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Meine persönliche Enttäuschung mit LEGO Smart Play [Meinung]

Smart Play | © Max Mohr

Die große Enttäuschung über den Smart Brick – Hatte das System je eine Chance und warum ich mich eigentlich über Smart Play gefreut hatte.

LEGO Smart Play ist für mich äußerst enttäuschend… Wow, Hot-Take-Alarm.. Ich weiß, auf neuen Ideen von LEGO um das Spielen auf die nächste Ebene zu bringen herumzuhacken ist etwa so originell wie Nudeln mit Tomatensoße zu kochen. Dennoch möchte ich einfach etwas zum neuen LEGO Smart Play System sagen, nun da es nicht mehr neu ist. Wenn ich noch ein paar Monate warte ist es vielleicht sogar bereits ein Fall für’s Classic Review. Warum also will ich mich jetzt auch dem Chor der Negativität um dieses Thema anschließen?

Nun ja, auf den Punkt gebracht, weil ich nicht von Anfang an dazugehörte. Nein, ich war tatsächlich optimistisch interessiert am neuen Smart Play System und daher ist es für mich nun besonders ärgerlich, dass meine Hoffnungen fast vollständig enttäuscht worden sind.

Inhaltsverzeichnis

Die Spielregeln

Ein Redaktionsmitglied wird wöchentlich zu einem steinigen Thema kompakt seine Meinung kundtun und dabei ganz gewiss mit manch These bei dem ein oder anderen Leser anecken. Daher schieben wir den Stein zu euch, und ihr könnt euch in den Kommentaren selbstverständlich ebenfalls zu diesem Thema äußern. Der Austausch von Gedanken ist sehr wichtig – und das auch, wenn es sich „nur“ um ein gemeinsames Hobby handelt. Folgend meine persönliche Meinung – und nicht die der Zusammengebaut-Redaktion als solches.

Meine Meinung

Vorab: Wenn euch Reviews zu den Smart Brick Sets interessieren, hat Max einige gemacht.

Wann immer LEGO etwas Neues wagt, schreien alle Sodom und Gomorrha. Daher war es nicht schwer vorherzusagen, wie die Afol-Community auf LEGO Smart Play reagieren würde. Für mich ganz persönlich war die Ankünfigung aber ganz spannend eigentlich. Das neu vorgestellte System erinnerte mich stark an LEGOs experimentelle Phase in den späten 90ern und frühen 2000ern und das finde ich gut. Diese Zeit sehe ich als kreative Goldgrube in LEGOs Produkthistorie. Damals jagte eine spannende Idee die nächste und ja nicht jede war finanziell erfolgreich aber was interessiert mich das als Kunde, wenn ich einen Aero-Tube-Hangar oder einen Interstellar Starfighter haben kann? Jetzt wo LEGO die Formel geknackt zu haben scheint, was sich gut verkauft, sind viele ihrer Themenreihen für mich zu einer ewigen Aneinanderreihung „sicherer Treffer“ geworden, was mich inzwischen wirklich anödet.

Und dann kommt LEGO Smart Play und verspricht ein interaktives Spielerlebnis mit einem Brick, der auf seine Umgebung reagieren kann. Er erkennt die Position anderer Smartbricks um sich herum, er erkennt Farben und kann NFCs auslesen, um entsprechende Aktionen zu vollführen. Soweit klingt das doch großartig! Was für eine tolle Idee das kreative Spielen anzuregen! Jetzt braucht es nur noch eine kreative Themenwelt zur Einführung des Smart Bricks…

LEGO Star Wars

… von allen Themenreihen, die LEGO hätte auswählen können für ihr neues Smart Play System, könnte ich mir keine ungeeignetere vorstellen als LEGO Star Wars. Die Themenreihe ist sicher vieles aber wirklich kreativ ist sie schon seit mitte der 2000er nicht mehr wirklich. Hinzu kommt, dass LEGO Star Wars Fans notorisch dafür bekannt sind, wie schwer es ist, sie zufriedenzustellen. Ein weiter Teil der Online-Community der LEGO Star Wars Fans interessiert sich für eine Sache: So Filmakkurat wie möglich! (Sie wünschen sich mehr Details und Minidolls, die mehr den Proportionen eines Screen-Accuraten Menschen entsprechen als Minifiguren) Und das ist völlig fair. Man sieht seit Jahren, dass die Star Wars Sets sich immer mehr in diese Richtung entwickelt haben, von sogenannten „Chase-Minifiguren“ mal ganz abgesehen.

