Das Castrum Ude als Lego MOC – 1000steine.de-Ambassador Dirk Frantzen hat viele Arbeitsstunden in dieses Projekt gesteckt, und eine wunderbare Burg geschaffen: Bilder und Interview.

Dirk Frantzen ist nicht nur Ambassador des größten deutschen Lego-Forums 1000steine.de, sondern auch ein leidenschaftlicher MOCer. Seine aktuelle Lego Kreation ist das Castrum Ude.

Aktueller Hinweis: Dirk stellt die Burg am 21. und 22.Mai in der Ortschaft Oedt, wo auch der Burgturm steht, zum Internationalen Museumstag aus. Ab dem 23. Mai steht die Burg dann in Sankt Augustin im Einkaufszentrum HUMA, bis sie umzieht zur Ausstellung ABSolutSteinchen in St. Augustin (siehe unten).

Der Nachbau der Burg Uda und das angrenzende Gebäude-Ensemble sind beeindruckend. Die zahlreichen Details, die Formen und Farbgebungen überzeugen. Weitere Informationen und Hintergründe hat uns Dirk im Interview verraten.

Castrum Ude: Innenleben | © Dirk Frantzen

Castrum Ude: Innenleben | © Dirk Frantzen

Vorlage für dein MOC ist die Burg Uda am Niederrhein – einzig der Turm aus dem vierzehnten Jahrhundert ist „herausragend“. Von anderen Teilen der Festung steht teils nur noch das Mauerwerk. Entspringen somit Teile der Burg deiner Fantasie, oder hast du alte Bücher gewälzt um genau zu ergründen, wo welches Mauerwerk stand?

Ich habe verschiedene Quellen verwendet und auch ein bisschen Phantasie walten lassen. Der Grundriss sowie die Höhe und Form der Türme entsprechen sehr exakt den wissenschaftlichen Belegen einer Ausgrabungskampagne in den 1960er Jahren. Über das Aussehen der Burg ist ansonsten aber wenig bekannt. Hierzu griff ich auf eine Handwerker-Skizze aus dem Jahr 1623 zurück. Außerdem gibt es in der Region einige besser erhaltene Burgen in ähnlichem Stil, die mir als Vorbilder dienten. Da sich Lego aber eben auch dazu eignet, der eigenen Phantasie freien Lauf zu lassen, habe ich natürlich einige Details hinzugefügt, die so vielleicht nie an der Burg zu sehen waren.

Ein Teil der Burg ist einsehbar. | © Dirk Frantzen

Ein Teil der Burg ist einsehbar. | © Dirk Frantzen

Die Fassade deiner Burg ist beeindruckend – und von der Seite aus kann auch das Innenleben in Augenschein genommen werden. Kannst du dir vorstellen, zukünftig noch etwas an der Burg zu ändern, oder ist das Projekt abgeschlossen?

Die Burg ist an zwei Seiten zum Publikum geöffnet. Auf einer Seite bietet sich ein Blick in eines der Gebäude, auf der nächsten Seite ein Blick in den Burghof. Üblicherweise sind bei Ausstellungen ohnehin nicht alle Seiten dem Publikum zugänglich. Die Burg selbst ist bautechnisch abgeschlossen, eventuell erweitere ich noch die angrenzende Landschaft und baue noch ein Dorf mit Kirche. Derzeit arbeite ich aber nicht weiter an dem Projekt.

Über welches Detail der Burg – egal ob Innen oder Außen – bist du besonders glücklich?

Es gibt eine Reihe von Details, die mir besonders gefallen. Da ist natürlich einerseits die aufwändige Bauweise mit einzelnen kleinen Plättchen die eine sehr schöne Textur der Fassade ermöglichen. Hier bin ich besonders auf die Wassermühle stolz, da ich eine besonders aufwändige Texturierung erreichen konnte.
Ansonsten hat es sich gelohnt, bei den Burgfenstern einen gewissen Aufwand zu betreiben, um sowohl die Butzenscheiben als auch die Schlagladen zu realisieren. Diese Details mögen dem Betrachter nicht gleich als aufwändig auffallen, es war aber tatsächlich ein gewisser baulicher Aufwand notwendig. Ein Detail, das vielleicht nur wenige Betrachter erkennen werden, ist der hängende „Narrenkäfig“ im Burghof.

Planung, Realisierung – kannst du abschätzen, wie lange du für dieses tolle MOC benötigt hast – und womöglich gar, wie viele Steine verwendet wurden?

Die Planung begann mit einem Besuch der Burgruine im September 2015. Ein Gespräch mit einem Vertreter des örtlichen Heimatvereins gab Anstoß zum Bau der Burg. Gleich im Anschluss begann die Planung auf Basis eines kleinen Büchleins, welches mir geschenkt wurde. In dem Heftchen waren die Abmaße des Grundrisses genau beschrieben. Daraufhin habe ich das in Noppen und Platten umgerechnet. Dann konnte es schon losgehen, da ein Teil des Baumaterials (vornehmlich 1×2 Plättchen in dunkelrot, braun und schwarz) immer vorrätig sind.

Hoch hinaus! | © Dirk Frantzen

Hoch hinaus! | © Dirk Frantzen

Nutzt du einen digitalen Planer, oder baust du munter drauf los?

In Excel entstand grob der Grundriss – aber vor allem die Planung der Turmhöhen. Andere digitale Hilfsmittel habe ich nicht verwendet. Vor einigen Jahren baute ich noch gelegentlich mit dem Lego Digital Designer, das ist aber sehr aufwändig und für mich nicht nötig. Wenn ein gewisser Steinevorrat besteht, kann man besser gleich mit dem Prototypenbau beginnen. Später wird dann ab und an umgeplant und das Gebaute teilweise wieder verworfen – aber das ist mit Lego ja kein Problem. Nachdem die grobe Richtung klar war, wurden die ersten Steine bestellt, zum Beispiel für den Turmbau. Dann ging es Schlag auf Schlag und nach circa vier Monaten waren Burg und umgebende Landschaft fertig. Die Steine habe ich natürlich nicht gezählt, aber anhand der Bestellungen kann ich ungefähr abschätzen, dass es so um die 50.000 Teile sein dürften.

Auf diversen Ausstellungen zu sehen: Castrum Ude | © Dirk Frantzen

Auf diversen Ausstellungen zu sehen: Castrum Ude | © Dirk Frantzen

Auf welchen Ausstellungen kann man dein „Castrum Ude“ zukünftig bestaunen?

Die Burg ist seit Anfang des Jahres auf verschiedenen Ausstellungen zu sehen (gewesen), unter anderem bei der Lego World in Dänemark und der SteinCHenwelt in der Schweiz. Als nächstes ist geplant, sie in St. Augustin bei ABSolutSteinchen (04. – 05.06.2016), der 100steine Insel auf Langeoog (04. – 07.08.2016), beim Fanweekend in Skaerbaek (Dänemark, 24. – 25.09.2016) sowie der Fanwelt in Köln (18. – 20.11.2016) zu zeigen. Darüber hinaus steht noch nicht fest, ob ich im nächsten Jahr nochmals mit der Burg auf Tour gehe, oder ob sie ab dann fest ausgestellt wird im Ort Oedt am Niederrhein – dort, wo auch das Vorbild steht.

Herzlichen Dank für das Interview, Dirk.

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