, sollte die Zukunft zeigen.
Bis April war noch genug Zeit, und ich wollte erst einmal mein Modell für das BDP Series 10 fertigstellen. Ende Februar, nach einigen anderen Aufgaben, hatte ich mich dann entschieden, mich nun um das Rad zu kümmern. Ich begann mit dem ersten Entwurf des Artikels, und schrieb die vorläufige Version der Produktbeschreibung. Dabei formte ich im Geiste das finale Modell schon einmal vor, und überlegte mir, welche Funktionen es haben sollte. Einige Tage später, nach dem Go der Redaktion zu dem Artikel, setzte ich in Studio die ersten Steine zusammen und baute im Verlauf von rund zwei Wochen das Holzrad.
Konzeptmodelle
Das Wooden Wheel stellt meinen ersten Versuch dar, ein Rad zu bauen. Dementsprechend hatte ich zunächst eine ganze Reihe von halb bis überhaupt nicht nutzbaren Modellen zusammengebaut (dot com), um verschiedene Ideen auszuprobieren. Die meisten davon hatte ich vorläufig im Studio-Projekt behalten, als Referenz für später. Bald war ich auf den Gedanken gekommen, diese Konstrukte noch für einen anderen Zweck zu nutzen: zur Veranschaulichung meines typischen Designprozesses. Und als Warnung für euch Leser zugleich… Die Idee dieses Artikels war geboren. Vollzieht nun mit mir die Erfindung des Rades nach!
Rad
Für die Radnabe hatte ich bereits sehr früh in der Entwicklung des Konzeptmodells die neue modifizierte Platte mit acht Clip-Plätzen (7068) ins Auge gefasst, und dann einige verschiedene Speichen entworfen. Relativ schnell war mir klar, dass ein Speichenrad durchaus Probleme mit sich bringen dürfte, was die Stabilität betrifft. Platten oder Technic-Elemente schienen einen guten Kompromiss zwischen geringem Durchmesser und geringer Biegsamkeit zu sein. Meine ersten Versuche fokussierten sich daher auf Plattenkonstrukte.
Nun ist ein Rad ja rund[citation needed], ich musste also einen Weg finden, einen Kreis zu approximieren, zu dem von der Nabe aus Speichen führen. Sowohl die Speichen, als auch die Kreissegmente mussten, in Noppen ausgedrückt, zwangsläufig ganz- oder zumindest halbzahlige Längen aufweisen.
Wie kommt man nun von einem Kreis auf solche Anforderungen? Nun, ein Kreis ist nichts weiter als ein n-Eck für n → ∞. Und da ich bereits eine Platte mit acht Verbindungspunkten als Nabe festgelegt hatte, begannen meine Versuche mit Achtecken. Diese hatte ich geistig (und auf Papier) in kongruente Dreiecke zerlegt. Jedes wies mit einer Spitze zum Mittelpunkt des Kreises und mit zweien auf die Peripherie.
Am Mittelpunkt (im Bild links unten) beträgt der Öffnungswinkel 45°. Das Dreieck ist gleichschenklig, da ja zwei Seiten identische Speichen sind. Folglich messen die anderen beiden Winkel je 67,5°. Nun bestand die Aufgabe also darin, ein Dreieck zu finden, für das alle Seiten ganz- oder halbzahlige Längen aufweisen, ohne dass das Modell zu groß oder zu klein wird.
Ein bisschen Trigonometrie und Ausprobieren später hatte eine Lösung gefunden, die mit 23,5, 23,5 und 17,99 Noppen Seitenlänge fast perfekt ins LEGO-Raster passte. Das Ergebnis seht ihr hier im Bild links. Noch etwas krude, aber funktioniert! Das Problem war, dass ein Achteck dieser Größenordnung alles andere als rund wirkt, was für ein Modell, das als offizielles LEGO-Set wirken sollte, unzureichend war. Außerdem wäre es schwierig geworden, die weiteren Segmente zu verbinden, da sie, bei einer Noppe Angriffspunkt auf der Peripherie, abwechselnd von oben und unten hätten befestigt werden müssen. Kein großes Drama, aber unschön. Später hätte ich möglicherweise aber auch noch eine bessere Lösung finden können.
Meine nächste Idee war dann, keine Dreiecke aus dem Achteck zu machen, sondern jedes Segment als Deltoid aufzufassen. Dafür hatte ich jedoch keine passende Lösung finden können, die Abweichung von Ganzzahlen überstieg stets weit die Toleranz der LEGO-Steine und Noppen. Die nächste Version (im Bild oben rechts) setzte auf Fünfecke pro Segment – abermals ohne nennenswerten Erfolg.