Der Smart Brick hatte von Anfang an verloren. Die meisten hatten ihn schon abgeschrieben, als er angekündigt wurde, ohne irgendetwas über ihn zu wissen. Und gerade bei einer Reihe wie Star Wars zeigen sich seine Defizite nochmal stärker. Das Element ist klein, es wird also von der Soundqualität auch klein klingen. Außerdem erzeugt es seine Sounds nicht über eingespeicherte MP3-Dateien die abgespielt werden, sondern über einen Synthesizer. Grob vereinfacht, das Element überlagert Schwingungen und frisiert elektrische Signale um Geräusche zu erzeugen. Das bringt den Vorteil, dass der Brick seine Informationen über NFCs als „Sound-Bastel-Anleitungen“ aufnehmen kann, anstatt an Speicherplatz gebunden zu sein.

Die Star Wars Sets leiden aus mehreren Gründen darunter. Der erste ist natürlich, dass keine filmakkuraten Sounds abgespielt werden. Der Zweite aber und das ist für mich einfach völlig unverständlich: Die Sets sehen aus, als wären sie völlig um die Integration des Smart Bricks designt worden und nicht andersherum. Warum? Was war hier die Idee?!

Große Enttäuschung

Beide dieser Thematiken hätte simpel gelöst werden können: Jeder weiß, wie ein TIE-Fighter klingt und aussieht aber niemand weiß, wie das neue Nebulon X7 Star Patrol von LEGO Space aussieht oder klingt. Mit einer eigenen Themenreihe, ihr wisst schon LEGO, das ist das Zeug von dem ihr früher mal ganz viele hattet, wäre alles bisher diskutierte hinfällig.

Doch selbst dann bliebe Smart Play eine Enttäuschung.

  • Das „Reden“ der Figuren ist lächerlich und es wäre besser gewesen, die Smart Figuren einfach wegzulassen.
  • Die „Schuss-Treffer-Versenkt“ Funktion des Smart Bricks erfordert es lediglich, dass beide Smart Bricks in Reichweite sind, nicht aber, dass tatsächlich gezielt werden muss. Der LEGO Duplo MyBot konnte dies bereits im Jahr 2000, da er auf veralteter Infrarot-Technologie basierte, für die Zielen erforderlich war. Ich dachte euer Smartbrick kann seine Position zu anderen Smart Bricks erkennen? Wenn er das tatsächlich kann, warum muss ich dann nicht zielen?!
  • Teurer Einstieg und keine guten Möglichkeiten das System zu erweitern. Warum ist mein Einstiegspreis für den Smart Brick ein 70€ Set? Der Stein, inkl. Ladegerät und ein paar Standard Smart-Tiles sollten einzeln als Set zu kaufen sein. Damit könnten Kinder das System leichter in ihre Sets und MoCs integrieren. Es kann nicht sein, dass ich ein 70€ Set kaufen muss, um einen Smart Brick zu haben und dann nur sehr begrenzt Möglichkeiten habe, ihn ohne weitere Sets tatsächlich kreativ zu nutzen
  • Zweiter Stein notwendig. Mehr oder weniger kann ich die meisten spaßigen Sachen nur machen, wenn ich mindestens zwei Smart Bricks besitze, was ein Minimum von 140€ erfordert. Andernfalls kann ich nicht interaktiv spielen und muss den Brick jedes Mal aus- und umbauen, um Funktionen verwenden zu können. Das ist nervig und wird von Kindern sicherlich nicht zu oft gemacht werden
  • So wie es steht, sehe ich keinen wirklichen Vorteil zu einem herkömmlichen „Light&Sound“-System. Ja der Stein erkennt Farben, um Reparatur-Geräusche oder Auftankgeräusche zu machen. Diese sind aber auch „nur“ Sounds und haben keinen Einfluss auf die Spielerfahrung. Zum Beispiel spielt die Reparatur keine Rolle bei der „Schuss-Treffer-Versenkt“-Funktion und füllt keine Hitpunkte wieder auf.
  • Ein eher kleiner Punkt aber der Vollständigkeit halber sei er erwähnt: Der Smart Brick blinkt rytmisch. In dieser Zeit sucht er nach „Signalen“. Der Nachteil ist daran, dass schnellere Funktionen, wie das Abfeuern einiger Star Wars Kanonen, nicht ganz flüssig mit ihm funktioniert aufgrund der „Totzeiten“.

