Mit dem LEGO Ideas 21356 Flussraddampfer erscheint am 7. April ein ungewöhnliches Set, das die Dampfschifffahrt auf dem Mississippi feiert!
Es ist wieder einmal so weit: Ich durfte ein Set aufbauen (diesmal einen Flussraddampfer, öfter mal was Neues) und habe mich im Gegenzug verpflichtet, es zu rezensieren. Gleichbedeutend mit kritisieren, oder ich müsste lügen. Zudem dauert es in der Regel mehr als drei Wochen, eine gute Impromptu-Rede vorzubereiten, was wir ohne Weiteres auf Videoreviews ausdehnen können. Leider auch auf geschriebene…
Problem: Die Deadline rückt unaufhaltsam näher, trotzdem sollte sich das Review ja gut lesen lassen. (Soll es?) Und da Schlagfertigkeit etwas ist, woran wir vierundzwanzig Stunden zu spät denken, tat ich wohl daran, es nicht bis zum Äußersten kommen zu lassen, und die Linie des Todes unbeschadet zu erreichen. Eben drum braucht so ein Review gehörig Zeit, denn der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem fast richtigen Wort ist der Unterschied zwischen dem Blitz und dem Glühwürmchen. Mal schauen, ob es nun doch zum Klassiker reicht, denn ein Klassiker ist etwas, das jeder gelesen haben möchte und das niemand lesen will. Darin erkenne ich meinen Review-Schreibstil aufs Fürtrefflichste beschrieben! Zumindest, was den zweiten Teil des Satzes angeht…
Somit präsentiere ich euch nun mit wohldurchdachter Eloquenz den LEGO Ideas 21356 Flussraddampfer, der am 10. April 2025 erscheinen wird. Insider können ihn bereits am 7. April erwerben, beide Käuferklassen müssen aber dieselbe Summe hinlegen: 329,99 Euro für die 4090 Teile. Zweifelsohne wird also jeder Käufer vom Wohlstand in die Armut aufsteigen. Aber was brächte es, euch weniger Geld abzuknöpfen, oder gar zu beschenken? Wenn du einen hungrigen Hund aufnimmst und ihm Wohlstand verschaffst, wird er dich nicht beißen. Das ist der Hauptunterschied zwischen einem Hund und einem Menschen. Also: Geh nicht herum und sage, die Welt schulde dir den Lebensunterhalt. Die Welt schuldet dir nichts. Sie war zuerst da.
Zurück zum Set: Als Ideas-Modell basiert der Flussraddampfer auf einem Entwurf des Fandesigners Aaron Hall (CTDpower). Das Set wurde erst im zweiten Anlauf umgesetzt, was man dann wohl den Hall-Effekt nennt.
Inhaltsverzeichnis
Eckdaten
- Thema: LEGO Ideas
- 4090 Teile
- 329,99 Euro UVP
- 0 Minifiguren
- Release am 10. April 2025 (Insiders-Vorverkauf ab dem 7. April)
- Zur Bauanleitung 🗺
- Im LEGO Online Shop 🛒
Setumfang


Der ausgesprochen dicke Karton kann es definitiv mit jeder wohlhabenden Dame aufnehmen – die man freilich nicht so nennen dürfte. Wohlhabend, meine ich. Was denn auch sonst. Leider ist er ähnlich wenig ästhetisch (was man auch besser verschweigt), zeigt er den Dampfer doch nur vor dem typischen, schwarzen Hintergrund. Wenn man bedenkt, dass das Konto der Käufer nach dem Kauf definitiv keine schwarzen Zahlen mehr zeigt, ist das doch der pure Hohn, oder? Tatsächlich wäre eine Zeichnung des Mississippis wesentlich schöner gewesen. Die Rückseite ist ähnlich dröge, zeigt aber die Funktionen des Sets.
Der Inbegriff der Schönheit sind aber die 32 papierbasierten Tüten, von denen die ersten in einem separaten Karton verpackt sind. Erinnert ihr euch noch, wie das war, als man durch den Kunststoff schon seltene oder neue Teile erspähen konnte? Als das Auspacken noch ein Erlebnis war? Leider hat LEGO unter der Vorgabe umweltfreundlichen Handelns die Tüten in immer mehr Sets ersetzt, hier verbleiben nur noch die beiden aus einem anderen Kunststoff bestehenden Beutel mit den großen Teilen.
Daneben liegen fünf Teile des Bootsrumpfes lose bei, nebst der 468 Seiten starken Anleitung und dem Stickerbogen in einer Papierhülle. Die Existenz eines Stickerbogens ist doppelt bedauerlich: Einerseits ist das Set alles andere als kostengünstig (wobei der Preis an sich durchaus angemessen ist), andererseits hätte es der Sticker nicht bedurft, hätte man die Designs bereits vorhandener bedruckter Teile genommen und nur ein oder zwei weitere Teile neu bedruckt.
Wie bei 18+-Sets üblich, führt die Anleitung zunächst den Fandesigner und seinen Entwurf ein, bevor dann ein Bild eines echten Mississippi-Dampfers gezeigt und auf die Features des Modells eingegangen wird. Ich war nie sonderlich Fan des stadtartigen Layouts dieser Schiffe (anders bei Kreuzfahrtschiffen oder dem Great Eastern), bin dagegen aber stark interessiert an ihrer Technik und historischen Relevanz. Von daher war es für mich besonders spannend, welche der beiden Eigenschaften zum Schluss überwiegt, wenn ich das finale Modell vor mir sehe. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg (für euch zu lesen), denn erstmal widmen wir uns dem Aufbau.
