LEGO Icons 10323 Pac-Man Spielautomat im Review

LEGO 10323 Pac-Man Spielautomat

LEGO 10323 Pac-Man Spielautomat | © André Micko

LEGO 10323 Pac-Man Spielautomat im Review: Wie gut lässt sich mit dem neuen Icons Pac-Man Spielautomaten im heimischen AFOL-Zimmer zocken?

Wacka-wacka-wacka-wacka… seit über vierzig Jahren frisst sich Pac-Man durch ein Labyrinth und sammelt Punkte ein, immer auf der Hut, nicht von vier Geistern gefressen zu werden. Das vom Japaner Tōru Iwatani für das Unternehmen Namco entworfene Spiel zog im Mai 1980 unter dem Namen Puck Man als Arcade-Automat in die Spielhallen ein. Einige Monate danach hielt es in den USA Einzug, wo man es in Pac-Man umbenannte. Es stand zu befürchten, dass lümmelhafte Jugendliche das „P“ modifizieren und ein vulgäres Fuck Man aus dem niedlich harmlosen Spiel machen.

Ursprünglich für das weibliche Publikum ausgerichtet, avancierte es schnell zu einem der erfolgreichsten Arcade-Spiele und begeisterte beiderlei Geschlechter. Weltmeisterschaften, Ruhm und Ehre bei Punkterekorden und Einzug in alle möglichen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens folgten.

Eingefleischte Spieler wissen das natürlich. Aber wer wie ich Pac Man einfach ab und zu gespielt hat, ohne tiefer in die Materie einzusteigen, wird erstaunt sein zu hören, dass die ihn jagenden Geister nicht zufällig durch das Labyrinth wuseln. Die in rot, pink, hellblau und orange auftretenden Gegenspieler der an eine Pizza angelehnten Hauptfigur zeigen jeweils ein eigenes Verhalten und haben Namen beziehungsweise Spitznamen. In den USA heißen die vier Blinky (der Rote), Pinky (der Pinke), Inky (Hellblau) und Clyde (Orange). Bei mir weckt das Assoziationen an die Teletubbies, oder auch an Logiktests („Was passt nicht in die Reihe?“).

LEGO hat mit dem Icons Set 10323 Pac-Man Spielautomat eine Version aus 2651 Teilen erschaffen, die für eine UVP von 269,99 Euro zu haben ist. Ich hatte das große Vergnügen, nein, das sehr große Vergnügen, die dänische Variante aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Wacka wacka.

Eckdaten

Verpackung und Inhalt

Das fröhliche Spiel wird als 18+ Set im typischen Design mit schwarzem Hintergrund präsentiert. Rückseitig zeigen Detailbilder einige der Features des Modells.

Im Inneren befinden sich die durchnummerierten Teiletütchen, sowie zwei Technic Grundplatten. Letztere waren mir unbekannt, bis ich vor einigen Wochen -vor Erscheinen des Pac Man Sets- im LEGO Teileshop zufällig darüber gestolpert bin. Hier folgte nun ein unerwartetes und schnelles Wiedersehen mit meiner Neuentdeckung.

Die Anleitung ist in einem Karton gut vor Knicken und Beschädigungen gesichert und umfasst 352 Seiten. Gleiches gilt für den Stickerbogen. Also, dass er gut geschützt im Karton aufbewahrt ist. Nicht, dass er 352 Seiten hat! Sorry, falls jetzt jemand Herzflimmern bekommen hat. Er enthält 18 Aufkleber. Relativ überschaubar, dafür gleich zwei im UCS Format, deren optimale Anbringung immer eine kleine Herausforderung ist.



Der Aufbau

Der Aufbau ist in 14 Bauabschnitte unterteilt und ist fantastisch. Eine tolle Mischung aus in großen Schritten voranschreitenden Systemabschnitten, gepaart mit interessanten funktionalen Umsetzungen mittels Technic-Elemente. Um den ein oder anderen monotonen Schritt kommt man freilich auch hier nicht drum herum, beispielweise wenn 64 der von Pac-Man zu fressenden Punkte aufzubauen sind. Das trübt den Bauspaß dennoch kaum, und so rangiert das Set diesbezüglich für mich auf einem der obersten Plätze.