Diese Punkte bringen mich dazu, obwohl ich dem Smart Play System offen und optimistisch gegenüberstand, es bis hierhin als Flop zu bezeichnen. Das ist wirklich schade. Ich möchte nicht, dass LEGO aufhört zu experimentieren. Um ehrlich zu sein hätte ich es gerne, dass sie mal wieder Underdog wären und sich Gedanken machen müssten, um ihre Produkte kreativer zu machen. Und wer weißt, vielleicht hat Smart Play seine letzte Patrone ja auch noch nicht geschossen. Die Pokémon Sets sehen schon wesentlich besser aus. Wie die Funktionen gehandhabt werden, weiß ich leider aber noch nicht. Ist das System noch zu retten? Möglicherweise. Ich hoffe, dass dieser Artikel als konstruktive Kritik wahrgenommen wird. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die sich freuen, dass Smart Play floppt, sondern zu denjenigen, die ehrlich enttäuscht sind.

Zum Schluss sollte ich noch anmerken, dass ich das System nur im LEGO Store etwas ausprobiert habe und einige Videos gesehen habe dazu. Selbst aber besitze ich keinen Smart Brick. Eigentlich wollte ich ein paar Space MoCs für Smart Play bauen. Aber um ehrlich zu sein überzeugt mich der Brick zu wenig. Für das Experiment ist er mir dann auch zu teuer. Wenn ihr einen Kommentar schreibt, würde mich zusätzlich zu eurer Meinung auch immer interessieren, ob ihr Erfahrungen mit dem Brick habt oder nicht.

Meinungs-Mittwoch

Eure Meinung!

Jetzt seid ihr dran! Freut ihr euch, dass Smart Play zu scheitern droht? Oder seid ihr auch eher enttäuscht? Oder und das würde mich besonders interessieren: Seid ihr/eure Kinder der Meinung, dass das System super ist? Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

Jonas Heyer

Geht mit Johnny Thunder auf die Suche nach den Schätzen der LEGO Geschichte. Von den Gewässern Redbeards geliebter Karibik, über die Helden des Westens, bis hin zu den tapferen Rittern von Richard Löwenherz!

11 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Ich freue mich nicht, dass Smart Play eventuell scheitert, ich bin nur extrem überrascht, dass Lego so sehenden Auges in die derzeitige Situation hineingeschlittert ist. In einem stimme ich dir nämlich komplett zu, Star Wars war so ziemlich die ungeeignetste Themenwelt für die Einführung.

    Was meine Jungs davon halten kann ich nicht sagen, die haben davon noch nichts mitbekommen (ist nicht ihre Themenwelt, genauso wenig wie Pokemon)

  2. Ich habe heute im LEGO-Store mal an der Teststation die Knöpfe gedrückt und das dort dargestellte Szenario von TIE-Fighter vs. X-Wing ist ja nicht schlecht, wenn das da so in Bewegung zu sehen ist. Aber dann schaut man sich die drumherum drapierten Kisten an und wacht wieder in der Realität auf. Für mich bleibt das größte Problem die absurden Preise, die es schlicht unmöglich machen, es einfach mal zu probieren und vielleicht interessante Verwendungen zu finden. Wenn es preiswert genug ist, kann ja auch „mittelmäßig gut“ Spaß machen und manche technische Schwäche kann man ausblenden, aber das sehe ich hier nicht. Bei den Preisen wird es schon zum Horrorszenario, wenn der Stein ganz unten in der LEGO-Kiste verschwindet und das Kind heult und wenn er kaputt geht, heult der Papa mit… 😀

  3. Dem ist nix hinzuzufügen, der Dumme Brick ist die dämlichste Sache die Lego je verbockt hat (neben den 2!!! CMF Serien mit Autos & Helmen…)
    „Light&Sound“ kann wenigstens noch Licht machen…

    • Ich bin grundsätzlich nach wie vor der Meinung, dass Smart Play eine interessante Idee mit viel Potential ist. Nur die Umsetzung ist in meinen Augen einfach nicht ausgereift genug, um wirklich großen Mehrwert zu bieten.

      Zu den Auto-CMF Serie habe ich ja hier ein Review anfertigen und muss sagen, dass ich sie grundsätzlich nicht verkehrt finde. Das einzige wirkliche Problem mit ihnen ist für mich, dass sie einen Minifiguren-Serien-Slot besetzen. Aber per se ist es nicht schlimm, dass es solche kleinen Einsteiger-Spielzeugautos gibt.

  4. Wenn man eine eigentlich gute Produktidee so miserabel umsetzt, dann wird es schwer, das nochmal in die Erfolgsspur zu bringen. Welche Marketingspezialisten das noch retten wollen, will ich mal wissen.
    Aber das wäre eine Chance, sich mal wieder auf die analogen Stärken zu konzentrieren. Wenn man bedenkt, dass Lego in den 80ern schon Licht und Sound in den Spielsets hatte fragt man sich, warum das heute nicht gemacht wird. Ab und zu bekommt man mal einen Leuchtstein, das war’s.