Aufbau
Ich denke, es erstaunt niemanden, zu lesen, dass wir das Schiff Deck für Deck und von unten nach oben bauen. Zunächst kommt das Kesseldeck, dann das Haupt- und Texasdeck, gefolgt vom Ruderhaus und einigen Aufbauten.
Kesseldeck
Maschinenraum
Bereits direkt der Anfang des Aufbaus bietet interessante Abschnitte, beginnend mit dem Rad, das später das Schaufelrad antreiben wird. Das Rad ist dabei an nur einseitig befestigten Liftarmen angebracht, sodass es, gravitativ beschleunigt, immer Bodenkontakt hält. Die Zahnräder übertragen das Drehmoment später zur Dampfmaschine.
Schon nach wenigen Bauschritten werden die Dimensionen des Schiffes deutlich: Die vier geraden Rumpfteile (95227) und der Bug (64651) allein nehmen 45 Noppen ein. Übertrieben? Durchaus, wenn man die künftige Länge des Mississippis berücksichtigt: Im Zeitraum von einhundertsechsundsiebzig Jahren hat sich der Mississippi um zweihundertzweiundvierzig Meilen verkürzt. Daher … war der Mississippi im Silur über eine Million dreihunderttausend Meilen lang … in siebenhundertzweiundvierzig Jahren wird der Mississippi nur noch eine Meile und drei Viertel lang sein. … Die Wissenschaft hat etwas Faszinierendes an sich. Man erhält so gesunde Ergebnisse aus Vermutungen auf Basis einer so unbedeutenden Investition an Fakten.
Die Formteile waren dem Fandesigner besonders wichtig, als Hommage an die Piratenschiffe seiner Kindheit. Ich finde aber, dass sie zu schmal für den Raddampfer sind, und da sie bereits nicht mehr im Sortiment enthalten waren, hätten ebenso gut breitere Rumpfelemente designt werden können. Wenn allerdings während der Laufzeit des Dampfers weitere Schiffe erscheinen sollten, die diesen Rumpf brauchen, könnte auf diese Weise der Gestaltung neuer Elemente vorgebeugt werden.
Mit hauptsächlich schwarzen Teilen, wie etwa einem langen Rohr, werden Maschinendetails gebaut, die später aber komplett unsichtbar sind. Ich verstehe, dass solche Details, die nur beim Bau sichtbar sind, Manchen ein Dorn im Auge sind, da sie zusätzliche Teile benötigen. Ich finde aber, dass sie den Aufbau abwechslungsreicher gestalten, und erfreue mich daran. Nebst den Rohren und parallel dazu wird auch die Achse gelegt, die später das Ruder mit dem Steuerrad verbindet, und sich einmal quer durch das ganze Modell zieht. Intelligent Design, anders kann es nicht sein. Eine komplexe Aufgabe kompliziert gelöst, statt einfach das Ruder direkt hinter das Steuerhaus zu bauen – oder dieses in den Rumpf. Problem gelöst! Außerdem, wer mag schon Steuern?
Zum Schluss wird der größte Teil des Maschinenraums mit Platten kurzerhand zugebaut. Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass das Modell an dieser Stelle gut aussieht…
Museum und Küche
Der nächste Handgriff, den wir im Handstreich vollziehen müssen, ist die Kachelung des Decks, schön altmodisch in Holzoptik. Gemessen an der Farbe des Mississippis könnte es aber auch sein, dass der Dampfer schon mal leckgeschlagen ist und wir hier die Reste davon sehen…
Als nächstes wird das Antriebsrad mit einer Pleuelstange verbunden, die die Rotation in eine Translation übersetzt, um den Eindruck einer echten Dampfmaschine zu ergeben. Am Heck folgt das Ruder, beide über diverse Technic-Teile angetrieben. Ich mag es immer, Technic- und System-Teile zu kombinieren, um Modellen Bewegung zu verleihen, hier ist das nicht anders. Dazu wird der Aufbau gleich viel abwechslungsreicher, wenn man zwischendurch ein paar Mechanismen bauen kann.
Eine feuerrote Achse durchstößt dann das Schiff, an deren Enden zwei um 90 Grad gegeneinander versetzte Exzenter angebracht sind, die später als Kurbeln das Schaufelrad antreiben. Dafür wird nun schon mal die weiße Halterung eingebaut, die deutlich fragiler aussieht als gesund wäre. Trotzdem hält sie zum Schluss das Gewicht des Rades aus. Man muss also nicht einmal stabil gebaut sein, um kräftig zu sein!
Eine der vielen schönen Ideen bei dem Raddampfer ist der Umstand, dass die Technik komplett sichtbar gelassen wurde, um sie als Dampfmaschinenmuseum nutzen zu können. Ein Sticker (eines jener Teile, die ich mir bedruckt gewünscht hätte) erklärt die Funktionsweise eines Kolbens, während eine gläserne Galerie verhindert, dass jemand den Antrieb der Dampfmaschine stört. So ein kleiner Kaugummi hie und da ist doch kein Verbrechen… Und wenn er lilafarben ist und den Antrieb tief verklebt, dann ist es Deep Purple, und sorgt für Smoke on the Water…
Zur Linken folgt ein funktionsfähiges Demomodell eines Einzylindermotors, wie er auf der Skizze abgebildet ist. Das Gebilde daneben interpretiere ich als einen Brennofen. Das offene Feuer ist aber nicht unbedingt der Inbegriff der Sicherheit… Obwohl – so wird sicher für einen Brand gesorgt… Ich wüsste aber gern, wie laut es in dem Museum ist, wenn all die Maschinen laufen. Allerdings: Lärm beweist nichts. Oft gackert eine Henne, die nur ein Ei gelegt hat, als ob sie einen Asteroiden gelegt hätte. Von daher sollte man die Funktionalität einer Maschine nicht aus ihrer Soundkarte herleiten…
Nun fliesen wir auch den größten Teil des restlichen Decks, bis auf den Raum, der später die Küche wird. Da dies der einzige ungeflieste Teil im ganzen Schiff ist, wirkt das etwas unvollständig.
