Ich werde im Folgenden natürlich nur meine Ansicht wiedergeben. Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, ob ihn ein Modell anspricht und auch bezüglich Funktion und Preis/Leistung überzeugen kann. Wenn ich durch dieses Review den ein oder anderen Hinweis geben kann um diese Entscheidung zu unterstützen – umso besser! André Micko


Drei Dinge machen für mich ein LEGO Technic Modell attraktiv:

🔹 Realistische Anlehnung an ein(e) existierende(s) Fahrzeug / Konstruktion

🔹 Rein mechanische Umsetzung der Funktionen (das heißt keine Motorisierung)

🔹 So groß und detailliert wie möglich

Klar, dass somit der neue LEGO Technic Mack Anthem 42078 für mich nahezu unwiderstehlich war. Erfreulicherweise wurde er bereits am 27. Dezember in der Metro angeboten, eine knappe Woche bevor er im LEGO Online Shop gelistet war. (Hinweis: Aktueller Preis bei der Galeria Kaufhhof 114,99 Euro statt 149,99 Euro, jedoch derzeit vergriffen.)

Mit circa 25 Prozent Rabatt auf die UVP musste nicht lange überlegt werden, und nach kleineren Schwierigkeiten (verspätete Verfügbarkeit) stand der Karton mit dem begehrten Inhalt Abends in meinem Büro.

Zusammenbau und Umfang

Der Mack Anthem 42078 besteht aus 2.595 Teilen und kostet 149,99 Euro (UVP). Der Truck mit Anhänger ist circa 20 Zentimeter hoch, 13 Zentimeter breit und 83 Zentimeter lang. Die Beschreibung seitens LEGO weicht hiervon etwas ab, da der Konzern die Höhe und Breite bei maximal ausgefahrenen Stützen beziehungsweise Kranauslegern angibt. Wie auch immer, insgesamt hat er eine recht ordentliche Größe.

Der Aufbau ist in sieben Bauabschnitte unterteilt. Dementsprechend sind die in der Box befindlichen Tütchen nummeriert, wobei sich die Bauabschnitte 3 und 4 zusammen mit der Anleitung nochmals in einem separaten Karton befinden. Dazu gibt es noch einen Aufkleberbogen, der 35 unterschiedliche Sticker aufweist. Da einige jedoch mehrfach vorkommen, hat man insgesamt 55 mal das Vergnügen ein LEGO-Element selbst zu verzieren.

Seit ich die Speed Champions Serie in meine Sammlung aufgenommen habe, schrecken mich Aufkleber etwas weniger ab, und eine gewisse Routine schleicht sich auch so langsam ein. Aber es gibt hier schon ordentlich was zu kleben, und das in allen Formaten. Größte Gefahr neben dem „schräg-verkleben“: Meine Tochter (2) bekommt die Sticker vor mir in die Hände und verschönert damit diverse Gegenstände…

Es gibt übrigens auch bedruckte Steine, wie zum Bespiel den an der Motorhaube angebrachten „Mack“-Schriftzug. Allerdings gehen diese etwas im Rauschen der Aufkleberflut unter.

Die Anleitung selbst hat stolze 428 Seiten im (fast) DIN A4 Querformat. Dementsprechend detailliert ist sie gestaltet. In 819 Einzelschritten wird bildhaft beschrieben, wie sich aus einem Haufen mehr oder weniger kleiner LEGO-Steine ein Truck (516 Bauschritte) mit Anhänger (233) und Container (70) zusammensetzen lässt.

Wer etwas zu mäkeln hat, könnte hier höchstens den Umblätteraufwand anführen, aber dem möchte ich mich nicht anschließen: Meiner Meinung nach kann man die Anleitung nicht besser gestalten, und so kann beim Aufbau kaum etwas schief gehen. An einigen wenigen Stellen sollte man dennoch etwas genauer hinschauen, zum Beispiel an welcher Position ein Anbauteil an das Hauptelement angefügt wird.

Ein paar Stunden muss man für den Aufbau einrechnen, bevor schließlich der fertige Mack in seiner Pracht auf dem Tisch, respektive Boden, vor einem steht.