    • Die Rückkehr eines vernünftig modernisierten Light&Sound-Systems würde mich auch sehr interessieren. Vielleicht auch die Möglichkeit, die Modular Buildings abseits der bisherigen Lösungen schön zu beleuchten. Wäre dann aber wahrscheinlich ein teurer Spaß. Aber wenn es sich lohnt, warum nicht. Light&Sound fand ich in den 80ern jedenfalls klasse.

      Über den Smart Brick kann ich leider nichts sagen, da ich ihn nicht besitze. Sollte er vielleicht mal in einem schönen City-Set verbaut werden, könnte ich mir vorstellen, ihn mal auszuprobieren. Wobei mich die allgemeine Einschätzung hier schon davor zurückschrecken lässt.

      • „Wäre dann aber wahrscheinlich ein teurer Spaß.“
        warum sollte das ein teurer Spaß sein, ein paar LEDs zu verbauen?
        Also klar, das was LEGO daraus machen würde, wäre mit Sicherheit ein teurer Spaß, aber nicht weil es nicht auch preiswert ging…

        Ich verkneife mir den Verweis auf andere Hersteller, die das sehr gut können und machen…sind diese Sets ein teurer Spaß? Auf gar keinen Fall, sind sie preiswert, sprich Ihren Preis wert. Etwas das LEGO, Ausnahmen bestätigen die Regel *hust* schon ganz lange aufgegeben hat.

        • Ich hatte für die letzte Zusammengebaut eine Modulhaus-Stadt beleuchtet (der Artikel folgt noch). Komplett DIY, und erschütternd teuer. Das Kostspielige sind eben nicht die LEDs – die kosten wenige Cent -, sondern die Schalteinheiten, also Schieberegister und Transistoren. Von den Mikrocontrollern und den Konstantstromquellen schweigen wir mal lieber gänzlich…
          Dazu kommt, dass LEGO das ganze so konzipieren müsste, dass es in allen Märkten mit den Gesetzen konform geht, und auch nicht irgendwelche Spezialisten die LEDs in Sperrrichtung schalten und sich dann wundern, warum sie nicht funktionieren (Elektronik ist nicht einfach).
          Sicher, andere Hersteller produzieren auch Beleuchtungs-Kits, aber zumindest die, die ich kenne, sind nicht gerade günstig. Trotzdem würde ich mir sehr wünschen, dass LEGO zumindest 18+-Sets optional mit Beleuchtung anbietet, da lasse ich dann auch das Trottel-Argument nicht mehr gelten. Ob das jemals etwas wird? Inzwischen ist der Test, bei dem LEGO im LEGO-House-Store Mock-Up-Kartons beleuchteter Sets aufgestellt hatte, um die Kundenreaktion zu testen, auch wieder Jahre her, ohne dass etwas passiert wäre. Ich befürchte also, dass LEGO den Beleuchtungs-Markt bewusst anderen Firmen überlässt, und lieber ein paar Euro liegen lässt als sich mit fragwürdigen Gesetzen und übermäßig herausgeforderten Kunden herumzuplagen.

  5. Der Smartbrick ist für mich und mein Sammelgebiet ziemlich uninteressant, daher habe ich mich anfangs nicht groß damit beschäftigt. Je mehr ich dann darüber gehört und gelesen hatte, desto schlimmer klang das alles. Also habe ich mir das Teil vor einigen Wochen mal aus Interesse angeschaut und kann den Artikel zu 100% unterschreiben. Ich war regelrecht fassungslos, wie man das Konzept dermaßen verhunzen kann. Die Features, insbesondere die Sounds, sind erbärmlich, aber die Preispolitik ist der absolute Witz. Einzelverkauf nicht vorgesehen, kauft euch ein Set und wenn ihr mehrere SB haben wollt, dann eben mehrere Sets. Wer denkt sich sowas aus?? Wirklich schade, ich war in meiner Kindheit in den 90ern großer Fan der sound and light Modelle und das war meine erste Assoziation. Als Lego noch mutig und innovativ war….

  6. Ich bin mal gespannt auf die Pokemon. An sich sollte das System perfekt passen.
    Die Aussage „Lage im Raum erkennen“ hatte ich auch deutlich komplexer als nur „in Reichweite“ verstanden.

  7. Das mit dem Zielen ist dann wohl für mich die größte Enttäuschung. Ich habe das wirklich mal so gelesen und geglaubt, zielen wäre notwendig. Das hätte dann auch Spaß produziert – inklusive ausweichen und Lebenspunkte wieder auffüllen an Stationen oder power ups…

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