Nun folgt am Eingang des Museums eine nachgebildete Dampfmaschine, die den Brennwert eines Hotdogbrötchens (25386) zum Antrieb zu nutzen scheint. Die Achse links gehört zum Ruder und führt an dieser Stelle aus dem Maschinenraum nach oben.
Auch die Küche ist sehr detailliert eingerichtet, so verfügt sie über einen Kühlschrank, eine Spüle, einen Herd mit Ofen, eine Spülmaschine und einige Regale. Für einen besonders realistischen Touch sorgen die Schlote der beiden Schornsteine, die sich ordnungsgemäß durch das ganze Modell ziehen.
In Beige und Dunkelbraun werden die Räumlichkeiten nun mit Wänden umgeben, wobei die 2024 neu erschienene Holztür (5466), von der vier im ganzen Set genutzt werden, den Zeitgeist klassischer Flussraddampfer besonders gut einfängt. Auch wird eine Treppe zum Hauptdeck eingebaut.
Im hinteren Teil des Schiffes haben die Designer auf eine holzvertäfelte, verwitterte Optik gesetzt, indem Kacheln an SNOT-Steinen befestigt wurden. Innen werden noch zwei Sticker – ein sehr schöner Riss des Dampfers (Think, don‘t sink!) und ein Schild, sich vor der Technik in Acht zu nehmen – angebracht. Da bei City jüngst mehrere Blaupausen von Sets erschienen sind, die sämtlich bedruckt wurden, ist die Nutzung eines Aufklebers hier doppelt unschön. Das Design an sich gefällt mir aber hervorragend! (Denn wer mag es nicht, blau zu sein?)
Mit einer Schicht Kacheln wird ermöglicht, dass das darüberliegende Deck sehr einfach abgenommen werden kann.
Außenbereich
Nun wird der Aufbau zum ersten Mal etwas repetitiv, ohne darum weniger Spaß zu machen. Insgesamt zwölf weiße Säulen sind zu bauen, die dazwischen das Geländer halten. Für die Krümmung nutzen wir neue Curved Slopes (6801) in Weiß, die 1 x 6 Noppen messen.
Parallel wird der Boden der darüber liegenden Galerie gebaut, dann ist das Kesseldeck abgeschlossen.
Hauptdeck
Bar
Der erste Teil des Hauptdecks umfasst eine Bar, der man von außen ihre Bestimmung nicht ansieht, stattdessen wirkt sie dröge genug, dass die Dame ihrem Gatten gern erlaubt, da mal kurz hineinzugehen… Die Einrichtung ist aber äußert gelungen, eine Jazzband spielt den Gästen auf. Wagners Musik ist besser als sie klingt, ganz wie Jazz. Besonders erfreut bin ich, dass neben einem Saxophon (13808) auch ein Bass (80444pb01) beiliegt, der (ist‘s denn zu glauben?) aus dem 10312 Jazzclub stammt! Viel besser ist aber noch die Tischdecke, die genialen Nutzen aus Zuckerguss (65700) zieht! Yes! Also, Jazz! Auch der Sticker auf dem Drumkit gefällt mir, auch wenn er an sich nicht erforderlich ist. Das Amelia-Schild zu beiden Seiten ist dagegen bedruckt. Die Farbe der Bar ist zweifelsohne der des Mississippis nachempfunden, und so spielt hier wohl Muddy Waters.
Leider müssen wir die Bar fix auf das Heck bauen, was den Blick auf die Maschinerie darunter beeinträchtigt. Bar jeder Vernunft.
Galerie
Siebzig Teile! In einem einzigen Bauschritt wird der Großteil des Geländers der Galerie gebaut, wobei die vorgeschlagene Reihenfolge (erst die Teleskope an den Kacheln befestigen, dann alles am Schiff) schnell dafür sorgt, dass das eine oder andere Teleskop abfällt. Und da Teleskope kein Abfall sind, rate ich dazu, erst sie anzubringen und die Kacheln dann daraufzusetzen.
Nachdem die Zäune fertiggestellt sind – gerade einmal 176 Teleskope wollen im ganzen Schiff verbaut werden – folgen die Bögen der Galerie, die weiße Kotflügel (62361) und Blätter (32607) als Dekoelemente einsetzen. Schließlich bekommt die Treppe noch einen schönen Eingang zum Deck, oben dekoriert durch ein weißes Croissant (67338). Ob das auf die französische Vergangenheit Louisianas anspielen soll?
Etwas störend sind aber die nur halb verdeckten Noppen des Zaunes auf dem Hauptdeck, was oben für das Texasdeck deutlich schöner umgesetzt wurde. Ich weiß nicht, warum nicht auf am Hauptdeck eine 2 x 2-Macaronikachel (27925) genutzt wurde statt der 3 x 3-Version (79393), zumal letztere nur hier genutzt werden.