Es wurde also Zeit für eine neue Idee. Beim Durchstöbern der Studio-Teilepalette nach Clip-Griff-Verbindungsmöglichkeiten stieß ich auf Stangenverbinder mit Clip/Griff. Stangen sind weniger stabil als die Plattenkonstrukte von vorher, was bei der Länge im Modell hier aber keine Probleme bereiten sollte. Zudem erlauben die Verbinder, die Stangen nicht gänzlich hineinzuschieben, sodass ich mit etwas mehr Längentoleranz rechnen konnte.
Nach einigen Experimenten hatte ich mich entschieden, vom Achteck zum Sechzehneck überzugehen, dank zweier gegeneinander um 22,5° verdrehter Platten in der Nabe. Die Verbindung der Clips erwies sich aber als überraschend resistent gegenüber den Stabilitätsanforderungen.
Schließlich war ich auf den Dreiwegeclip (3628) gestoßen. Brillantes Teil, die Lösung! Anders als erwartet, ist das seltene Element sogar noch Teil des aktuellen Produktportfolios bei LEGO, sodass selbst aufmerksame Leser nicht anhand dieses Teils die Unechtheit des Modells aufdecken könnten.
Und nun ging es wieder ans Rechnen. Besagte Clips messen an der Schmalseite 0,5 Noppen zwischen Mitte und Clip, dieser Wert war fix. Ebenso beträgt der Winkel an der Nabe 22,5°, bedingt durch den Umstand, dass das Rad ein Sechzehneck ist. Nun habe ich, nach einigen Skizzen auf Papier, Excel angeworfen und für sämtliche möglichen ganzzahligen Speichenlängen trigonometrische Parameter berechnen lassen, Winkel und Längen in Dreiecken. Die minimale Speichenlänge war durch die Wahl der Teile auf 6,5 festgelegt (Nabe plus Dreiwegeclip und ihre Verbinder), und mit der Auswahl von LEGO-Stangen konnte ich jedes ganzzahlige Stück dazwischensetzen, das ich brauchte.
Die Forderungen, die sich aus der Geometrie des Rades ergeben, sind wie folgt: Der Öffnungswinkel 2β + δ liegt bei 22,5°, der Winkel des Dreiwegeclips γ fixe 90°. Die Längen der Speichen, als a bezeichnet, müssen ganzzahlig plus 6,5 sein. Die kurzen Segmente der Peripherie, b, messen 0,5 Noppen, und ihre Verbindung d muss wieder ganzzahlig sein.
Alle anderen Parameter, also die Länge der Achse vom Mittelpunkt zum Clip (die Hypotenuse c über a und b), sowie die Winkel α (zwischen b und c), β (zwischen a und c), δ (zwischen c und c) und ε (zwischen c und d), sind nicht eingeschränkt.
Im Rahmen der Toleranzen von LEGO-Elementen ergaben sich zwei Lösungen, in der Tabelle oben gelb hervorgehoben. Ich hatte mich dann für a = 25,5 entschieden – so groß, wie das Rad dann wurde, wäre die andere Möglichkeit aber wohl besser gewesen.
Egal, ich hatte eine Lösung! Und mit d = 9 waren 8 Noppen lange Platten perfekt geeignet, um die Peripherie zu bilden. Sehet und staunet: Alles passt, die Idee funktioniert!
Nun war es nur noch eine Frage der Baukunst, aus dem Konzeptmodell das fertige Rad zu bauen. Und hier zeigte sich dann auch das Problem mit den Stangen als Speichen: Ich gehe nicht davon aus, dass das Rad in Wirklichkeit stabil wäre… Auch wenn mathematisch alle Längen fixiert sind, dürften die Stangen genug in ihren Fassungen wackeln, dass das Rad auseinanderbricht. Radbruch! Blöd gelaufen… (Wer will auch schon Richtung Lüneburg laufen?!)
Ein paar Farbwechsel später, hin zum Wooden Wheel, lag das finale Rad vor mir, bereit zu rollen! Etwas hölzern vielleicht, aber das war ja Sinn der Sache!
Präsentationsständer
Für den Präsentationsständer vom Wooden Wheel hatte ich tatsächlich kein einziges Konzeptmodell gebaut. Stattdessen ist das finale Modell direkt aus dem ersten Entwurf entstanden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich für den Ständer von Anfang an ein recht genaues Bild im Kopf hatte, und nur ein paar Skizzen nötig waren, um die Struktur festzulegen. Auch die Größe des Ständers (nein, keinerlei Wortspiel vorhanden…) passte schnell.
Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Der Ständer besteht aus einem dicken Segment am Boden, einem dicken hoch zum Rad, und zwei dünnen Stützen an dessen Seite. Auch diese Längen mussten natürlich ganzzahlig sein. Da es aber auf die Winkel dazwischen nicht ankam, wäre jedes Längenverhältnis möglich gewesen.
Einige Überlegungen bewogen mich jedoch, alle Seiten gleich lang zu bauen: Erstens sieht ein gleichseitiges Dreieck sehr ästhetisch aus. Zweitens ist der Neigungswinkel von 60° gegenüber der Horizontalen ideal zum Betrachten des Rades. Und drittens schließlich haben Käseecken (85984, doppelt breit) eine Schräge von 30,96°. Damit konnte ich die Stützen an ihren Enden perfekt aneinander ausrichten, diese also bündig mit den gestützten Segmenten abschließen lassen.
Ebenfalls praktisch: Die Technic-Achsen, die vom Antriebsmodul zum Scharnier vorn und dort dann hoch in den vorderen Ast des Ständers führen, passen problemlos zwischen die zum Abstützen nötigen Teile. Mehr Glück als Verstand, aber das ist bei mir ja nicht schwierig…
Deutlich anspruchsvoller waren da die beiden seitlichen Flügel, die den Ständer vom Wooden Wheel am Umkippen hindern sollen. (Und dabei auch noch hübsch aussehen sollten…) Anfangs hatte ich mit einer Form experimentiert, die man am ehesten als Pfeilspitze nach vorn beschreiben könnte. Einige Basteleien später war ich aber auf die Idee gekommen, die LEGO-Geometrie abermals zu meinem Vorteil zu nutzen.
2 x 2-Wedge-Plates (24299/24307) bieten einen Winkel von 63,43°, der eine schöne Abspreizung der Flügel erlaubt. Warum aber gerade diese Wedge Plates? LEGO hat dieses Jahr ganz neu Wedge Tiles derselben Größe (7828/7829) eingeführt, die seit März sogar in Schwarz existieren. Damit konnte ich die Oberseite der Flügel komplett glatt gestalten! Erstmals sind damit abgeschrägte Platten und Kacheln identischer Form verfügbar. Ich wäre der Idiot gewesen, der ich bin, das nicht auszunutzen!
An der Flügel anderem Ende wollte ich zunächst auf gleiche Weise den Anschluss herstellen, und somit vorn/hinten symmetrische Flügel bauen. (Rad + Flügel = Flugzeug, wie ihr wisst…) Das war aber mathematisch sehr schwierig – es wäre auf ein pythagoreisches Tripel herausgelaufen, und für den nötigen Winkel von möglichst exakt 63,43° gibt es kein so kleines. Stattdessen entschloss ich mich, an den Außenpunkten 90°-Winkel zu nutzen und die Flügel nach hinten sanfter auslaufen zu lassen. Das hatte die perfekte Implikation, dass ich hinten nun abermals andere Wedge Plates mit demselben Winkel (65426/65429) nutzen konnte, die die Flügel nahtlos und vollständig bündig zurück in den Ständer laufen lassen.
Damit ging es zurück zu Excel: Welches pythagoreische Fast-Tripel erlaubt mir ganzzahlige Seitenlängen mit den vorgegebenen Winkeln? Diesmal war nur ein einziges Wert-Tupel möglich, (17, 34, 38). Damit war die Hypotenuse (die ja den zentralen Ast des Ständers darstellt) nur geringfügig länger an erhofft, und mit dem Antriebsmodul ließ sich die überschüssige Länge hervorragend kaschieren.
Hier könnt ihr nochmal die Werte der finalen Flügel sehen. Quasi perfekt! Und optisch im Modell vom Wooden Wheel auch nicht minder!
Antriebsmodul
Als letztes Konzeptmodell für das Wooden Wheel hatte ich den Antrieb gebaut. Während mir das Modell in der Form gar nicht einmal schlecht gefällt, ist es doch recht klobig und mit einigen aberwitzigen Bautechniken zusammengeklöppelt. Fragil wie Francesco Bernoulli. Viel gravierender ist aber, dass das große Z20-Zahnrad (69779) ausschließlich in Dark Azure verfügbar ist und ein Recoloring in Schwarz höchst unglaubwürdig wäre. Aber gut, damit hätte ich leben können. Wer schaut schon so genau hin?