Aus den Bauabschnitten eins und zwei entsteht das von LEGO als Schaukasten bezeichnete Konstrukt, welches Figuren von Pac-Man sowie den beiden Geistern Blinky und Clyde zeigt. Die heißen auf Japanisch übrigens Oikake („Verfolger“) und weniger schmeichelhaft Otoboke („Dummkopf“).


Die Aufbauhilfe bewirkt, dass die Zahnräder beziehungsweise Platten richtig ausgerichtet sind.

Die übrigen zwölf Abschnitte ergeben den eigentlichen Spielautomaten sowie die kleine Spielhallenszene im Minifigur-Maßstab.

Das Innenleben des Joysticks.



Hier sind die Technic-Ketten zu erkennen, auf denen Pac-Man und die Geister im fertigen Modell ihre Runden drehen werden


Augen zu und durch…





Ein schöner Rücken kann auch entzücken




Probleme beim Aufbau gab es prinzipiell keine. Allerdings bedürfen zwei Auffälligkeiten aus meiner Sicht einer Überarbeitung.

Beim Bau des Zählwerks sind in der Teileliste des entsprechenden Abschnitts zwei 2×2 Rundplatten aufgelistet, von denen jedoch nur eine tatsächlich als Teil vorhanden ist und auch nur diese eine in der Aufbaubeschreibung verbaut wird. Im Zählwerk selbst klafft dann eine Lücke, die mit dem zweiten Teil gut zu füllen gewesen wäre. Funktional führt das zu keiner Einschränkung, da das Zählwerk über Technic-Achse und Buchse an seiner Position gehalten wird. Dennoch wirkt es an dieser Stelle unstimmig.

Wo ist die zweite 2×2 Rundplatte…?


Der zweite Punkt betrifft die seitliche Kurbel. Intuitiv würde ich die Kurbel rechtsherum drehen, wie es in der Anleitung auch dargestellt ist. Dabei läuft Pac Man aber rückwärts. Das ist in der Grafik in der Anleitung korrekt dargestellt, aber sicherlich nicht beabsichtigt. In der Funktionsdarstellung auf der Verpackung wird die Kurbel linksherum gedreht, Pac Man läuft also in die richtige Richtung. Die einfachste Lösung für alle intuitiven Rechtsdreher: die kleine Pac Man Rundfliese um 180 Grad gedreht montieren, und schon passt alles zusammen. Interessant wäre, was LEGO sich hierbei gedacht hat (Notiz an mich: nach Designer-Interview-Termin erkundigen).

Wie rum denn nun drehen…?

Neue, andersfarbige oder interessante Teile

In der Masse an LEGO Teilen und Sets sowie der Verwendung von unterschiedlichen Teilenummern und Farbnamen ist es oft schwierig zu bestimmen, ob ein Teil neu, in der Farbe bereits erschienen oder einfach nur selten ist. In diesem Kapitel will ich daher der Einfachheit halber alle Teile zeigen, die mir in einem Set aus vorgenannten Gründen (neu, interessante Farbe oder selten) zeigenswert erscheinen.



Wodka Martini. Bedruckt, nicht beklebt.

Das fertige Modell



Der dänische Spielautomat ist etwa 40 cm hoch, 17 cm tief und 22 cm breit. Der kleine Schaukasten kann separat platziert oder auf den Automaten gestellt werden. Durch Drücken der auf der Rückseite herausstehenden Technic-Achse drehen sich Pac Man und die Geister. Die Farbverwandlung durch Erscheinen der blauen Rückseite offenbart, dass der Jäger nun zum Gejagten wird. Toll umgesetzt.



LEGO weist in der Set-Beschreibung mehrfach darauf hin, dass der Spielautomat nicht funktionstüchtig ist. Vermutlich um Klagen enttäuschter AFOLs vorzubeugen, die Dank des echt wirkenden Spielfelds erwartet hätten, dass sie Pac Man tatsächlich über den Joystick bewegen und Geister jagen können. Dem ist natürlich nicht so. Dennoch bringt das Set einige coole Funktionen mit, die mich, nachdem ich mich zwar gespannt, aber erwartungsfrei dem Modell angenommen habe, sehr begeisterten.