Restaurant
Das Restaurant verfügt über einen gefliesten Fußboden in Braun, Dunkelorange und Beige, der mir hervorragend gefällt. Trotzdem ist der Raum sehr schmal, was ihn eher wie einen Korridor erscheinen lässt denn wie ein gemütliches Restaurant.
Der Durchgang zur Treppe kann nur genutzt von denen werden, denen das Essen nicht geschmeckt hat (deshalb ist links noch eine Tür, der Koch ist zu gut). Die einzige Möglichkeit, seine Gesundheit zu erhalten, besteht darin, das zu essen, was man nicht will, das zu trinken, was man nicht mag, und das zu tun, was man lieber nicht tun würde. Man wird also dazu animiert, gesund zu bleiben! (Einen Rauchsalon gibt es aus demselben Grund ja auch nicht…) Auch hier haben wir die Schornsteine, die hinter der Holzvertäfelung versteckt sind. Essen am Essen!
So schmal das Restaurant auch ist, der Detailgrad ist fantastisch! Alles wirkt luxuriös, edel und gediegen. Für die hölzernen Lehnen wurden Kurvenscheiben (6575) genutzt, die erst seit 2022 in Braun existieren. Dazu haben wir Tulpen (5903) als Tischdeko, eine umgedrehte Rose (5904) als orangefarbenen Pudding und, besonders schön, Lampenschirme (5686) in Satin-Trans Clear. Letztgenanntes Teil erschien bisher nur als Teil des Dragonborn Paladin aus der CMF-Serie zu Dungeons & Dragons, passt hier aber perfekt hin.
Der Durchgang zur Bar ist sehr schmal und daher nur mit einem Bild, der Speisekarte, und einem Werbeplakat der Jazzband dekoriert. Alle drei Motive sind Sticker, sodass stattdessen auch weniger spezifisch bedruckte Teile hätten genutzt werden können. Für die Speisekarte etwa ist im 10350 Eckhaus im Tudorstil gerade erst eine schöne Version (26603pb469) erschienen, die sich auch hier perfekt machen würde.
Nun bekommt das Restaurant noch einen Abschluss aus hellgrauen Kacheln, dann ist es fertig. Aus dieser Perspektive könnt ihr auch die Türen, Außenlampen (aus Diamanten, 30153) und die Treppe aufs Texasdeck sehen. Letztere ist mit 1 x 4-Rundplatten (77845) gebaut, die eine schöne Wirkung nur dann entfalten, wenn man es schafft, sie perpendikulär zur Wand auszurichten. Mir ist es nicht gelungen. Leiter. Äh, leider. (Autokorrektur bei einem Schiff?)
Nun wird das Deck in die Galerie eingesetzt, in das es sich nahtlos einfügt. In die Mitte kommt nun noch die Achse für das Ruder, für das ein neuer Achsverbinder eingeführt wurde. Dieser gleitet nur lose auf die Achse und ermöglicht es damit, die Etagen abnehmbar zu behalten, aber Drehmoment hindurch übertragen zu können. Leider habe ich versäumt, das Teil separat zu fotografieren, ihr könnt es aber auf den Bildern zum Gesamtmodell später erkennen.
Texasdeck
Kajüte
Das texanische Deck ist in Weiß gehalten, mit einem gefliesten Fußboden in Schlammbeige. Der Mississippi scheint ganz schön hohe Wellen geschlagen zu haben, wenn er bis hierher reichte! Spielt man eine Etage tiefer doch eher New Wave?
Die Kabine und das Bad für die Schiffscrew gehören zu den detailliertesten Teilen des Raddampfers und haben mir richtig Spaß beim Bauen bereitet. Besonders begeistert mich die Idee, einen Kugelschreiber (35809pb03) als Wasserhahn zu nutzen. Kommt da dann Tinte heraus? Die bloße Tinte, mit der alle Geschichte geschrieben wird, ist nichts als ein flüssiges Vorurteil. Ebenso witzig ist der Umstand, dass die Rolle Toilettenpapier ganz klassisch mit einem 1 x 1-Rundstein (3062) umgesetzt wurde, das unlängst eingeführte Technic-Panel (89679), das oft diesem Zweck dient, hier aber ein Handtuch darstellt. Wobei – beschwören möchte ich es nicht…
Nur etwas fehlt: die Seife. In Marseille wird die Hälfte der Toilettenseife hergestellt, die wir in Amerika verbrauchen, aber die Marseiller haben nur eine vage theoretische Vorstellung von ihrer Verwendung, die sie aus Reisebüchern gewonnen haben. Oder verbrauchen die Amerikaner keine Seife? Immerhin ist die Hälfte von Null immer noch Null, also der Satz nicht minder wahr. Da der Spiegel aber nur einen matt reflektierenden Sticker nutzt, fällt die mangelnde Hygiene niemandem auf.
Auch die Koje gefällt mir ausgesprochen gut, so eng auch alles in dem Raum ist. Da aber nur die Crew hier schlafen soll, ist Komfort ja nicht nötig. Die Crew kommt auch so schon genug fort. Ich frage mich aber, ob die Flussraddampfer damals wirklich nur so kurze Strecken zurückgelegt haben, dass die Passagiere keine Kabinen brauchen, meiner Erinnerung aus diversen Romanen dazu lässt das jedoch unwahrscheinlich erscheinen. Daher denke ich, dass eher aus Platzgründen keine Kabine für sie umgesetzt wurde.