Einige Diskussionen später ergab sich jedoch die Idee, nicht nur das Rad und die Display-Plakette vorn modular zu gestalten, sondern auch das Antriebsmodul. In Form eines klassischen Automobils gehalten, ist es abnehmbar konstruiert. Und: erheblich kompakter! Ein Kleinwagen mit Starter-Kurbel – fast schon realistisch! (Fast. Sage ich ja! Nix mit furios und so!)
Jedoch musste ich auch hier einen Kompromiss eingehen: Die Z16-Zahnräder (18946), die ich hinten aufgrund ihres Pin-Loches einsetzen musste, existieren nur in Rot. Tatsächlich sind diese zwei Zahnräder, neben 64 Exemplaren eines sehr neuen Curved Slopes (7126) in Reddish Brown am Holzrad selbst, die einzigen Elemente am ganzen Modell, die nicht in den genutzten Farben existieren. Letztere werden aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch eingeführt. Alternativ sind bereits jetzt die Eckstücke dazu (5848) in Braun erhältlich, die ebenfalls nutzbar wären.
Ebenso habe ich mich sehr bemüht, nur Teile zu nutzen, die momentan auf dem Markt sind (oder unlängst waren). Dadurch ist das Getriebegehäuse (6588) im Auto in Trans-Clear statt Schwarz gehalten… Zum Glück sieht man das auf den Produktbildern nicht so deutlich wie in Studio!
Zudem habe ich ausschließlich Achsen aus LEGOs Farbpalette genutzt, sodass die Kurbel eine Achse (24316) in Braun und einen Achse-Pin-Adapter (3749) in Tan nutzt, nebst einem Trennstück (4265c) in Hellgrau. Nicht schön, aber auf den Bildern bewusst gut versteckt!
Typenschild
Relativ simpel war dann das Typenschild zu bauen. Es ist abnehmbar gestaltet, zwecks Austauschbarkeit mit den anderen Rädern der Wheel Collection. LEGOs Plaketten sind gewöhnlich in Schwarz oder Braun gehalten – ich hatte mich für Letzteres entschieden, damit sich das Schild etwas vom Ständer abhebt. Damit passt es zu den Plaketten der 10335 Endurance oder der 11378 Douglas DC-3, die beide braun mit güldener Schrift sind. In Blender hatte ich mit relativ geringem Aufwand ein Ornament für den Rahmen designt und mit einem hübsch wirkenden Font den Schriftzug „Wooden Wheel“ hinzugefügt.
Da Typenschilder ja aber gern noch etwas ergänzende Informationen zeigen, widmete ich die rechte Seite der Plakette einigen Eckdaten. Dafür hatte ich mich schamlos am englischen Wikipedia-Artikel zu Speichen bedient. Da heißt es:
The earliest physical evidence for spoked wheels was found in the Sintashta culture, dating to c. 2000 BCE. Soon after this, horse cultures of the Caucasus region used horse-drawn spoked-wheel war chariots for the greater part of three centuries.
Ohne weitere Überprüfung, insbesondere ohne Studienreise in den Kaukasus, hatte ich diese Daten für bare Münze genommen und in zwei Stichpunkte komprimiert. Dass die klassischen Räder jener Zeit mit dem LEGO-Modell wenig zu tun hatten, insbesondere hinsichtlich der Dicke der Speichen, ist Absicht… Ein kleiner Seitenhieb auf LEGOs Recherchequalität… (Oder doch dadurch bedingt, dass ich das Rad ohne Bilderrecherche gebaut hatte?!)
Produktbilder
Nun, da das Modell fertiggebaut war, konnte ich mich an die Gestaltung der Produktbilder machen. Zu meinem großen Glück nutzt LEGO dazu ausschließlich Renderings, womit ich seit vielen Jahren Erfahrung habe. Leider half mir diese nur begrenzt, da ich eine komplett andere Vorstellung von schönen Bildern habe, und grundsätzlich etwa farbige Lichter und einen farbigen Hintergrund nutze. Diese Gewohnheit musste ich nun über Bord werfen und seelenlose Bilder mit allseitiger, weißer Beleuchtung und ohne jeglichen Hintergrund rendern. Gut, gefällt mir nicht so wie meine kontrastverstärkten Bilder, aber was soll’s. Es ist ja nur für einen einzigen Artikel. Und schneller als meine übliche Pipeline war es auch…
Die nächste Aufgabe bestand darin, ein paar Produktbilder mit Pfeilen auszustatten, um auf Funktionen hinzuweisen. Bei LEGO beginnen die Pfeile fast transparent, und werden zur Spitze hin opak. Zudem werden sie von einem Schatten flankiert, um die Sichtbarkeit zu verbessern.