Der Joystick selbst führt zwar nicht zu Reaktionen auf dem Spielfeld, lässt sich aber in alle Richtungen bewegen. Dank der Gummiteile ergibt sich eine tolle Haptik. Rechts davon befinden sich zwei weiße Knöpfe. Der Vordere ist nur Zierde. Drückt man den Hinteren, leuchtet der angedeutete Münzeinwurfschlitz hell auf. Verantwortlich hierfür ist ein Standard-Leuchtstein, gepaart mit einer interessanten Mechanik. Münzen bedarf es hierbei nicht. Oder anders gesagt, ein Münzeinwurf wäre auch nicht möglich.


Herzstück ist das Spielfeld. Zum einen ist es optisch toll und detailliert umgesetzt, zum anderen kann man ihm über die Kurbel an der Seite Leben einhauchen. Dreht man an dieser, setzen sich, von einer Technic-Kette gezogen, Pac Man und drei Geister in Bewegung und drehen ihre Runden. Das funktioniert tadellos und sieht super aus. Laut einer Info in der Anleitung bestand hier die Herausforderung, dass die Charaktere nicht in den Ecken hängen bleiben. Tausende Testrunden mussten wohl absolviert werden als Nachweis, dass das System funktioniert. Es funktioniert hervorragend und macht großen Spaß, auch wenn sich Jäger und Gejagter nie einholen werden. Der in der Mitte eingeschlossene Dummkopf, oh, Pardon, ich meinte Clyde, bewegt sich dabei auch noch realitätsnah (sofern man das Wort bei einem virtuellen Spiel verwenden kann) horizontal in seinem Gefängnis hin und her.

Die Mechanik von Clyde im Detail

Über dem Spielfeld befindet sich das Zählwerk. Hier muss am Zahnrad selbst Hand angelegt werden, um den Punktestand zu verändern.

Die Rückwand des Arcade-Automaten ist leicht abnehmbar und offenbart einen Blick hinter die Kulissen. Spannend ist die Mechanik allemal, besteht aber im Wesentlichen nur aus einem relativ einfachen Getriebe. Interessant ist das sicherlich, das faszinierendere Spektakel spielt sich allerdings auf der Vorderseite ab. Im Inneren wäre übrigens genügend Platz für einen kleinen Motor, der die Kurbel ersetzen könnte. LEGO selbst nutzt den freien Raum, um das Modell im Minfigurenmaßstab unterzubringen, sollte man es nicht neben das Set stellen wollen.


Hier wäre auch noch Platz für einen Motor…


Vielen Dank an die LEGO Group, die uns dieses Set für unser Review zur Verfügung gestellt hat. Der Artikel gibt jedoch ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.

Fazit

Mich hat der Pac-Man Spielautomat begeistert. Der Aufbau hat super viel Spaß gemacht. Die Spielhallenszene im Minifigurenmaßstab ist nett, wäre aber für mich kein Muss gewesen. Im Gegensatz zum Schaukasten, der dem Automaten im wahrsten Sinne des Wortes die Krone aufsetzt und das Modell perfekt ergänzt. Herausragend in Umsetzung und Wirkung ist der Mechanismus, mit dem kurbelgetrieben die Protagonisten auf dem Spielfeld ihre Runden drehen. Insgesamt eine fantastische Umsetzung eines Klassikers. Ich bin gespannt, wie die LEGO Designer an das Projekt Tetris herangehen…

Bewertung

Positiv Negativ
  • Wacka wacka
  • Tolle Funktionen
  • Super spannender Aufbau
  • Nettes Zubehör: Spielhallenszene und Schaukasten
  • Kleine Mängel im Detail (Anleitung)
  • Zwei Sticker im UCS Typenschild-Format

Eure Meinung!