Schornsteine und Deckaufbauten
Nachdem nun auch The Doors das Schiff betreten haben, sind die Räumlichkeiten des Texasdecks fertig, davor (achtern) errichten wir zwei Masten. Das angedeutete Oberlicht ist leider unten herum zugebaut und lässt keinen Blick in die Bar zu. Man muss also doch Eintritt zahlen, um die Band sehen zu können…
Am Vorderteil des Decks werden nun die Schornsteine errichtet, die dem Dampfer nochmal Einiges an Höhe geben. Wie auch dem Foto. Leider fehlte bei mir einer der schwarzen Rundsteine (92947, dafür war eine hellgraue 1 x 6-Kachel übrig), in der Sammlung ließ sich aber glücklicherweise noch einer finden. Ich nehme an, LEGO hat etwas gegen mich?! Wie auch immer: Wir sollten darauf achten, aus einer Erfahrung nur die Weisheit herauszuholen, die in ihr steckt – und dabei zu bleiben, damit wir nicht wie die Katze sind, die sich auf eine heiße Herdplatte setzt. Sie wird sich nie wieder auf eine heiße Herdplatte setzen – und das ist gut so; aber sie wird sich auch nie wieder auf eine kalte setzen.
Und wer hätte es gedacht, dass der Dampfer Made in China ist? Oder was soll der Strohhut (93059) vorn sonst symbolisieren? Die sino–amerikanische Freundschaft? Lächerlich! Ah, jetzt verstehe ich: Das ist ein Teaser für One Piece! Wie auch das eine Fehlteil, nehme ich an?
Eine der in meinen Augen besten Ideen an dem Set ist auf den ersten Blick kaum als solche zu erkennen: Das 1750 Millimeter lange Seil, das durch diverse Ösen (77813) geführt wird, muss nirgends verknotet werden! Beim 21350 Weißen Hai (auch so ein Ideas-Schiff – werde ich für diese gerade zum Zusammengebaut-Experten?) hatte ich bemängelt, dass das Seil zu kurz ist, wenn man es großzügig anknotet. Hier wird das Seil stattdessen in ein Technic-Kreuzachsenloch gesteckt und mit einer 3,18-mm-Stange (32828) festgesteckt. Das hält tadellos und vermeidet Knoten, was mir das Ergebnis noch ansprechender erscheinen lässt! – Und nein, ich bin nicht so paranoid, zu glauben, ein Seil spräche mit mir. Allenfalls der Seiler… Schließlich bin ich gebildet, und ich habe nie zugelassen, dass meine Schulzeit in meine Bildung eingreift. Denn zunächst schuf Gott die Idioten, das war zum Üben, dann schuf er die Schulbehörden.
Das gesamte Texasdeck wird von einem Geländer umfriedet, das versehentlichem Fallen in den Mississippi vorbeugen soll. In zwei Schritten werden die Teleskope und Ornamente angebracht. Und jetzt erkläre mir bitte jemand, warum die Reihenfolge der Teile in der Anleitung unterschiedlich ist!
Nachdem nun alle Teleskope verbaut sind, sieht das Deck richtig gut aus, und auch die Rundung vorn wurde ordnungsgemäß ohne sichtbare Noppen umgesetzt! Auch weibliche Rundungen wollen ja zumindest so weit verdeckt werden, nicht wahr?
In der Gesamtaufnahme dürft ihr gern einmal nachmessen, ob das Seil wirklich 1750 Millimeter lang ist. Wie? Ganz einfach, ihr zählt die Noppen in jede Richtung, rechnet sie in Millimeter um, und wendet trigonometrische Funktionen an, um die Längen der Dreiecksseiten berechnen zu können. Mit dem Satz des Pythagoras ginge es auch, aber nicht so… elegant. Was man eben unter Eleganz versteht.
In der Backbordansicht zeigt sich, dass die Kabinen hier etwas gerade abgeschnitten wirken. Ein Bild (etwa eine Karte des Mississippis) hätte hier Wunder gewirkt, um noch ein paar Details ins Modell zu bringen.
Ruderhaus
Als letztes Deck bauen wir das Ruderhaus, das ganz oben sitzt. Leider werden für die (viel zu niedrige) Reling Flexschläuche genutzt, die so rigide sind, dass sie beim Biegen die Clips (15712) gegen die Kacheln des Fußbodens pressen und diese potentiell deformieren. Fragt mich aber bitte nicht, warum ich den Schlauch vorn vergessen hatte… Jedenfalls wird die Achse des Ruders, die brav durch das ganze Schiff geführt wurde, hier nun auf das Steuerrad (2819) umgelenkt, und zwecks Zugänglichkeit auch auf einen Knauf vor dem Ruderhaus. Dank Hand-of-God-Steuerung kann nun Gott selbst zurückrudern!
Hinsichtlich der Einrichtung hat man sich aber in Griechenland bedient. Unbestätigte Gerüchte besagen, dass die Poleis schon damals so arm waren, dass sich Sparta kein Mobiliar leisten konnte, und die Vereinigten Staaten hätten nicht nur die Demokratie aus der Hellas übernommen…
Das Dach ist leider nicht abnehmbar, aber schön verziert. Gekrönt wird es von zwei Dampfpfeifen (Schornsteine werden es vermutlich nicht sein), damit auf dem Fluss jeder nach der Pfeife des Kapitäns tanzt.
Zu guter Letzt fügt sich das Ruderhaus gut in die Klappen der Leitern ein, die zu beiden Seiten der Kabine hochführen. Die viel zu geringe Höhe des Geländers wird aber einmal mehr deutlich.