Mit diesem Wissen ging es wieder in Blender daran, passende Pfeile zu kreieren. Das Bild als Referenz darunterlegen, den Pfeil mit einer Gradiententextur für den Alphakanal versehen, eine Ebene als „Schattenfänger“ (Shadow Catcher) darunterlegen, eine Punktlampe schräg über dem Pfeil positionieren, rendern, in den Compositor, fertig! Pfeilschnell! (Ja, nicht ganz… Es sei denn, ich schösse den Pfeil ab, aber bei mir sind es nur Vögel. Tontauben, wohlverstanden, bevor die Tierschützer bei mir vor der Tür stehen. Vor verschlossener Tür, zur Sicherheit.)
Die Produktbilder gerendert, begann die wirklich schwierige Aufgabe: ein glaubwürdiges Kartonbild für das Wooden Wheel zu designen. Zunächst hatte ich überlegt, den Karton komplett ab initio in Blender zu gestalten. Da es aber viel zu aufwändig geworden wäre, den LEGO-Stein-Streifen unten nachzubilden, hatte ich mich für den einfachen Weg entschieden, und ein offizielles Produktbild modifiziert.
Moment. Sagte ich einfach? Tja, so dachte ich zumindest! Es war auch gar nicht mal so aufwändig, einen passenden Karton zu finden. Was ich dabei festgestellt hatte, ist, dass LEGO mittlerweile aus irgendwelchen Gründen die Vorderseite des Kartons nur noch in Kombination mit dem Produktbild des Kartons zur Verfügung stellt (obwohl in unseren Pressekits bisweilen auch ein Bild des einzelnen Kartons enthalten ist!). Somit musste ich weit in die Vergangenheit zurückgehen, bis zur 10318 Concorde. Endlich hatte ich ein Bild in leidlicher Auflösung gefunden, das einzig und allein einen Karton im Querformat zeigt! Problem: Die Concorde erschien noch vor der Umstellung auf die modernen Kartons mit separatem Deckel, sodass ihre Renderings minimal anders aussehen (vor allem für die Rückseite). Egal, merkt keiner, das Bild wird genutzt!
Gesagt, getan. GIMP geöffnet, das Bild hineingeladen, die Concorde von der Vorderseite des Kartons eliminiert, und los geht’s! Nun war es ziemlich einfach, den Karton blankzulegen – da kam es mir immens zugute, dass LEGO bei 18+-Sets auf die ebenso edlen wie drögen schwarzen Boxen ohne Hintergrundmotiv setzt. Auch mein primäres Produktbild ließ sich mit ein bisschen Scheren einfach „aufkleben“. (Man stelle sich vor: Scheren zum Kleben!) Schwieriger waren da schon die Bilder an den Seiten des Kartons, die viel stärkerer Scherung bedurften. Trotz Verzerrung sollten die Bilder ja noch erkennbar bleiben…
Meine (mangels Zeit dafür leider allmählich einrostenden) Blender-Kenntnisse halfen mir aber wieder, das farbige Glühen im Hintergrund des Modells nachzuempfinden: Einfach eine Punktlampe über eine passend gefärbte Ebene gesetzt, rendern, fertig! Schon haben wir ein Bild mit Helligkeitsgradienten nach außen, das sich in GIMP verwenden lässt. Ein wenig scheren, und passt!
Dann fiel mein Blick abermals auf die Kartonoberseite. Oh, verdammt. Da ist noch ein zweites Element, das ich zwingend editieren muss: das Teil, das den Maßstab angibt! Der Concordeflügel wäre etwas verräterisch…
Also musste ich ein Teil finden, das charakteristisch für das Holzrad ist, und hatte mich dann für eine der beiden Kacheln des Typenschildes entschieden. „Wooden Wheel“, charakteristischer kann es nicht mehr werden. Nebenbei nutzt LEGO diese Möglichkeit selbst, um auf exklusiv bedruckte Teile hinzuweisen, was mir sehr zupass kam.
Nun ist so eine Concorde ja größer als ein Holzrad, der Kasten für den Flügel also breiter als das Typenschild. Egal, das fällt nicht weiter auf, sagte ich mir, und beließ es dabei, das gescherte Schild hineinzumontieren.