Habt ihr den Pac-Man Spielautomaten schon zu Hause? Oder liebäugelt ihr noch mit dem Kauf? Wer stand in den 80ern regelmäßig in Spielhallen und hat versucht, bis zum ominösen, nicht spielbaren Level 256 zu kommen? Teilt eure Meinung und euren Highscore gerne in den Kommentaren mit mir!

André Micko

LEGO Technic und Speed Champions Sammler, MOC-Tüftler – alles ist in Bewegung

10 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Schöner Review André! Mir gefällt der Pac-Man Automat recht gut. Ich finde diese Umsetzung um einiges spannender als die des Atari aus dem letzten Jahr. Vor allem die Mechanik des Spielfeldes macht das Set interessant.

    • Danke 🙂 Der Atari ist noch nicht bei mir gelandet, da ich keinen direkten Bezug habe und er daher nicht interessant genug war. Allerdings: mit Pac-Man und dem NES wäre das schon ein eigener Nostalige-Sammlerbereich in der Vitrine (grübel..)… wenn die nur nicht schon am überquellen wäre 🙂

  2. Für mich bleibt’s dabei: Das kleine Extra-Display mit den Ghosts und Pacman würde ich kaufen und als Nerd-Deko ins Regal stellen, aber der Automat an sich wäre mir zu aufgeblasen. Den Gag mit den Ketten nutzt man ja nur ein oder zwei mal und dann steht wieder ein Staubfänger rum, egal wie gut der gemacht ist.

    • Diese Beschreibung passt auf jedes 18+-Modell.

      • Gibt sicher Ausnahmen, so lassen sich die vor allem 18+ Legoland Sets (Retro) auch recht gut bespielen, wenn Kids im Haus sind und das dann „dürfen“.
        Ansonsten absolut richtig, noch erschreckender: Meist sind solche Sets nur in den Augen eines Lego Fans dekorativ, der große Rest schweigt, aber denkt sich seinen Teil 😉
        Aber umgekehrt trifft das generell auch bei anderen Hobbies gerne mal zu, nur das die oft nicht so tief in den Lebensraum ihrer Fans eindringen.

      • @Christoph: die Beschreibung passt auch auf Nerd-Deko 😉

        Ohne den Ketten-“Gag” wären der Aufbau und das Modell wesentlich uninteressanter, zumindest für mich.
        Wenn ich mich zwischen dem aktuellen Set und einer Variante ohne Antrieb entscheiden müsste (bei der es reicht, für das Spielfeld Fliesen auf eine schwarze Platte zu klatschen, und damit -zumindest aus der Nähe betrachtet- sogar näher an der Bildschirm-2D-Optik dran zu sein; und obendrein mit niedrigerer UVP…), wäre es definitiv die Version mit spannendem Innenleben. Obwohl es in meiner Vitrine (um die Staubfänger vor selbigem zu schützen 😉 ) tatsächlich keinen Unterschied macht. Bis auf die Kurbel an der Seite… 🙂

  3. Endlich wieder eine Review von André! Deine Texte sind immer schön zu lesen und deine aufwändigen Beschreibungen toll, um das Set ausführlich zu kennenzulernen.

    • Danke für die Blumen 🙂 Freut mich sehr, dass es neben Susanne und Walli noch einen Fan da draußen gibt 🙂
      Die nächsten Reviews sind in den Startlöchern… (dann wieder Technic)

  4. Hallo,
    ich finde das Set sieht recht cool aus, der Mechanismus interessiert
    mich sehr, aber wie in leider zu vielen Fällen in letzter Zeit
    empfinde ich den Preis der UVP zu weit überzogen. Dafür kommt es
    nicht mal mit Rabatten in meine Sammlung.
    Ich versuche nicht über die Sticker her zu ziehen!
    Ich würde mir wünschen, dass Lego die Preise mal wieder etwas runter
    schraubt, aber da kann ich wohl leider lange warten
    VG und schönen Sonntag Frank

  5. Mir gefällt das Ding, hab Pacman früher auch das ein oder andere Mal gespielt, allerdings am Rechner, nie an einem Automaten (das war zu meiner Zeit schon vorbei). Da ich nie wirklich Fan war, kaufe ich das eher nicht.

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