Schaufelrad
Nachdem wir sehr lange (fast) nur mit Systemsteinen gebaut haben, wird es nun wieder Zeit für ein wenig Technic. Moment. Wenig? Fünfundfünfzig schwarze 2L-Achsen (32062) wollen in einem einzigen Schritt mit dreiunddreißig roten Panels (71682) verbunden werden, um elf der zwölf Schaufelblätter zu ergeben. Ach richtig, das sollte ein Raddampfer werden…
Eine lange Weile später, die uns nicht einmal eine Handvoll Seiten in der Bauanleitung weitergebracht hat, sind die Module zusammengebaut und bereit, zum Schaufelrad zu werden. Der Zeigefinger spürte noch zwei Tage später die Belastung – ich fürchte, zum Technic-Bauer werde ich nie…
Nun aber ist der äußere Teil des Rades fertig. Fehlt nur noch die Nabe.
Und auch diese ist bald gebaut und kann mit dem Außenteil verbunden werden. Das Ergebnis ist ein extrem massives Schaufelrad, das unglaublich realistisch wirkt. Die Mühe hat sich gelohnt!
Und nun können wir das Rad endlich einsetzen, über Pleuelstangen mit den Exzentern des Antriebs verbinden, et voilà!, das Rad dreht sich beim Schieben des Schiffs! Sogar richtig herum, ganz falsch gebaut scheine ich es nicht zu haben. (Es war doch so, dass Schiffe rückwärtsfahren, richtig? Schließlich haben sie ein Ruder, und beim Rudern legt man den Rückwärtsgang ein, nicht wahr?)
Weitere Deckaufbauten
Anker
Zum Schluss werden noch einige Details am ganzen Schiff ergänzt, beginnend mit dem Anker. Da es schon sehr spät war, als ich an dieser Stelle des Aufbaus angekommen war, war mir entgangen, dass der Anker nicht direkt vorn angebracht wird, sondern auf der Platte dahinter. Erst später bemerkte ich den Irrtum. In beiden Konfigurationen lässt sich aber die Ankerkette auf- und abwinden, indem am Gangspill (hier eigentlich eine Winde) gedreht wird.
Klappbrücken
In typisch holländischer Manier verfügt der Dampfer vorn über zwei klappbare Brücken, um vom Steg an Bord zu kommen. Andersherum nicht, schließlich hat LEGO ein Faible für Schiffe, die nicht in den Heimathafen zurückkehrten… Jedenfalls sind beide Brücken baugleich und an mehreren Stellen drehbar gelagert.
Mit einem Konstrukt aus hauptsächlich Technic-Elementen werden die Brücken dann klappbar befestigt, indem ein weiteres Seil von 660 Millimetern Länge bei beiden über eine Umlenkrolle geführt wird. Auch dieses Seil wird lediglich durch eine Stange in einem kreuzförmigen Loch gehalten und nirgends angeknotet, auch nicht an der Winsch auf dem Texasdeck. Z16-Zahnräder (94925) ermöglichen es dort, das Seil anzuholen und dadurch die Brücken zu heben – oder zu senken, wenn es heißt, der Kapitän bildet das Schlusslicht. Alle sagen: „Wie schwer ist es, dass wir sterben müssen“ – eine seltsame Klage aus dem Mund von Menschen, die leben mussten.
Flaggenmasten
Zum Schluss werden noch zwei Flaggenmasten gebaut, einer kommt vor den Anker, der andere hinter die Masten für die Seile auf dem Texasdeck. Beide verleihen dem Modell noch etwas Farbe, dann ist das Schiff fertig.
Präsentationsständer
Schließlich und endlich bekommt das Schiff noch einen Präsentationsständer, der mir zwar baulich gut gefällt, aber einige Probleme aufwirft: Das Schiff ist extrem schwer, und es nur auf den paar Punkten aufzustellen, dürfte die Teile arg belasten – mal davon abgesehen, dass es schwierig ist, die richtige Stelle am Schiff zu finden, an der die Halterungen einrasten. Aufgrund der Höhe des Dampfers ist er stark kopflastig und neigt zum Umkippen, wenn man die Fugen sucht. Dazu kommt, dass die grandiose Funktion des drehbaren Schaufelrades nicht zum Tragen kommt, wenn man das Schiff nicht schieben kann. Und schließlich, wenn man schon einen Ständer nutzt, dann hätte ein Typenschild daran gemusst, ähnlich zur 10335 Endurance. Kurzum: Ich finde den Ständer herzlich überflüssig.
Ersatzteile
Bei einem so großen Modell bleibt es nicht aus, dass diverse Ersatzteile übrigbleiben, hier sollten es 102 sein – wenn ich mich nicht verzählt habe.
Finales Modell


Nun endlich, nach einer siebenstündigen Bausession, stand der Dampfer vor mir. Noch nie habe ich an einem einzigen Tag so lange gebaut, hier war der Aufbau aber zu keinem Zeitpunkt langweilig oder repetitiv (sieht man einmal vom Schaufelrad ab). Und das Ergebnis ist ein riesiges Modell, das man mit hinreichend Fantasie durchaus als Mississippi-Dampfer erkennen kann. Hinreichend ist hier schon wenig, falls das nicht klar war…


Zwar lassen sich alle Decks trennen, das Hauptdeck leidet aber darunter, dass es in die umlaufende Galerie eingepasst werden muss, statt mit dieser verbunden zu sein. Ebenso musste die Bar fix eingebaut werden, damit das Schaufelrad daran aufgehängt werden kann. Und ihr könnt hier die Teile für die Achse des Ruders in Augenschein nehmen, die es überhaupt erst ermöglichen, die Etagen abnehmbar zu haben.