Jetzt wurde es allmählich abenteuerlich: Auf den Kartons bildet LEGO typischerweise noch den Namen des Sets und der Sammlung ab, also musste da etwas von „Wooden Wheel“ und „Wheel Collection“ stehen. Einen schönen Font gesucht, den Text getippt, geschert, passt. Die Kollektion brauchte aber auch noch ein Logo. Also zurück zu Blender, schnell ein zweidimensionales Rad gebastelt und gerendert, und los ging es! Ergebnis: Ein fast realistischer Karton.
Fast. Denn das Beste habe ich mir für zuletzt aufgehoben. Auch wenn ich es bereits vor dem Einbinden der Produktbilder erledigt hatte, ist es hier perfekt als Klimax geeignet: die Eckdaten des Sets. Auch wenn niemand außer mir nachprüfen kann, wie viele Teile das Rad tatsächlich hat, wollte ich nicht die Anzahl der Concorde behalten. Und selbst wenn – wenigstens die Setnummer sollte stimmen!
Nun, welche nehme ich denn? Da der Artikel zum 1. April erscheinen sollte, wäre eine Verbindung damit nicht verkehrt. Icons-Setnummern begannen lange mit einer 10, sodass die 10401 ideal gewesen wäre. Zwei Gründe verbaten das aber: Ein Set mit dieser Nummer war bereits 2018 erschienen, und just 2026 hat LEGO für Icons einen neuen Nummernkreis festgelegt, da die 10xxx allmählich aufgebraucht worden war. Die neue 11 als Präfix erlaubte mir die Nutzung der 11401, die fast unmittelbar auf die aktuell genutzten Nummern folgt (momentan bis 11378), und damit sogar realistisch ist! (Ich bin gespannt, welches Set dann tatsächlich mit dieser Nummer erscheint! Ein Rad? Ich meine, noch hat LEGO Zeit, meine Idee aufzugreifen… Das wäre was… Dann wäre ich der Veralberte… Immerhin habe ich LEGO ja schon einen Teil der Designarbeit für ein Wooden Wheel abgenommen…)
Nun, da ich Setnummer und Teilezahl parat hatte, musste ich sie nur noch auf den Karton bringen. Perverserweise druckt LEGO diese immer direkt auf den LEGO-Stein-Streifen unten, sodass ich nicht einfach hingehen und die Ziffern übermalen konnte. Bei näherer Betrachtung stellte sich aber heraus, dass LEGO unter den Ziffern die Steine verschmiert, damit deren Kanten nicht die Lesbarkeit der Ziffern beeinträchtigen. Genial! So konnte ich mich desselben Tricks bedienen und Raum für meine Ziffern schaffen.
Und nun stand ich vor dem wohl größten Problem der ganzen Arbeit: Was zur Hölle ist das für eine Schriftart, die LEGO da nutzt? Keine einzige auf meinem Rechner installierte sieht ihr auch nur einigermaßen ähnlich. Also hatte ich mich entschieden, im Web nachzuschauen. Und siehe da: Es gibt Dienste, Schriftarten auf Bildern zu erkennen. Schön, also rasch einen Screenshot von dem Text-Stück auf dem originalen Karton gemacht, und ab zum SaaSS!
Der erste Dienst schlug fehl, der zweite hatte Erfolg. Und wie! Die vermutlich OCR-basierte Schriftartenerkennung lehrte mich, dass das der LEGO Font (oder die LEGO Type) sei, ein proprietärer Font, den LEGO eigens hat entwickeln lassen, mit diesen und jenen Charakteristika. Verdammt beeindruckend, die moderne Technik. Sogar solche in ihrer Anwendungsbreite naturgemäß massiv begrenzten Fonts zu erkennen!
Meinem Problem half das aber nicht ab: Denn woher sollte ich den LEGO-Font bekommen? Meine wahnwitzige Lösung bestand darin, mir aufzuschreiben, welche Ziffern ich denn bräuchte, und dann nach LEGO-Sets zu suchen, die über diese Ziffern verfügen! Eine Weile später hatte ich gefunden, was ich gesucht hatte: Die 11371 Einkaufsmeile bot mir die 1, 3, 4, 5, 6 und 7, dank der schönen Teilezahl von 3456. Zusammen mit den Ziffern der Concorde – 0, 1, 2, 3 und 8 – war damit alles vorhanden, was ich brauchte – 0, 1, 3, 4, 5 und 6.