Vorstellung im Detail

Fangen wir mit dem Truck an: optisch ein Leckerbissen! Er sieht in der Realität genauso gut aus wie es schon die Bilder erahnen lassen. Es mag die ein oder andere Abweichung zum Original geben, zum Beispiel die fehlenden Zwillingsreifen hinten. Dies ist aber aus meiner Sicht dem gewählten Maßstab geschuldet und tut der Optik keinen Abbruch.

Im Folgenden will ich mehr auf die Dinge eingehen, die mir in der Umsetzung bzw. Funktion aufgefallen sind, also die „inneren Werte“. Zunächst wäre da der Motor: Es fehlen die typischen, meist gelben Kolben, die sich in den nicht weniger typischen Zylindern bewegen. Stattdessen befindet sich unter der natürlich aufklappbaren Haube ein angedeuteter Motorblock, in dem die Zylinder jeweils aus einer einfachen 3er Achse bestehen und auf einer Kurbelwelle aufliegen. Wohlgemerkt nur aufliegen, und nicht etwa mit ihr verbunden sind. Über diese bewegen sie sich während des Fahrens um etwa eine 0,5er Achslänge beziehungsweise circa 3mm auf und ab.

Mit Sicherheit ist diese Umsetzung weiter weg von der realen Funktion eines Motors und etwas gewöhnungsbedürftig. Zumindest wenn man die Motoren der anderen Modelle kennt. Dennoch ist das Konzept interessant und passt eigentlich ganz gut zum Gesamterscheinungsbild – natürlich nur, wenn man die Haube öffnet, da ansonsten davon ohnehin nichts zu sehen ist.

Prinzipbedingt ergeben sich dezente „Klack“-Geräusche während des Fahrens, wenn sich die vermeintlichen Zylinder absenken. Braucht man nicht unbedingt, stört aber nicht weiter, und ist halt so.

Von außen lässt sich der Truck über ein Zahnrad, welches sich an der Rückseite des Führerhauses befindet, lenken. Im Gegensatz zur üblichen Positionierung auf dem Dach wie bei vielen anderen Modellen wird so die Optik nicht beeinträchtigt, dennoch lässt sich das Zahnrad auch bei angehängtem Hänger gut erreichen.

Besonders schön finde ich, dass die Lenkfunktion auch über das im Führerhaus montierte Lenkrad gegeben ist. Dieses ist also nicht nur über Pins befestigt, sondern voll funktional. Mehr oder weniger zumindest, da es aufgrund der Übersetzung schwer zu drehen ist: nur eine knappe Viertelumdrehung des Lenkrades reicht aus, um die Räder von ganz links nach ganz rechts anzuschlagen. Hinzu kommt noch die Enge im Führerhaus, die eine Bedienung zumindest bei geschlossener Tür nahezu ausschließt.

Von außen lässt sich das Fahrzeug dagegen ausgezeichnet steuern. Die Übersetzung und wie gesagt auch Positionierung sind gut gewählt.

Im Führerhaus ist hinter den einfachen, aber toll aussehenden Sitzen noch ein Bett untergebracht, welches allerdings in aufgebautem Zustand weder zu sehen noch irgendwie zu erreichen ist. Insofern dürfte dieses durchaus schöne Detail nur dem Erbauer selbst bekannt sein.

Die Türen sind optisch schön integriert, funktional allerdings kein Meisterwerk. So sind sie beispielsweise nur mit einem Technikpin an der Unterseite fixiert und dementsprechend instabil in geöffnetem Zustand. Und wenn wir gerade schon bei den Details sind: aus -fiktiver- Fahrerperspektive sind die Spiegel alles andere als für die Rücksicht zu gebrauchen. Beides aus meiner Sicht auch hier wieder bedingt durch den Maßstab.

Abschließend kommen wir zu den Rädern: vorne Einzelradaufhängung, die hinteren beiden Achsen sind jeweils mit einem Differential verbunden und werden beide vom Motor angetrieben. Beziehungsweise, um ganz genau zu sein, treiben wie bei allen Technic Modellen die Räder den Motor an, in diesem Fall eben beide Hinterachsen zusammen. Die Räder sind übrigens allesamt nicht gefedert.