Der Detailgrad der Einrichtung des Dampfers ist überragend, und, anders als zunächst vermutet, komplett im Minifigurenmaßstab gehalten. Nicht zuletzt deshalb bedaure ich es sehr, dass keine einzige Minifigur enthalten ist. Man hätte so schön einen Kapitän, einen Maat, einen Koch, und zwei, drei Passagiere beilegen können, entschied sich aber offenbar dagegen. Vielleicht wäre auch ein Posträuber oder ein anderer Krimineller möglich gewesen… Es gibt keine spezifisch amerikanische kriminelle Klasse außer dem Kongress. Und so ein Politiker hätte mir in dem Set noch gefehlt.
Leider kann man dem auch kaum selbst Abhilfe schaffen, da LEGO kaum Kleidungsstücke zum 19. Jahrhundert im Sortiment hat. Und Kleider machen Leute. Nackte Menschen haben wenig oder keinen Einfluss auf die Gesellschaft. Von daher hätte ich mir sehr gewünscht, dass es, nach dem 21344 Orientexpress (ein paar neue Teile) und dem 910044 Zug aus dem Wilden Westen (wie beim BDP vorgeschrieben, keine neuen Teile) nun einige weitere Torsos und Hüte jener Zeit gäbe.
Detailbilder
Zuletzt möchte ich euch noch ein paar Detailbilder zeigen, ohne sie weiter zu kommentieren. So spare ich es mir, noch mehr zu schreiben, ohne dass es je gelesen wird… Leser, nehmen wir an, du wärst ein Idiot. Und nehmen wir an, du wärst ein Mitglied des Kongresses. Aber ich wiederhole mich. Wenn jemand darauf reagiert, weiß ich immerhin, einen Leser gefunden zu haben…
Außenbereich
Klappbrücken
Innenraum
Vergleich mit dem Fanmodell
Der originale Entwurf stammt von Fandesigner Aaron Hall (CTDpower), dessen Flussraddampfer 2024 bei LEGO Ideas 10000 Unterstützer erhalten hat, und in der Folge zur Umsetzung ausgewählt worden war. Im direkten Vergleich sieht man, dass LEGO erstaunlich nahe am Original geblieben ist, nur die Farben etwas aufgehellt wurden. Und natürlich darf es niemanden verwundern, wenn seit vielen Jahren nicht mehr im Sortiment enthaltene Teile ersetzt werden…
Vielen Dank an die LEGO Group, die uns dieses Set für unser Review zur Verfügung gestellt hat. Der Artikel gibt jedoch ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.
Fazit: 21356 Flussraddampfer
Und wieder einmal bin ich nach einem Review unsicher, wie ich das Set denn nun bewerten soll. Während der Aufbau des Dampfers ausgesprochen abwechslungsreich und nie frustrierend war (mangels sichtbaren Fortschritts oder aufgrund zu vieler gerade auszurichtender Teile), und ich von den vielen Details im Inneren des Modells begeistert bin, kann ich der Ästhetik des Äußeren noch immer nicht allzu viel abgewinnen – dies ist aber kein Fehler des Sets, sondern des Vorbildes. LEGO hat schon die Farbgebung aufgehellt, trotzdem wirkt das Set auf mich irgendwie trostlos, bedingt durch die schlammigen Farben. Einzig das Schaufelrad sticht hervor, dessen rote Farbe sich zudem als Metapher auf den Menschen auffassen lässt: Der Mensch ist das einzige Tier, das errötet – oder müsste.
Das Schaufelrad ist über einen recht komplexen Mechanismus mit einer Funktion versehen worden: Schiebt man das Schiff, dreht man am Rad. Ebenso begeistert bin ich von der Führung des Ruders durch das halbe Schiff, nur, um es vom Steuerhaus auch steuern zu können. Eigentlich völlig sinnlos bei einem Display-Modell, liebe ich solche Funktionen jedes Mal.
Weiterhin freue ich mich, dass die Decks abnehmbar sind (wenn auch nur unter Mühen beim Hauptdeck), sodass der Innenraum gut einsehbar ist. Leider fällt dabei die Küche ins Auge, die als einziger Raum nicht gefliest ist. Zudem verwendet das Set mehrere Sticker, die es an sich nicht bräuchte, wenn man einen kleinen Teil bedruckt hätte und beim Rest auf Standardprints gesetzt hätte. Wenigstens die beiden Kacheln mit dem Namen des Raddampfers, Amelia, sind aber bedruckt. Und als (für mich) kleine zusätzliche Freude war es nicht einmal nötig, die beiden Seile (deren Länge ihr wohl noch immer nicht überprüft habt) festzuknoten, sondern sie konnten direkt durch Steckverbindungen gehalten werden!
Jedoch sehe ich den Sinn des Präsentationsständers nicht, da er nur noch einige Teile verbraucht, ohne das Aussehen des Sets zu verbessern. Da der Flussraddampfer zudem ausgesprochen schwer und unhandlich ist, ist es schwierig, ihn auf dem Ständer zu platzieren, und ich hege auch ernste Zweifel bezüglich seiner Stabilität.
Mein größter Kritikpunkt an dem Set ist aber die Absenz von Minifiguren! Der Dampfer ist komplett im Minifigurenmaßstab gehalten, und auch wenn stellenweise wenig Platz ist, wären Minifiguren unbedingt erforderlich gewesen. Dadurch wäre auch dem eklatanten Mangel historisch anmutender Kleidung bei den Minifigurenelementen Abhilfe geschafft worden, und dem Schiffsäußeren etwas der Tristesse genommen worden.
