Früher war mal alles Creator 3in1 – Was ging auf dem Weg zur Moderne bei LEGO verloren und warum war das ein echter Verlust?
Es ist wieder Meinungs-Mittwoch und heute möchte ich über ein Thema sprechen, welches mir persönlich sehr am Herzen liegt. Dabei handelt es sich um das Thema Alternativmodelle oder alternative Bauideen und warum wir sie dringend wieder bräuchten.
Inhaltsverzeichnis
Die Spielregeln
Ein Redaktionsmitglied wird wöchentlich zu einem steinigen Thema kompakt seine Meinung kundtun und dabei ganz gewiss mit manch These bei dem ein oder anderen Leser anecken. Daher schieben wir den Stein zu euch, und ihr könnt euch in den Kommentaren selbstverständlich ebenfalls zu diesem Thema äußern. Der Austausch von Gedanken ist sehr wichtig – und das auch, wenn es sich „nur“ um ein gemeinsames Hobby handelt. Folgend meine persönliche Meinung – und nicht die der Zusammengebaut-Redaktion als solches.
Meine Meinung
Wir haben heute eine LEGO-Themenwelt namens „Creator 3in1“, welche uns regelmäßig mit wirklich guten Sets versorgt. Beim Titel 3in1 muss ich jedoch immer denken „es war mal alles bei LEGO 3in1“. Das wirft für mich die Frage auf, warum wir eine eigene Themenreihe brauchen, um unsere Sets umzubauen. Ich bitte das übrigens nicht als Schuss gegen Creator 3in1 zu verstehen, denn die Sets sind wie gesagt oftmals großartig und wenn euch ebendiese Sets interessieren, empfehle ich euch die Reviews unserer Creator-Autorin Frauke.
Schaut man auf die Boxen alter Sets, so findet man auf deren Rückseite in den meisten Fällen einige Vorschläge, was man aus den enthaltenen Steinchen noch so bauen könnte. Dabei ist es egal, welche Themenreihe oder wie groß das Set. Teilweise hatten sogar Polybags mehrere alternative Bauideen. Über die Zeit wurde diese Idee immer weniger verfolgt. Während die Modelle heute so detailliert aussehen, wie nie zuvor, so hat man auch das Gefühl, dass sie inzwischen zu weiten Teile für erwachsene Sammler und deren Regale designt sind und nur einmal aufgebaut werden sollen. Dabei rede ich auch nicht von Sets der 18+ Reihe, sondern von normalen Spielsets. Alles muss so nah wie möglich an der Realität sein, sodass immer mehr winzigste Teile verwendet werden müssen. Ein normaler Baustein ist inzwischen eine echte Seltenheit geworden.
Das sorgt natürlich auch dafür, dass Modelle immer schlechter umbaubar sind. Zumindest für Kinder, deren Baukünste noch nicht so ausgereift sind, wie die von MoC-Meistern. Als Beispiel möchte ich hier die LEGO City Baufahrzeuge nennen. Diese Sets sind grandios, das gleich vorab. Aber sie sind auch sehr „überdesignt“ und ein Kind wird große Schwierigkeiten haben, nicht mit einer eigenen Kreation enttäuscht zu sein, die es aus diesen Teilen baut. Somit kommt es zu einem Effekt, den ich überall im Bekanntenkreis beobachte: Kinder bauen die Sets nicht mehr um.
Doch wann hörte LEGO selbst auf, ihre Sets selbst umzubauen? Nun, das war ein längerer schleichender Prozess. Wie eingangs erwähnt, hatte früher (so gut wie) jedes Set alternative Bauideen auf den Rückseiten der Boxen. Zu diesen Alternativmodellen gab es keine Bauanleitungen (abseits von speziellen Fällen, wie Technik und Model Team) sondern nur ein Bild. Auch das halte ich für durchaus wichtig, dazu aber gleich mehr. Um die Jahrtausendwende kann man beobachten, dass vermehrt Anleitungen als Schritt-für-Schritt Fotos zu diesen Alternativmodellen mitgeliefert werden. Der mutmaßliche Grund dafür waren lt. einiger Insider wiederkehrende Beschwerden, über das Fehlen der Anleitungen. Diese Beschwerden sind per se erstmal vielleicht nachvollziehbar, zwangen LEGO jedoch offenbar auch zu einem Umdenken.
Designer damit zu beschäftigen Sets umzubauen, um mehr Ideen zu liefern, bedeutet für die Firma Extrakosten und nun auch noch Anleitungen designen zu müssen dafür, war dann wohl das, was dem Pferd das Rückgrat brach. So verschwanden alternative Bauideen langsam bis ins Jahr 2006 aus den meisten Sets. An ihre Stelle trat über die Zeit LEGO Creator. Die Themenreihe führte die Idee im Geiste weiter aber ich komme nicht umhin, daran zu denken, was wir auf dem Weg verloren haben.
Tatsächlich baue ich hin und wieder ganz gern ein Alternativmodell aus meinen Sets und heute wie damals merke ich, dass ich dabei dazu tendiere von der originalen Idee abzuschweifen und die Idee weiterzudenken. Als Kind habe ich diese alternativen Bauideen oft als Inspirationen genutzt, um eigene Kreationen zu bauen. Dazu war es ebenfalls eigentlich hilfreich, dass man nur ein Bild zur Verfügung hatte und es entsprechend gar nicht mal so leicht war, gerade bei größeren Sets, tatsächlich zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Gründe dafür sind zum einen natürlich die gewisse Challenge die es zu bewältigen galt und zum anderen sorgte es eben dafür, dass man im Zweifel die Ersatzteilkiste zu Rate zog und erweiterte. Ich erinnere mich sehr gut, wie ich als Kind eine Küche bauen wollte, weil ich eine Bautechnik aus einem Alternativmodell lustig fand und über den Prozess ist dann eine große Ritterburg daraus geworden. Die Anwesenheit solcher Modelle bietet daher meiner Ansicht nach einen immensen Mehrwert und Sets von damals fühlen sich so zusätzlich wie Baukästen an. Du kaufst kein Set, wenn du dir das Black Monarchs Castle zulegst, du kaufst eine ganze Welt, in die du abtauchen kannst. Und das ist der Geist von LEGO, der mit dem Verschwinden der Alternativmodelle verloren gegangen ist.