Zum Hänger: wie auf den Bildern ersichtlich, beinhaltet er einen Container, der über Ketten an zwei Kranauslegern befestigt ist und über diese seitlich herabgelassen werden kann. Bewegt werden die Ausleger mittels jeweils zweier Mechanikzylinder, die über ein entsprechendes Getriebe angesteuert werden. Die Bedienung erfolgt über zwei Zahnräder am Heck des Hängers.

Beide Ausleger sind synchronisiert, das heißt die Drehung am linken Zahnrad bewirkt ein gleichzeitiges Aus- oder Einfahren des unteren Zylinders bei beiden Auslegern. Dementsprechend wird bei beiden Auslegern der obere Zylinder bewegt, wenn man am rechten Zahnrad dreht. Das funktioniert einwandfrei, allerdings wirken aufgrund des Containergewichtes (leer!) schon ordentlich Kräfte auf die Konstruktion, insbesondere wenn sich der Container auf halber Strecke neben dem Hänger in der Luft befindet.

Da ich die unmotorisierten Versionen bevorzuge, gefällt es mir gut hier selber Hand anlegen zu müssen und die Mechanik direkt zu „erfahren“. Man ist dann auch eine kleine Weile beschäftigt, bis der Container den Boden erreicht (gemessen circa 45 Sekunden).

Erstaunlicherweise ist von LEGO keine Option zur wenigstens nachträglichen Motorisierung vorgesehen. Das heißt es gibt keine zusätzliche Anleitung, um das Set mit Batteriebox und Power Functions Motor zu erweitern, obwohl ausreichend Platz zur Verfügung steht und wohl viele Technic-Bauer sich die Kurbelei gerne vereinfachen würden. Heißt also: selber tüfteln oder auf eine private Anleitung im Internet hoffen.

Neben den Kranauslegern gibt es noch zwei Stützen, die über einen kleinen Hebel ausgeklappt werden können. Dies geht sehr einfach, schnell und verriegelt zuverlässig. Die Stützen sind auch notwendig, da der Hänger sonst aufgrund des Containergewichtes kippen würde. Eine weitere Stütze befindet sich im vorderen Bereich, um den Hänger abgekoppelt hinstellen zu können. Auch das ist gut umgesetzt. Oh, und fast hätte ich es vergessen: der 40er Jahre Jubiläumsstein ist natürlich nicht mehr vorhanden…

Fazit

Was heißt das jetzt alles zusammengefasst? Zunächst aus meiner AFOL-Perspektive, das heißt ich baue die Modelle auf, teste alle Funktionen und bewundere sie anschließend die meiste Zeit in der Vitrine: Ich finde die Optik des Trucks fantastisch und er hätte noch eine Nummer größer ausfallen dürfen, um weitere Details unterzubringen, wie beispielsweise die hinteren Zwillingsreifen oder eine Federung der Räder.

Mack Anthem 42078 im Vergleich mit dem Mercedes-Benz Arocs 42043

Die Kranausleger hätte ich nicht gebraucht, stattdessen nur einen riesigen Container auf dem Hänger, wie man sich einen Sattelzug vorstellt. Das wäre weniger verspielt gewesen und näher an der Realität (erster Punkt meiner Technic Attraktivitätsliste). Zumindest habe ich so das reale Modell vor meinem geistigen Auge – auch wenn ich nicht ausschließen möchte und kann, dass es die Geschichte mit den Kranauslegern auf der Straße draußen geben mag.

Aus Sicht der eigentlichen Zielgruppe (wenn man sich an die angegebene empfohlene Altersgruppe von 11 bis 16 erinnert) bietet gerade die Mechanik des Hängers das i-Tüpfelchen an Spielspaß und Funktion, um aus dem Mack Anthem 42078 ein geniales Gesamtpaket zu machen. Hierfür ist es ein gelungener Kompromiss aus Größe (die ja letztendlich auch Auswirkungen auf den Preis hat), Optik und Funktion. Vergessen ist der Allrad Abschleppwagen 42070. Mit dem Mack Anthem Truck gibt es ein tolles, neues Modell, und einen super Start ins neue LEGO Technic Jahr 2018. Mehr davon!

Was sagt ihr zum neuen LEGO Technic Mack Anthem 42078 Truck? Äußert euch gerne in den Kommentaren.