Zusammengenommen ist der Flussraddampfer ein schönes Modell, für das, was er sein soll – ein Mississippi-Schaufelraddampfer – nur optisch nicht ganz mein Fall. In lebendigeren Farben wäre er mir deutlich lieber gewesen, leider schien das damals nicht der Fall gewesen zu sein. Die blockige Struktur des Vorbildes trägt ihren Teil dazu bei, dass das Schiff nicht an den Standard vieler anderer Ideas-Sets heranreicht. Dank der Funktionen habe ich aber auch etwas, um mich komplett zu begeistern. Zuletzt die UVP: 330 Euro sind für ein Modell dieser Größe durchaus angemessen, aber Minifiguren hätten trotzdem noch beigelegt werden müssen.
Also: Wenn ihr euch für Flussraddampfer begeistern könnt, ist das Modell definitiv etwas für euch – sonst nicht. So deutlich muss man schon sein, dass ich bei dem Set keine allzu große Reichweite erwarte. Ihr solltet aber den Mut haben, euch eure Meinung selbst zu bilden. Seid vorsichtig beim Lesen medizinischer Bücher, ihr könntet an einem Druckfehler sterben. Also, wenn ich mich irgendwo vertippt habe, ist eure Insolvenz nicht mein Fehler! Denn das Set ist trotzdem teuer, und ein Kredit nicht die beste Wahl: Ein Bankier ist ein Kumpel, der dir seinen Regenschirm leiht, wenn die Sonne scheint, und ihn zurückfordert, sobald es zu regnen beginnt.
Und nun: Welche Größe der amerikanischen Literatur habe ich über das ganze Review hinweg schamlos zitiert? (Eigentlich eine einfache Frage, steht Hannibals Elefant doch schon im Raum.) Und wenn ihr keine Ahnung habt, haltet es wie dieser: Ich war erfreut, dass ich sofort antworten konnte, und das tat ich auch. Ich sagte, ich wisse es nicht.
Bewertung
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Benotung 🎵
Gesamtnote: 8 |
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Eure Meinung!
Wie gefällt euch der neue Flussraddampfer? Werdet ihr ihn euch gleich zum Release zulegen, mitsamt dem GWP, oder wartet ihr, in der Hoffnung, das Set mal mit einem Rabatt zu bekommen? Wem fehlen, wie mir, die Minifiguren an dem Set? Was sagt ihr zu den Funktionen des Modells? Erzählt uns eure Meinung gern in den Kommentaren!
4. April 2025 um 10:08
Tolles Review! So sehr mich der Bau reizen würde und der Innenausbau faszinierend ist, geht es mir wie dir, das äußere überzeugt mich nicht so richtig. Wenn ich dann noch bedenke, dass ich Schaufelraddampfer zwar schön finde, aber keine emotionale Bindung zu ihnen habe, wird der hier wohl im Regal bleiben (zumal es Gerüchte über ein Space Set gibt, das ein Pflichtkauf wäre…)
4. April 2025 um 11:00
Vielen Dank auch von mir für das ausführliche Review, Simon!
Als ich das Set in Billund gesehen und die Designerin kurz gesprochen habe (ich hatte keinen separaten Interview-Slot für Ideas), kamen mir zwei Gedanken: Warum kein Minifiguren-Maßstab und warum farblich so „gedrungen“. Das mag realistisch sein, aber irgendwie hinterließ der Dampfer so einen tristen Eindruck. Das ist schade, denn all die Details und die Funktion sind löblich. Alles eine Geschmacksfrage, aber vom „größten Ideas-Set aller Zeiten“ hätte ich mir persönlich mehr erwartet.
4. April 2025 um 11:13
Wunderbar geschriebenes Review!
Danke dafür.
4. April 2025 um 13:40
Frage von dir: “ Und jetzt erkläre mir bitte jemand, warum die Reihenfolge der Teile in der Anleitung unterschiedlich ist! (Punkt 459 und 460)“
Wenn diese Anleitung durch ein ähnliches Programm gelaufen ist, wie bei Studio, dann ist die Reihenfolge der verbauten Teile ausschlaggebend. Folglich wurden die Steine in unterschiedlicher Reihenfolge angebracht oder genutzt, bzw. kopiert, so dass genau diese unterschiedlichen Reihenfolgen entstehen. Stört mich im Grunde gar nicht, da es etwas auflockert 😉
Tolles Review…
4. April 2025 um 16:14
Sehr toll geschriebenes Review! Vielen Dank für die tolle Präsentation.
Ich finde das Schiff grundsätzlich richtig schön – innen wie außen.
Mein einziger Punkt ist leider auch ein für mich entscheidender.
Die Proportion des Verhältnisses von Höhe zu Länge. Beim Fanmodell ist das Schiff klar erkennbar in die Länge proportioniert. So sieht ein Mississippi-Dampfer aus.
Das LEGO-Set hätte die perfekten Proportionen eines großen Hafenschleppers.
Aber als ein Schiff dieser Klasse ist zumindest mir persönlich der Realitätsbezug in dieser Preisklasse wichtig. Perfekt wären zwei Rumpelemente mehr Logischerweise wäre der Preis dann höher. Aber wenn schon hoch, dann auch richtig gut. Daher leider leider für mich trotz des sehr schönen Designansatzes kein Kauf – und ich bin was das Thema angeht eigentlich voll in der interessierten Zielgruppe. Aber vielleicht ist genau das mein Problem….;)