Leider ist die Einkaufsmeile eines der modernen Sets, für die LEGO keine Produktbilder der bloßen Kartonvorderseite zur Verfügung stellt, und noch dazu ist es ein hochformatiger Karton. In der Folge war die Auflösung der Ziffern viel zu gering, als dass ich sie direkt hätte extrahieren können. Statt nun noch länger nach passenden Sets zu suchen – mit geringen Aussichten auf Erfolg – beschloss ich, die Ziffern nachzuzeichnen. Und ja, das ging. Schief. Und wieder, und wieder. Irgendwann aber hatte ich endlich Ziffern bekommen, die eine einigermaßen korrekte Strichstärke und Form aufwiesen. Und nach mehreren Stunden war die Schrift fertig!
In den Kommentaren zur Vorstellung des Rades fragte ein Leser, wie viel KI in dem Artikel stecke. Rückblickend denke ich, dass es tatsächlich vernünftig gewesen wäre, das Produktbild des Kartons per KI zu basteln! Und dreimal dürft ihr raten, warum ich nicht auch die Rückseite des Kartons gestaltet hatte… Stichwort: Detailansichten…
Nach all der Mühe hatte ich aber schließlich ein Bild, bei dem man, ob der geringeren Auflösung, kaum noch sieht, wie viel Fake dahinter steckt…
Und, falls jemand es entdeckt hat: Ich habe spaßeshalber einen kleinen Disclaimer links unten im Bild versteckt:
Disclaimer: This is no official LEGO product,
just a fan mockup for April Fools, 2026.
Wie also konnte man das Modell für echt halten? Man musste doch nur das Weiß des Hintergrundes (#FFFFFF) vom Weiß der Schrift (#FEFEFE) trennen, und schon wäre der Text sichtbar gewesen!
Nebenbei bemerkt, bin ich heilfroh, dass ich fast nie Lifestyle-Bilder in meine Reveal-Artikel einbinde, sonst hätte ich auch diese noch simulieren müssen…
Produktbeschreibung
Der letzte Schritt war dann, die vorformulierte Produktbeschreibung zum Wooden Wheel dem tatsächlichen Modell anzupassen. Ein kleiner Hinweis auf die sammelbaren Module (Rad, Typenschild und Antriebsmodul), ein paar Änderungen des Ausdrucks, mehr war nicht mehr nötig. Einzig einen Hinweis, man könne vier Holzräder (separat erhältlich) erwerben, um eine Kutsche zu bauen, hatte ich dann gestrichen, nachdem das Rad mehr als doppelt so groß (und teuer) geworden ist wie zunächst angenommen. Witzigerweise hat ein Leser in den Kommentaren dann genau das vorgeschlagen…
Anschließend musste ich mir eine UVP überlegen, die nicht jenseits von Gut und Böse ist, aber auch nicht zu günstig. Der Richtwert ist allgemein ja 10 Cent pro Teil bei lizenzfreien Sets, sodass ich 139,99 Euro für die 1.365 Teile passend fand. Das Set markiert den Beginn einer neuen Kollektion, sodass der Preis auch gern etwas niedriger sein darf. Immerhin sollen die Kunden ja animiert werden, es mehrfach zu kaufen, um Präsentationsständer für die nachfolgenden Räder zu bekommen!
Ansonsten, was den Ton der Produktbeschreibung betrifft – auch als Selbstbeweihräucherung bekannt (was ich mit dem ganzen Artikel hier für mich tue…) – war es relativ einfach, LEGOs Stil zu imitieren. Durch die ganzen Produktvorstellungen, die wir Jahr um Jahr schreiben, eignet man sich fast automatisch diese Formulierungen an. Und ja, ich kann sie manchmal einfach nicht mehr lesen… Für den Artikel war das aber praktisch, ich musste nicht viel überlegen. Nur der Duktus musste etwas holprig sein, eben wie bei einer automatischen Übersetzung aus dem Englischen üblich.
Im Übrigen hatte ich noch ein kleines Easter Egg eingebaut: Der letzte Absatz beginnt mit „Mai-Neuheit“. Im Englischen wäre das „May Release“ gewesen. Mai-Neuheit. Oder: Könnte erscheinen…
Fazit
Im Grunde genommen hatte ich einen Monat lang den Großteil meiner Freizeit in das Wooden Wheel investiert. Dauerte das Design des Modells zwar nur rund zwei Wochen, wartete mit dem Rendering und Compositing der Produktbilder eine Aufgabe auf mich, deren Umfang ich massiv unterschätzt hatte. Also ja, KI wäre einfacher gewesen… Habe somit ich ein Rad ab, statt LEGO? Ja! (Pssst, nicht weitersagen!)