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Anbei noch ein Top-Tipp, der echt tiptop ist, falls ihr etwas stöbern wollt in alternativen Bauideen: Back Of The Box Builds.
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Eure Meinung!
Wie seht ihr das? Findet ihr auch, dass wir etwas verloren haben, als die alternativen Bauideen von uns gingen? Schreibt eure Meinung gern in die Kommentare!





27. Mai 2026 um 10:18
Kommt wohl drauf an. Es gibt auf Facebook diverse Auswüchse des Themas und weder die „Ich habe das Set zweimal gekauft und aus einer kleinen Burg eine große gemacht.“ noch die „Jedes Set ist ein Millenium Falken.“ Variante locken mich hinterm Ofen vor. Selten sind da Dinge dabei, wo ich mir sage „Da hätte ich mal drauf kommen müssen!“ die ich wirklich witzig, anspruchsvoll oder sonst wie gelungen finde. Für mich selber denke ich da wohl eh zu kompliziert. Für manche meiner Ideen müsste ich viel zu viele verschiedene Sets kaufen und die Teile zusammenwürfeln, denn diese einfachen Varianten würden mich nicht befriedigen. Vielleicht wäre das anders, wenn ich da als Kind hineingewachsen wäre und dann hätte das sicher Spaß gemacht, Westernstädte und Pirateninseln zu erweitern und anders zu kombinieren, aber insgesamt vermisse ich das nicht. Ich ärgere mich tatsächlich dann eher über die nachlassende Qualität der Zweit- und Drittmodelle bei Creator 3in1. Oftmals ist da mein Eindruck, dass LEGO das Pferd von hinten aufzäumt und eines der Alternativmodelle, etwas verfeinert und größer, der bessere Ausgangspunkt für das Set gewesen wäre. Manchmal fehlt nur eine Handvoll Teile und man hätte das auf den Kopf stellen können und alle Modelle wären dann besser. Es bleibt aber so oder so einfach die Sache, wie weit man nun bei MODs und MOCs gehen will und was das Ziel sein soll.
27. Mai 2026 um 10:19
Schöner Artikel, der bei mir einen Nostalgieschub erzeugte. Ich würde die alten Alternativmodelle aber als „Serviervorschläge“ bezeichnen und deutlich von den 3in1-Sets unterscheiden. Das eine waren nur einzelne Bilder als Ideen fürs Umbauen, das andere voll ausgereifte Alternativsets mit Bauanleitung.
Früher war dieser Unterschied gefühlt kleiner als heute, denn früher waren die Bauanleitungen anspruchsvoller. Keine Teilelisten pro Bauschritt und oft viel mehr Teile pro Bauschritt. Bei den uralten hellgrauen Burgen war jeder Bauschritt ein Suchbild.
That being said, die „Serviervorschläge“ waren eine tolle Sache. Damals hatten sie auch Platz auf oder eher im Karton, weil die Kartons noch Deckel zum Aufklappen hatten und damit viel mehr Präsentationsfläche. So ein altes Piratenschiff von 1989 zeigte noch seine schönsten Teile in extra geformten Plastik-Inlays her, hatte per Pappwänden unterteilte Kartons mit Aufklappdeckel und Plastik-Abdeckung unter dem Deckel.
Heutzutage zeigt ein Karton vorne die Hauptansicht, hinten eine andere Ansicht und ein paar Details und fertig. Kein Aufklappdeckel, kein Platz mehr für Alternativideen. Vielleicht noch in der Bauanleitung.
27. Mai 2026 um 10:42
Naja lego will halt das die leute neu kaufen und nicht umbauen. Da hat sich die dänische Anwaltskanzlei gut entwickelt.
27. Mai 2026 um 10:44
Ich muss sagen, dass ich trotz der seinerzeit auf den Sets gezeigten Alternativmodellen nie versucht habe diese nachzubauen. Da stand für mich immer das Originalmodell im Vordergrund. Unabhängig davon habe ich dann eher mit noch verfügbaren Legosteinen weitere eigene Modelle gebaut. Wofür seinerzeit häufig die gelbe Ritterburg als „Steinbruch“ herhalten musste. Aber auch diese ist wiederkehrend als Originalmodell auferstanden.
27. Mai 2026 um 12:10
Ja besonders bei lego Ritter (fan) war es interessant. Aber meist war man zu faul diese versucht nach zu bauen. Oder wenn man selbst ideen hatte man besten falls diese als Inspiration genutzt.
Ich war auch ein großer fan von den ideen Büchern/Hefte die es früher gab meistens aren aber die coolen. Sachen nicht als Anleitung dir. Sondern eins der weniger interessant sachen.
Aber mein größter Spaß war als ich von mein Eltern zu Weihnachten ein set der Gelben Lego Burg, also die erste Burg die es gab. Bekommen hab. Das set war gebraucht, klar war ja auch nur wenig älter als ich. Es war leider nicht vollständig und es fehlte die Anleitung, aber der Karton war da. Das war ein Spaß die versuch nach zu mindest eins der vorlage zusammen zu bauen.