Abschließend: Mir ist das – eigentlich ja nur für einen einzigen Tag gebaute – Holzrad so sehr ans Herz gewachsen, nicht zuletzt aufgrund der ganzen dahinterstehenden Berechnungen, dass ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt habe und noch immer spiele, es mir auch real zu kaufen… Der beträchtliche Preis der Einzelteile (gegen 200–250 Euro) hat das bisher verhindert. Allerdings suche ich noch Modelle für die Zusammengebaut 2026…
Ursprünglich hatte ich sogar überlegt, ein Review zum Wooden Wheel zu schreiben. In diesem hätte ich, analog zum 10362 Französischen Café, die Berechnungen mit gezeigt – effektiv als komprimierte Version dieses Artikels. Mangels Zeit hatte ich dann verzichtet, da ich dann viele, viele Bilder des Aufbaus hätte rendern müssen. Zwar hätte ich dann das bunte Innenleben des Modells zeigen können, hätte aber zunächst einmal eine grobe Bauanleitung erstellen müssen. Wenigstens das konnte ich mir aus dem Kopf schlagen!
Denn was lernen wir aus der Geschichte? Wenn man einen Artikel für den 1. April schreiben möchte, sollte man es tunlichst vermeiden, dazu ein komplettes MOC zu designen. Das schreibe ich mir jetzt hinter beide Ohren. Da sehe ich es wenigstens nicht.
Eure Meinung!
Was sagt ihr zu dem Konzept hinter dem Wooden Wheel? Sind solche Making-of-Artikel für MOCs für euch von Interesse? Oder reicht es euch, das finale Modell zu sehen? Habt ihr auch schon mal versucht, einen LEGO-Karton zu emulieren? Schreibt eure Gedanken zum Wooden Wheel gern in die Kommentare!














12. April 2026 um 14:39
Ein toller Einblick. Wenn man in so einen Aprilscherz so viel Zeit und Arbeit reinsteckt damit es wirklich echt wirkt muss man, im positiven Sinne, ja ganz schön einen an der Klatsche haben.
Hut ab.
Habe den Artikel zum 01.04. genossen und erst recht jetzt den Bericht über dessen Entstehung.
13. April 2026 um 20:05
Danke! Damit fühle ich mich auch gut beschrieben…
12. April 2026 um 16:26
Welch fantastische Arbeit, das möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen. 🙂
Und hinsichtlich der Zusammengebaut 2026 in Fritzlar möchte ich noch – frei nach Herbert Grönemeyer – anführen: Zeit, dass sich was dreht! 😉
Rundum: Eine runde Sache!
13. April 2026 um 20:06
Der Gute hatte gestern übrigens seinen 70. Geburtstag! Und ansonsten: Wir werden sehen… Oder eben auch nicht.
12. April 2026 um 18:24
Das ist ja mal eine Aufklärung eines sehr gelungenen Aprilscherzes. Sehr großen Respekt für den Macher! Ich habe es für bare Münze gehalten – mich aber ehrlich gesagt, was denn nun in die LEGO-Designer gefahren ist (weil ich nicht auf die Idee gekommen wäre, mir dieses Set zu holen, zu „langweilig“ hätte es gewirkt). Aber mit dieser Story… 😂Wow! Sehr gelungen!
13. April 2026 um 20:06
Danke!
12. April 2026 um 18:56
Auch wenn ich das für ein MOC sicher nicht brauchen werde (bin da einfach nicht aktiv), ist es wirklich spannend zu sehen, wie du vorgegangen bist (da kommt auch der verschüttete Mathematiker wieder raus). Faszinierend, wie viel Entwicklungsarbeit in ein so „unscheinbar“ wirkendes Modell fließt. Auf jeden Fall toller Aprilscherz!
12. April 2026 um 19:22
Auf Zusammengebaut gibt es keine Aprilscherze.
13. April 2026 um 13:03
„There is no war in Ba Sing Se“ – Dai Li
„The Vulcan Science Directorate has determined that time travel is impossible“ – T’Pol
„Auf Zusammengebaut gibt es keine Aprilscherze“ – A. Lehmann
13. April 2026 um 20:07
Auch dir danke! Ich finde es selbst immer wieder überraschend, wie viele Dreiecke ich inzwischen bei meinen MOCs zeichne… Störe meine Dreiecke nicht!